BMW K 1200 GT

BMW K 1200 GT


Grand Tourismo

Seit fast zwanzig Jahren rollen Reihenvierzylinder-Motorräder der Bayerischen Motorradwerke über unsere Straßen. Mit der Einführung der vollkommen neu entwickelten K-Baureihe ging BMW 1983 von der Boxer-Philosophie ab, Einzylinder waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, oder noch nicht im Modellprogramm.

Natürlich unterschied sich auch die neue K 100 optisch und technisch von den Mitbewerbern. Die Techniker hatten den flüssigkeitsgekühlten Vierzylinder nicht quer, sondern längs in den Rahmen gehangen und außerdem noch um 90 Grad gedreht. Mit dem Zylinderkopf auf der linken und dem Kurbelgehäuse auf der rechten Seite ähnelte er optisch nicht nur einem Boxermotor mit seinen abstehenden Zylindern, sondern verschob gleichzeitig den Schwerpunkt nach unten. Ein weiterer Vorteil des längs eingebauten Triebwerks ist der geradlinige Kraftfluss, ohne Umlenkung, via Kardan zum Winkeltrieb des Hinterrades.Die neue Generation verkaufte sich von Anfang an recht gut und geriet erst mit der Vorstellung der neuen Vierventil-Boxer Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein wenig ins Hintertreffen. Im Laufe der Zeit wuchs der Hubraum des Vierzylinder-Antriebs zuerst auf 1.100 Kubikzentimeter, um dann schließlich bei den aktuellen Modellen auf genau 1171 ccm zuzulegen.

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Kultivierte Sportlichkeit

Mit der Einführung der neuen K 1200 GT hat BMW ab sofort wieder drei Vierzylinder im Programm. Die touristische K 1200 GT ist auf eine Zielgruppe zugeschnitten, die nicht ganz so sportlich wie auf der K 1200 RS und nicht so komfortabel-behäbig wie auf dem Honda-Goldwing-Verschnitt BMW K 1200 LT unterwegs sein will. Das neue kardanangetriebene Motorrad ist für Motorradfahrer, die auf den Luxus der 18.950,- Euro teuren K 1200 LT verzichten können, aber auf einen guten Wind- und Wetterschutz großen Wert legen, keine schlechte Wahl. Das Kürzel „GT“ steht übrigens für Grand Tourismo und stellt laut BMW das Synonym für kultivierte Sportlichkeit verbunden mit hohem Tourenkomfort für die Besatzung dar. Technisch basiert der sportliche Tourer auf der aktuellen Technik der K 1200 RS. Von ihr hat er auch den kompletten Antrieb geerbt. Als Triebwerk kommt die 130 PS-Leistungsvariante des mit einem geregelten Katalysator ausgestatteten 1200er Motors mit elektronischer Benzineinspritzung zum Einsatz. Damit erreicht der, rund 6 Kilogramm schwerere als die RS-Version, Vierzylinder-Tourer eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h. Erstaunlich ist aber, dass die Touren-BMW weder im Durchzug, noch in der Beschleunigung gravierende Durchhänge gegenüber dem Schwestermodell zeigt. Mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,3 Sekunden braucht sich die GT nicht hinter den Mitbewerbern in dieser Klasse zu verstecken. Die Schaltbarkeit des Sechsganggetriebes hat sich gegenüber früheren Schaltboxen mehr als deutlich verbessert und lässt wie die ultraleichte Kupplungsbetätigung kaum noch Wünsche offen. Und auch bei den Verbrauchswerten und den Abgas-Emissionen sichert sich der Tourer durch seine effektive Benzineinspritzung einen Spitzenplatz unter den dicken Tourern.

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In Deutschland und einigen anderen Ländern wird die K 1200 GT auch in einer versicherungsgünstigen 98-PS-Version angeboten. Der langhubig ausgelegte Motor drückt schon tief im Drehzahlkeller ordentlich Power auf den Kardan, hängt sehr sauber am Gas und nervt nicht mit groben Lastwechselreaktionen. Dabei ist das Triebwerk bei weitem kein Ausbund vibrationsfreier, kultivierter Laufruhe, wie wir sie von anderen Mitgliedern der Schnelltourer-Fraktion gewöhnt sind. Trotz der Ausgleichwelle rappelt der liegende Vierzylinder munter vor sich hin. Zum Glück hält die Gummilagerung des Aggregats nahezu alle unangenehmen Lebensäußerungen des Motors perfekt von der Besatzung fern. Das Fahrwerk wurde unmodifiziert vom sportlicheren Schwestermodell übernommen. Telelever und Paralever mit komfortablen Federwegen genügen sportlichen und touristischen Ambitionen. Sicher muss man sich erst kurz an die außergewöhnliche Funktion, die ein Bremsnicken fast vollkommen unterdrückt, gewöhnen. Ansonsten bügelt der Telelever alles glatt, was im normalen Straßenverkehr Schläge zur Besatzung weiterleiten könnte. Die Schräglagenfreiheit in schnell gefahrenen, engen Kurven wird vom Hauptständer relativ früh, aber gefahrlos begrenzt, da er Dank Gummianschlägen nachgibt. Der 180er Hinterradreifen beeinträchtigt die für ein Motorrad dieser Größenordnung beeindruckende Handlichkeit nicht.

Mit den Bridgestone-Reifen BT 020 in der Sonderspezifikation CC haben die Münchner eine gute Wahl getroffen. Die K 1200 GT bleibt in Kurven zielgenau auf ihrem Kurs und richtet sich auch beim Bremsen in Schräglage nur geringfügig auf. Das BMW Integral-ABS in der Teilintegral-Version gehört bei der K 1200 GT zur Serienausstattung. Bei dieser ABS-Variante werden mit der Betätigung des Handbremshebels gleichzeitig die Bremsen im Vorder- und Hinterrad aktiviert. Die fußbetätigte Bremse wirkt in gewohnter Weise nur auf das Hinterrad. Im Vorderrad kommt die bewährte BMW-EVO-Bremse zum Einsatz, die in der Praxis hervorragende Verzögerungswerte bietet. Auf der Autobahn bekommen die Verkleidungsmodifikationen und die größere, wie bei den Schwestermodellen R 1150 RT und K 1200 LT elektrisch stufenlos verstellbare Windschutzscheibe die Gelegenheit, sich zu bewähren. Der Fahrer kann den Windschutz so präzise und individuell an seine Körpergröße und Bedürfnisse anpassen und den fastperfekten Windschutz genießen, ohne von Sogerscheinungen gebeutelt zu werden. Um auch größere Piloten optimal zu schützen, könnte die Scheibe ebenso wie die aufgesetzten GT-Verkleidungsteile im Verkleidungsfrontbereich ruhig 5 Zentimeter höher ausfallen. Dank der komfortablen und ausgewogenen Sitzposition, der Lenker ist etwas höher und hat eine andere Kröpfung, können mit der GT auch längere Autobahnetappen mit Vollgas und viel Fahrspaß absolviert werden. Auch die neue Komfortsitzbank bietet die von der K 1200 RS bekannte Höhenverstellung und kann auf Sitzhöhen von 790 oder 820 Millimeter positioniert werden. Für kleiner gewachsene Menschen steht ohne Aufpreis eine niedrige Sitzbank zur Auswahl. Die Sitzhöhe reduziert sich mit ihrem Einsatz auf 770 bzw. 800 Millimeter. Außerdem lassen sich noch die Fahrerfußrasten höher befestigen und damit der Ergonomie des Piloten anpassen.

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Gelungener Lückenbüßer

Da darf es ruhig einmal etwas kälter sein, wenn der sportliche Tourer mit dem BMW-Heizpaket, heizbare Griffe und beheizte Sitzbank, ausgerüstet ist, fühlt man sich immer noch pudelwohl. Das Cockpit kennen wir schon von der RS-Schwester, leider wird die Zeituhr und die Ganganzeige beim Fahren von den Gaszügen verdeckt. Imposant ist die perfekte Ausleuchtung der Fahrbahn im Dunkeln durch den breitflächigen Scheinwerfer bei Abblendlicht wie bei Fernlicht. Gegen 300 Euro Aufpreis sorgt ein Tempomat für weniger Stress auf der Autobahn. Gepäckbrücke und Koffer nebst Haltern sind bei der K 1200 GT serienmäßig. Die Kofferdeckel sind in der jeweiligen Fahrzeugfarbe lackiert. Bislang wird die K 1200 GT in zwei Farben ausgeliefert: der Käufer hat die Wahl zwischen orientblau-metallic und graugrün-metallic. Die Sitzbank ist jeweils in Schwarz gehalten. Die Blinker sind mit orange gefärbten Lämpchen und eleganten weißen Blinkergläsern ausgerüstet. Wie bei allen BMW-Motorrädern des Jahrgangs 2003 sorgt auch bei der GT eine Dauerlichtschaltung des Fahrlichtes für Sicherheit. Wer das Standlicht mal aus Versehen zu lange brennen lässt, hat im Gegensatz zur Batteriepositionierung bei den Boxermodellen unter der Sitzbank einen guten Zugriff zur Batterie, um Starthilfe zu geben. Die neue K 1200 GT vervollständigt das BMW-K-Trio und doch ist sie wahrscheinlich nur ein überaus gelungener Lückenbüßer, um die Zeit bis zur Vorstellung der neuen K-Baureihe zu überbrücken. Die Spatzen pfeifen vom Dach, dass dann das unter Umständen durch den Einsatz eines Kompressors erstarkte Vierzylinder-Triebwerk konventionell quer eingebaut ist und die Kraft entweder mittels zweifachen Winkeltriebs oder direkt mit einem Zahnriemen wie bei der F 650 CS an das Hinterrad weitergegeben wird.

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