Husqvarna Vitpilen 701

Husqvarna Vitpilen 701


Spitz und weiß

Darauf haben einige sehnlichst gewartet: Die Design-Modelle von Husqvarna sind da! Schon 2014 haben sie die Motorradwelt gespalten, doch aus der Konzeptstudie mit dem schwedischen Namen Svitpilen ist eine Vitpilen geworden, genau so hammermäßig gestylt wie damals und mit der bewährten KTM-Technik versehen.

Seit der Übernahme von Husqvarna durch KTM war klar, dass es hier eine neue Stoßrichtung in für Straßenmotorräder geben muss – offroad kann niemand KTM das Wasser reichen, hier braucht Mattighofen keine Unterstützung. Dabei setzt der Namenseigner neben der optischen Avantgarde auf technisch Bewährtes: In der Vitpilen werkelt der stärkste Einzylinder der Welt, aus der 690 Duke. Doch die Vitpilen ist alles andere als ein KTM-Abklatsch – sie ist ein Statement mit bewusster Reduktion auf die wesentlichen Elemente.

Extravaganz im Blick

Deshalb sieht die Husky auf den ersten Blick auch so extravagant aus. Mit extrem kurzem Heck, Gitterrohrrahmen und einer Stummel-Linie mit coupiertem Heck, die als besonders cooler Neo-Vintage-Look im Designbüro Kiska entworfen  wurde. Dabei spart die Österreicherin mit schwedischem Namen nicht an wohlfeilen Details, die die Wertigkeit betonen: Ein gefräster Tankdeckel, die moderne LED-Lichtanlage und das digitale Rundinstrument unter Plexiglas verströmen einen edlen Gesamteindruck.

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Power im Inneren

Trotz des puristischen Auftritts findet sich jede Menge Faszination an der Vitpilen, herausragend dabei natürlich der Antrieb: Das aktuelle 693-Kubik-Triebwerk, bekannt auch aus der 701 Supermoto, zeigt sich in der Endübersetzung und beim Getriebe überarbeitet. Der famose Einzylinder drückt 74 PS Maximalleistung und 72 Newtonmeter Drehmoment, was fast für sich spricht: Der Eintopf hängt äußerst willig am Gas und schiebt auf Kommando mächtig vorwärts. Unter 3000 Touren schüttelt er sich noch unwillig, doch darüber geht ein Feuerwerk ab, das erst bei der 200er-Marke erlischt. 

Gute Manieren

Dazu leistet der neue Schaltassistent eine saubere Arbeit, die Zahnräder greifen mit etwas Nachdruck beim Hochschalten exakt ineinander. Auch das herunterschalten ohne Kupplung funktioniert dank gut abgestimmten Ride-by-Wire auch ab mittlerer Drehzahl manierlich. Überhaupt benimmt sich der Single trotz der respektablen Explosionskräfte sehr zahm, weder lästige Lastwechsel noch übertriebene Virbtaionen kommen beim Fahrer an. Nur die Rücksicht in den Spiegeln erinnert oberhalb Stadttempo an die Sichtkontrolle beim Augenarzt, wenn gerade die Flüssigkeit eingeträufelt wurde.

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Ergonomisch korrekt

Ziemlich knorrig ist das 83 Zentimeter hohe Sitzmöbel gepolstert, auch die deutliche Vorlage zum Lenker hin fördert sportive Ambitionen. Der etwas spitze Kniewinkel fällt auf Dauer etwas unangenehm, ist aber immer noch besser, als hinten zu sitzen – der Soziusplatz ist nicht nur sehr kurz und schmal, dazu bretthart und ohne Haltegriffe. Aber die Vitpilen will ja auch weder ein Two-up-Tourer noch ein Blümchenplücker-Motorrad sein.

Feuerzeug in der Kurve

Dazu passt der Chrommolybdän-Gitterrohrrahmen nach KTM-Machart, der eine voll einstellbare 43er-USD-Gabel mit dem Zentralfederbein verbindet– beides natürlich vom hauseigenen Zulieferer von WP bereit gestellt. Die Abstimmung darf gerne als straßensportlich-straff bezeichnet werden, was durch die Einstellmöglichkeiten aber variierbar ist. Bei 157 Kilo Trockengewicht macht das die Vitpilen zum Feuerzeug auf der Landstraße. Flott und neutral im Winkelwerk bei spielerischem Handling macht die Vitpilen 701 Radien fast zur Geraden, so stabil und neutral lässt sie sich dirigieren – unter Zug, wohlgemerkt. Dann fällt vieles leichter als beim Rumzuckeln. Das Ganze funktioniert aber nur wegen der ausgezeichnet dosierbaren Brembo-Stopper mit Radialzylinder und einer ebenso exakt dosierbaren hydraulischen Kupplung von Magura.