Test Arai RX-7 V

Test Arai RX-7 V


Arais neuer Tophelm

Helmtests sind wie Reifentests größtenteils sinnlose Unternehmungen. Ob ein Helm in allen relevanten Dimensionen inklusive Lautstärke am eigenen Motorrad passt, bleibt das A-Kriterium. Danach kommen die Details. Bleiben wir also ganz bodenständig bei diesen Details. Zu diesem Zweck sind wir den neuen Arai RX-7 V auf der Isle of Man gefahren.

Wenn dir der alte RX-7 GP gepasst hat, wird dir mit hoher Wahrscheinlichkeit der Nachfolger ebenfalls passen – spätestens nach der kostenlosen Anpassung der Backenpolster. An der Schale hat Arai einige geometrische und aerodynamische Änderungen vorgenommen. Das Visiergelenk sitzt jetzt tiefer, und damit es trotzdem nach oben über die Helmstirn geöffnet werden kann, hebt es sich über eine exzentrische Kinematik, vergleichbar derer einiger Klapphelme. Deswegen musste Arai auch eine andere Visierwechselmechanik basteln, bei der es etwas länger dauert als vorher, das Visier zu wechseln. Ganz Fixe lagen vorher bei 2 bis 5 Sekunden. Jetzt werden es zweistellige Sekundenzahlen – verschmerzbar. Das Helmschloss ist ebenfalls neu konstruiert und gefällt mir mit seiner Einfingerbedienung gut. Geblieben sind den Visieren die zwei kleinen Luftklappen mitten im Plexiglas, wahrscheinlich aus Gründen mit "Kult" in der Formulierung.

Arai RX-7V Farben 02

Oben am Helm entlang ziehen sich die bekannten, aufgeklebten Belüftungsleisten, mit neuen Belüftungsöffnungen (jetzt: Schieber) und viel weniger Spreizung zwischen den Leisten, sodass der Helm deutlich leiser wird. Der verstellbare kleine Spoiler ist geblieben. Ich hatte noch nie ein aerodynamisches Problem, das von einem einstellbaren Helmspoiler gelöst wurde, aber das mag auf anderen Motorrädern auf anderen Rennstrecken durchaus anders aussehen.

Arai hat den Saum des Helms weiter nach unten gezogen, er schließt außerdem mit einer Gummilippe ab. Das trägt einerseits zum gesunkenen Geräuschpegel bei, andererseits verbessert der tiefe Schwerpunkt die Balance beim Tragen. Die Balance war Arai stets sehr wichtig, weil die Helme so schwer gebaut werden. Bei höheren Tempi ist das Gewicht des Helms in Fahrt vernachlässigbar, weil der Luftdruck es an Druck so weit übersteigt. Doch bei den auf normaler Stadt-Land-Fluss-Fahrt üblichen niedrigen Geschwindigkeiten mit vielen kleinen scannenden Kopfbewegungen wie ein Vogel bleibt auch ein gut ausbalanciertes Gewicht ein Minuspunkt. Der Pluspunkt bleibt die Stabilität der Schale in vielen Highspeed-Crash-Szenarios.

Arai RX-7V Farben 01

Arais Grund für die gleichbleibend schweren Helme: die Schale. Die soll so rund sein wie möglich, damit sie nirgends hängen bleibt beim Sturz. Alle Belüftungsanbauten reißen kräftearm ab. Die Schale soll außerdem so stabil sein wie möglich, damit seltene, aber gleichzeitig selten unangenehme Unfallkonstellationen wie "Helm gequetscht zwischen Autoreifen und Rinnstein" mit mehr Schutz überlebbar werden. Arai macht da immer viel Gewese um ihr Konzept, deshalb muss auch gesagt werden: Andere Helmhersteller sind auch nicht auf der Breisupp dahergeschwommen, wie der Hesse sagt. Deren Konzepte mögen anders, müssen deswegen jedoch nicht grundsätzlich schlechter sein. 

Es hat jedoch einen Grund, warum Arai-Helme auf der Rennstrecke so beliebt sind: Zu den Stürzen dort mit tendenziell höherer Geschwindigkeit passt die dicke Schale, der Gewichtsnachteil stört nicht, und Arai bietet einen sehr guten Rennstreckenservice an. Ihr Alltagsfahrer seit alle schon groß, ihr wisst selber, ob so ein Helm zu eurem Fahrstil und euren wahrscheinlichsten Sturzszenarios passt. Arai hatte in der Vergangenheit immer ein bisschen ein Erklärungsproblem, wenn ein Kunde fragte: "Welcher eurer Helme ist der beste?" Denn wenn er keine Rennstrecke fuhr, war er mit einem Arai Quantum vielleicht viel besser bedient, weil der leiser war. Mit den wirksamen Aero-Modifikationen kann der Arai-Händler jetzt einfach sagen: "Der RX-7 V ist unser bester Helm." Für entsprechende 799 Euro eben.

Text: Clemens Gleich

Bilder: Arai