Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré

Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré


Wuchtbrumme

Nanu – so riesenhaft und furchteinflößend wie auf den Hochglanzgazetten und Werbeprospekten sieht sie dann also doch nicht aus, Yamahas langersehnte Antwort auf den Überflieger und Gipfelstürmer BMW GS: die XT 1200 Z Super Ténéré. Sie wirkt eher rundlicher, fast wie eine übergewichtige Geisha aus Fernost, die unbedingt ihrem Sumoringerkollegen paroli bieten will. Und zu bieten hat sie einiges, die Yamaha. Mit 110PS, strammen 114NM und einem Kampfgewicht von 261kg fahrfertig traut man sich doch wohl in den Ring, oder?

Also erst einmal aufsitzen. Während der quirlige Yamahamensch um mich herumkreist und mir alle verbauten Besonderheiten und Gimmics auf einmal erklären will, konzentriere ich mich primär auf die Sitzposition. „Mit drehen der Schablone kannst Du auch die Sitzhöhe variieren. Von 84,5cm auf 87cm, ist doch gut‚ ne?“ Wie gut man sich doch aufgehoben fühlt, auf dieser Wuchtbrumme. Alles passt, ergonomisch gut gearbeitet, yamahatypisch eben. Hey, was ist das, wie fühlt sich denn die Raste an? Weich und dennoch bombenfest ruht mein Stiefel auf einer kecken Metallzähneraste mit Gummieinlage. Mir kommt sofort wieder die sumoringende Geisha in den Sinn...

Fahreindrücke

Knopfdruck – und los! Im langsamen Betrieb merkt man der massigen Japanerin ihren Hüftspeck deutlich an. Etwas träge und behäbig wirkt die ganze Fuhre. Aufgrund des phänomenalen Motors aber kann die Super Ténéré recht geschwind ihre Dickleibigkeit ablegen und flitzt völlig unproblematisch und geradezu grazil über den Asphalt. Wow, so müssen sich also Wüstenstürmer demnächst fühlen, wenn die nach Südamerika ausgelagerte Rallye Paris-Dakar unter die Grobstoller genommen wird. Mittlerweile müsste sie warmgefahren sein, glaube ich jedenfalls. Trotz allerlei Infotainment im reichhaltigen Cockpit fehlt mir das Ölthermometer. Warum bauen die eigentlich nie so ein vergleichsweise billiges Teil ein? Lange hänge ich aber dieser Frage nicht nach und dreh behände am Quirl.

Wie ein Yamaha TRX-850-Motor, der in den Zaubertrank gefallen ist, bollert der 270 Grad hubversetzte Triebsatz der Super Ténéré los. Bereits kurz unter 2000 U/min gibt‘s kraftvollen Vortrieb. Also doch Sumoringerin! O.k., der rasend schnelle Drehzahlanstieg ist das nicht, die zwei Ausgleichswellen schwingen sich gepaart mit dem zahmen 4-Ventilkopf nicht zu der Quirligkeit einer TRX auf. Das ändert auch nicht das Mappingschalterchen „Sport“ oder „Touring“, wobei letzteres den Motor noch ein bisschen müder werkeln lässt. Über den Sinn dieses Gimmics noch nachdenkend kann man den Drehmomentanstieg wirklich genießen. Das Drehmoment kommt souveräner, nachdrücklicher und verdammt wirksamer als bei ihrem Motor-Urahn TRX.

Yamaha XT1200Z Super Tenere 03

Die erste Autobahnabfahrt kommt, recht guter Belag und wieder 270 Grad, diesmal der Kurvenradius. Sie müsste das Fahrwerk sprechen lassen – die ersten Schwachstellen offenbaren. Na, wenn dat man gut geht. Aber auch hier belehrt sie mich eines Besseren. Souverän, stabil und überraschend kurvenfreudig läuft meine vollschlanke Japanerin mit ihrer exzellenten Upside-down Gabel durch die Kehre und kaschiert nicht nur gekonnt ihre Pfunde, sondern ebenso ihren alternativen Antriebsstrang. Der Kardan zeigt keinerlei Aufstellen, Trampeln und Schlagen – läuft wie ein Kettenantrieb mit eindeutigen pflegerischen Vorteilen. Die perfekte Welle eben. Und Gas! Wellenreiten auf der Drehmomentkurve macht auf der nächsten Autobahnetappe  ebenso viel Spaß wie das Ausdrehen des Twins. Erst mal in den Höhen des Drehzahlbandes angekommen, rast die Kleine – ja sie lässt sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase durchaus leicht steuern – stolz und zielgenau durch die Autobahnkurven.

Yamaha XT1200Z Super Tenere 06

Gleiches geschieht auch auf kleinen Straßen, seien sie nun der ersten oder der dritten Kategorie zuzuordnen. Sauber überfliegt die XT 1200 Z Frostaufbrüche und Verwerfungen im Teer und klappt völlig unproblematisch in die nächste avisierte Kurve. In sehr engem Geläuf auf kleinen Passsträßchen begeistert ihre sanfte Gasannahme, die dich eher behutsam aus den Kurven hebt statt dir zu drohen, dich in die nächste Planke zu reißen. Zwar lassen großer Radstand und üppiges Kampfgewicht keine wirkliche Kurvenräuberei zu, ihre Schräglagenfreiheit und überraschende Kurvenstabilität hingegen machen auch solcherlei Ausflüge zum Genuß. Dabei gibt sie recht sauber Rückmeldung über das aktuelle Geläuf. „Ha! Besser als BMW – wusst ich‘s doch“ geistert mir durch den Sinn, werde dann aber von der jetzt etwas zu weichen Hinterradfederung abgelenkt.

Yamaha XT1200Z Super Tenere 08

Wie sieht’s denn eigentlich mit den Verstellmöglichkeiten aus? Anders als bei der Ducati Multistrada muss man hier noch selbst Hand anlegen, wird aber durch praktische Einstellungsanzeigen am Federbein gut und leicht unterstützt. So mein fernöstlicher Alleskönner, ab mit Dir in den Wald. Eine gesplittete Holzabfuhrstraße mit 110 Pferden bezwingen zu wollen ist das eine – es zu können eine andere Herausforderung! Auch hier gibt sich die Super Ténéré alle Mühe, hilfsbereit und gutmütig zu erscheinen, aber eben nicht „superténéréisch“. Noch schwieriger wird es auf tiefgefurchten, glitschigen Waldwegen. Zwar kann durch die schaltbare Traktionskontrolle auch dieses Terrain durchstochen werden – viel Übung, Muskeln aus Stahl und Gottvertrauen vorausgesetzt. Ach hättest Du doch nur nicht so viel Sushi gegessen!

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