Benelli Tornado Novecento Tre

Benelli Tornado Novecento Tre


Nur für große Jungs

Vor über 90 Jahren wurde in Pesaro, Italien, die Motorradschmiede BENELLI gegründet. Die dort entwickelten Motorräder zählen heute zu den heißbegehrten Oldtimern. Zwischenzeitlich wurde es etwas ruhig um die Marke, bis man im Jahre 1996 Roller von 50 - 250 ccm ins Programm aufnahm. Von Anfang an bediente BENELLI mit seinen Produkten ein innovatives, hochwertiges Sportsegment. Die farbigen Flitzer gefallen durch ihre technischen Detaillösungen. Im Jahr 2002 eröffnete BENELLI dann mit der Tornado eine neue Ära in der Tradition des italienischen Sportmotorrad-Herstellers. Augenschmaus

Einzigartige Linie

Mit viel Liebe zum Detail haben die Ingenieure ein Motorrad, das mit seiner einzigartigen Linie unverwechselbar und extravagant ist, auf die Räder gestellt. Die Tornado Novecento Tre trägt ihren Namen ob des aggressiven Designs, welches durch die Farbgebung noch unterstrichen wird. Im Schönheitswettbewerb der Zweiräder gewinnt sie auf Anhieb den ersten Preis. Nicht zuletzt dank der bisher unkonventionellen Lösung den Kühler im Rahmenheck unterzubringen, hat die Tornado ein schmal zulaufendes Gesicht. Somit ist sie das einzige Motorrad, dessen Kühler sich unter der Sitzbank befindet und die Frischluft über zwei dynamische Rohre rüsselt, die durch zwei vertikale Öffnungen unter den Fahrtrichtungsanzeigern gespeist werden. Mit dieser Lösung soll nicht nur überschüssige Wärme aus dem Zentrum des Fahrzeugs abgeführt, sondern auch die Front des Bikes verkleinert und die aerodynamischen Eigenschaften verbessert werden.

 

Der Popo der Tornado ist dadurch einzigartig geworden. Unter dem Höcker blicken zwei gelbe Lüfterräder durch ein schützendes Gitter. Sollte bei längerer Wartezeit, etwa an einer Ampel, die Motortemperatur ansteigen, schalten sich die beiden Ventilatoren unter dem Heck zu und saugen Frischluft durch die Kanäle und den Kühler. Ein Überhitzen soll damit ausgeschlossen sein.

Exklusivität

Als Normalobiker einmal solch eine Maschine zwischen den Schenkeln zu halten ist gar nicht so leicht, schon wegen der Logistik. Es gibt nämlich kaum Händler, die einen BENELLI Vorführer zur Probefahrt anbieten. Zum Glück hat Michael Nitzsche & Team in Dorsten-Wulfen seit einigen Monaten die Tornado angemeldet. Noch glücklicher bin ich, dass Michael und Gudrun Nitzsche mir die unvermackte Schönheit für einen ganzen Tag zur Verfügung stellen. Als ich dann aber das Bike besteige, wird mir die ungewöhnliche Sitzhöhe bewusst. Nur mit den Zehenspitzen komme ich auf den sicheren Boden. Na sowas! Bei meinen 1,73 m kenne ich solche Probleme normalerweise nicht. Aber da ich natürlich absolut heiß auf das Fahren mit ihr bin, nehme ich sie trotzdem mit.

Tieffluggeschwader

Schon im Leerlauf ist der Auspuffsound aussergewöhnlich, beim Gasgeben jedoch erinnert das heisere Bellen an einen Formel-1-Motor. Mir ist schleierhaft wie der deutsche Importeur die Homologation für dieses Tieffluggeschwader erhalten hat. Auf alle Fälle ist nicht nur das äußere Erscheinungsbild synonym mit einer Tornado, auch die Akustik erinnert stark an Überschallgeschwindigkeit. Leider versuchen die mechanischen Geräusche des Dreizylinders gegen den Auspuffsound anzulärmen, hört sich an, als ob kein Tropfen Öl im Triebwerk wäre. Nach Aussagen von Nitzsche soll das jedoch im ungefährlichen Bereich sein. Anscheinend gehören die heftigen Geräusche des Motors dazu. Der schmalste Dreizylinder überhaupt wurde für die Rennstrecke entwickelt. Der extrem kurzhubige Motor feierte sein Renn-Debüt 2001 unter Peter Goddard in der Superbike-WM. Mit exklusiver Technik ausgestattet, lässt sich zum Beispiel das Kassettengetriebe ohne Motorausbau einfach herausnehmen. Die Anti-Hopping-Kupplung ist allerdings auf den ersten Kilometern gewöhnungsbedürftig, da sich die Betätigung je nach Fahrweise unterschiedlich anfühlt. Bei den 2003er Modellen fällt überdies das Getriebe unangenehm auf. Im Stand lässt sich vom ersten Gang nicht in Neutral schalten, selbst mit den landläufigen Tricks ist da nichts zu machen. Ab 2004 hat BENELLI dieses Problem mit einer Umrüstung behoben. Besitzer der Vorjahresmodelle können entweder den Umrüstkit erwerben, oder aber schon vor dem Anhalten vom Zweier in den neutralen Gang wechseln. Ja, ja, so pragmatisch sind eben die Italiener.

Fahrwerk

Die Fahrwerksabstimmung der Tornado wurde ausgelegt, sowohl für normales Fahren als auch auf schnelle Rennstreckenrunden. Um diese Vorgabe einzuhalten, entschied sich BENELLI ebenso für eine High-Tech-Lösung. Der aus Chrom-Molybdän-Stahl gefertigte Gitterrohrrahmen ist nicht nur mit den Aluminium-Motorhalteplatten verschraubt, sondern zudem verklebt - diese Technik wurde aus der Raumfahrt adaptiert. Das Fahrwerk erreicht dadurch eine enorme Steifigkeit, die nicht zu Lasten des Gewichts geht. Die 220 Kilogramm fahrfertig fallen nicht unangenehm auf. Allerdings bedarf es für schnellere Rundenzeiten schon erfahrene Piloten. Die Tornado will gezähmt werden, zumindest was das Kurvenbolzen anbelangt. Auf der Autobahn läuft sie selbst bei hohem Tempo sauber ihre Spur, da lässt sie sich auch von dem zunehmenden Flickwerk auf unseren Straßen nicht aus der Ruhe bringen. Leider zerren die Verwirbelungen der schnittigen Verkleidungsscheibe jenseits von 220 km/h gehörig am Helm, in Deckung gehen hilft nicht viel. Optik hat nun mal ihren Preis. Wer sich eine Tornado zulegt, sollte Gabel und Federbein penibel auf sein Körpergewicht einstellen, nur dann wird er glücklich mit ihr. Leider war „meine“ auf das Durchschnittsgewicht männlicher Biker eingestellt. In diesem Fall auf 85 Kilogramm, für meine 59 war das alles andere als optimal. Ich wurde nicht richtig warm mit ihr und hatte Schwierigkeiten einen sauberen Strich in den Kurven zu fahren.