Aprilia RS 125

Aprilia RS 125


Headhunter

Mit der kleinen Aprilia RS 125 haben wir mal so richtig die Ferkel raus gelassen – Alles, nur das Beste und so viel Geiles für die schnelle Brut. Neid!

Auch du, mein Sohn Brutus?“ Die modernen Römer liefern ihren Söhnen lange nach Cäsar auch heutzutage noch die schneidigsten Waffen an die gierigen Gashände, um ihren alten Herren so richtig an den Kragen gehen zu können. Dabei wiegeln sie die Erzeuger standesgemäß in trügerischer Sicherheit noch bis hin zum entscheidenden Dolchstoß, denn die Mannen aus Noale geben der Achtelliter-Maschine sogar den Anschein einer harmonischen Familiengesinnung mit, indem sie ihr das edel-souveräne Aussehen der erwachsenen RSV Mille R mit auf den schnellsten aller Wege, der Straße hin zur und auf der Rennstrecke geben. Während die Altvorderen das exklusive Kilo-Paket in den Farben vornehm-schwarz, edel-weiß und jungfernblutrot aus- und vorführen dürfen (siehe auch Fahrbericht der Aprilia RSV Mille R/Factory in der Biker Szene Nr. 04/06), scharrt die 125er mit den selben Graphics im „Gut gebrüllt, Löwe“-Look heftig an der Start-Ampel - außer in der roten Ausführung. Denn erstmal gibt’s damit sicherlich noch selber ein paar Jungfern zu erlegen, also mit all dem Charme und der Ausstrahlung des jungen Racers, selbstverständlich! Zudem werden da wohl auch die Junggesellinnen daselbst ihre Gaudi dran finden, an dieser feurigen italienischen Maschine.

Carpe Diem, heißt: Hau Rein!

Für alle jungen und jung Gebliebenen gibt’s jetzt die 2006er Evolutionsstufe der Zweitakter, auf denen schon solch famose Racer wie Valentino Rossi, Max Biaggi und Marco Melandri ihre Kinderschuhe gegen die Rennfahrerstiefel austauschten. Und das sind jetzt nur ein paar italienische Berühmtheiten, die ihre Karriere auf den Rennstrecken der Welt mit dem kleinen Aprilia Motorrad begannen. Schließlich wird diese Beginnner-Serie bereits seit 14 Jahren und mit über 82.000 ausgelieferten Einheiten in die Umlaufbahn Milch-… nee: RENNstraße geschossen. Nur damals gab es noch nicht diese großartige Ausstattung der heißblütigen Einzylinder mit dem schnapsglasgroßen Hubraum und in der heutigen Ausführung des flüssigkeitsgekühlten Rotax 122-Motor mit Nikasil-beschichtetem Aluminium-Zylinder: noch vor ein paar Jahren hätte das im Preis inbegriffene Equipment jedem Superbike Ehre und Siegerlorbeeren eingebracht.

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Zuerst prägen die aggressiv dreinblickenden Doppelscheinwerfer das Bild des Kraftrades, das dem Zweitakter bereits den imposanten Anblick mindestens einer Supersport-Maschine verleiht. Hinter der geduckten Scheibe geht’s gleich weiter mit der wunderschön geschmiedeten und filigranen Gabelbrücke, die vor den digitalen Instrumenten überlegen Eindruck schinden kann. Die Zeitenschinder mussten sich an dieser Stelle früher mit dem Sigma-Fahrradtacho begnügen, um ihre einzelnen Runden-Werte aufs Display beamen zu können. Die Aprilia-Burschen fügen hier zeitgemäß anspruchsvoll ein Anzeigen-Bord ein, das der Kommandobrücke der ausgewachsenen Mille gleich kommt. Was dem Spieltrieb des Kindes im Manne als auch der ausgelassenen Jugend bravourös entgegenkommt. Und gibt die Brut dann so richtig Feuer, was sich bei 21 kW (auch in 11 kW oder 80 km/h-Version bei 4,5 kW) schon bestens ausgeht, da pariert jeder noch so euphorische Gefühlsausbruch die radial montierte Vierkolben-Anlage von Brembo an der 320er Doppelscheibe das noch so schöne Vorderrad im Mille-bekannten OZ-Design so völlig kompetent durch, dass hier auch weitaus höhere Kräfte wirken könnten. So sie dürften. Wehe, wenn sie losgelassen!

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Forsche Jugend her!

Eigentlich hätten sie eine Horde Halbwüchsiger in Calafat auf die Armada von Zweitakt-Triebwerken loslassen sollen. So mussten wir Journos eben herhalten und versuchen, den polierten, hochfesten Aluminiumrahmen zu biegen oder das einstellbare Mono-Shock-Federbein nieder zu zwingen oder gar die 40mm Up-Side-Down-Gabel-Rohre aus der Fassung zu bringen. Buckelig genug geht’s ja daher auf dem spanischen Rundkurs, der schon ein paar Jahre und wohl auch einige strenge Winter oder wilde Trucks hinter sich hat. Vom Geläuf her ideal für schlank bauende Maschinen, die langen Geraden gegenüber gelangweilt die Zunge rausstrecken würden, aber im Kurvendickicht mit umso mehr Respektlosigkeit und jugendlichem Schwung allen hubraumstarken Limousinen erst den Stinke-Finger und dann ihr schmales Hinterteil zeigen können. Die schönen Jungs und schnellen Mädchen im Teenager-Alter hätten uns alte Säcke in den wohlstandsgefüllten Lederkombis wahrscheinlich mit einem Augenzwinkern cool von der Strecke gekickt. Aber so durften wir noch mal wie die Kids spielen bis die uns endlich wegdrängeln und uns sagen: „Aber jetzt sind wir endlich dran!“ Nur, was sagen die Erzeuger, wenn sie zwar ihr gutes Geld, aber nicht gleich wie der alte Cäsar ihr Leben lassen wollen? 4.995 Euro unterscheiden sich in nichts von dem Preis für das Vorgänger-Modell. Da ist vielleicht doch noch das Racing-Kit für schlappe 400 Euro mehr drin. So kann sogar das gute Familiensilber im Schrank bleiben und der intakte Familiensegen lebendig.

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Text: Sabine Welte

Fotos: Aprilia