Honda VFR1200F DCT

Honda VFR1200F DCT


Wunder der Technik

Das DCT in Honda´s neuer VFR1200F steht für „Ducal Clutch Transmission“ – so nennt Honda seine brandneue kupplungsfreie Halbautomatik-Schaltung. Das alleine ist schon so interessant, dass man ihm einen eigenen Artikel widmen könnte, mit diesem interessanten und revolutionären System setzt Honda ganz neue Maßstäbe in einer noch jungen Technik.

Die DCT VFR ist im Prinzip mit der VFR1200F baugleich – wuchtig, flexibel, sanft und toll verarbeitet. Neu ist nur die Schaltung – zwei vollautomatische Modi und ein Schalter im Stil einer Triptronic – die Fußschaltung und der Kupplungshebel entfallen komplett.

Technikmuffel mögen aufschreien, Puristen von Entmündigung sprechen. Wir sehen es als Quantensprung und Zukunft des Motorradfahrens. Warum? Weil man sich noch mehr auf das eigentliche konzentrieren kann: das Fahren. Die VFR1200F DCT bietet neben 2 Automatik-Modi (Normal und Sport) auch die Möglichkeit die Gänge manuell per Schaltwippe an der linken Lenkerhälfte zu wechseln. Per Zeigefinger schaltet man hoch, mit dem Daumen runter. Kuppeln übernimmt die Technik. Man muß noch nicht einmal vom Gas gehen. Funktioniert zuverlässig und vor allem blitzschnell. Rollt man auf eine Ampel oder Kreuzung zu, schaltet das Getriebe auch im manuellen Modus automatisch zurück. Die Automatik-Modi übernehmen die Gangwechsel dann vollautomatisch. Im Normal-Modus wird sehr früh hochgeschaltet, der Sport-Modus dreht die Gänge deutlich höher aus.

Honda VFR1200F DCT 08

Wie bewährt sich denn die VFR DCT in der Praxis. Fangen wir mit den Automatik-Modi an. Für entspanntes Gleiten genügt der Normal-Modus allemal. Dann sollte man es aber auch wirklich entspannt angehen. Die Automatik schaltet sehr früh hoch, schon bei konstant 50 km/h wird der letzte Gang eingelegt. Entsprechend dieser Auslegung wird auch entsprechend spät zurückgeschaltet. Gibt man dann am Ortsausgang wieder Gas, geht es aufgrund des hohen Gangs nur zäh vorwärts. Schuld ist vor allem der nicht gerade üppige Durchzug der VFR1200F bei niedrigsten Drehzahlen. Der Sport-Modus arbeitet dann komplett entgegengesetzt. Jetzt werden die Gänge ausgedreht, wird früh runtergeschaltet. Das Drehzahlniveau ist ständig im oberen Level. Das Ganze wirkt dann eher hektisch und aufgeregt. Also auch nicht wirklich berauschend. Also den manuellen Modus gewählt. Geschieht ganz einfach per Schalter vor dem Bremshebel und funktioniert auch während der Fahrt (wie alle Modi-Wechsel). Der Zeigefinger legt den ersten Gang rein, die rechte Hand gibt Vollgas. Wie mit einer Kanone abgeschossen, legt das Honda Motorrad los. Die Gashand bleibt auf Vollgas, der Zeigefinger legt den 2. Gang ein.

Honda VFR1200F DCT 04

Blitzschnell, bei voller Beschleunigung und dem Gashahn auf Anschlag wird der 2. Gang eingelegt. Die Schaltunterbrechung ist minimal, genauso wie der Drehzahlabfall. 3., 4., 5. und 6. Gang fliegen genauso rein. Kein Kuppeln, der linke Fuß bleibt ruhig auf der Raste, der Lenker fest im Griff. Die Beschleunigung ist gefühlt deutlich schneller, da die Schaltpausen annähernd komplett entfallen. Was sich in Meßwerten kaum auswirkt, hinterlässt in der Praxis mächtig Eindruck. Runterschalten? Genauso easy! Kurve anfahren, Bremsen und per Daumendruck runterschalten. Eingewöhnungszeit? Nach ein paar Minuten hat man sowohl den Kupplungs- als auch den Schalthebel komplett aus seinem Gedächtnis verbannt. Es läuft alles einwandfrei, es funktioniert so gut, daß man sich irgendwann fragt, warum wir uns all die Jahre mit manuellen Schaltungen und hakeligen Getrieben abgemüht haben.

Honda VFR1200F DCT 02

Das sonstige Fahrverhalten entspricht dem der „normalen“ VFR1200F. Die Maschine ist ultrastabil, das Handling geht in Ordnung, der Kardan ist reaktionsarm. Insgesamt tendiert die VFR1200 als Tourensportler deutlich in Richtung Sport, was einem schon die Sitzhaltung klar macht. Dies bedeutet jedoch nicht das Touren deshalb klein geschrieben wird. Die VFR ist auch nach vielen Stunden immer noch bequem und bietet insgesamt einen guten Komfort. Insgesamt 16.200 Euro ruft Honda für die VFR1200F DCT aus. Der Aufpreis für DCT schlägt dabei mit 1.300 Euro zu Buche. Viel Geld für eine an sich nicht wirklich toll ausgestattete Maschine. ABS ist serienmäßig, Bordcomputer oder verstellbares Windschild sind nicht mal gegen Aufpreis zu haben. Hier bietet die Konkurrenz in der Regel mehr.