Yamaha Tracer 900 GT

Yamaha Tracer 900 GT


SUV auf Stimmgabel-Art

Yamaha hat mit dem Tausendsassa Tracer 900 eine echte Lücke gefüllt. Jetzt verfeinern die Japaner das Konzept in Richtung sportlicher Tour und geben dem ganzen den passenden Namen: Tracer 900 GT.

Sportliche SUVs dominieren das Straßengeschehen bei den PKW, die Motorradwelt folgt. Insofern kommt der Erfolg der 2015 eingeführten Yamaha Tracer 900 nicht überraschend, denn sie verknüpfte die aufrechte Enduro-Attitüde mit der potenten Dreizylinder-Dynamik des drahtigen Naked Bikes MT-09 – mehr als 30.000 verkaufte Einheiten seit Modelleinführung sprechen eine deutliche Sprache. Jetzt kommt die verfeinerte GT-Version, die mit sinnvollen Zugaben mehr Tourentauglichkeit und Fahrdynamik verspricht.

Normalisierte Optik

Dabei wagt sich die neue GT rein optisch nicht allzu weit weg von der bekannten Tracer, ohne es an einer gewissen Eigenständigkeit mangeln zu lassen: Seitenverkleidungen und Tankflanken wurden modifiziert, die einstmals futuristischen Handprotektoren sind solchen mit massenkompatiblen Design gewichen. Mehr noch: Dadurch wird die Gesamtbreite der Tracer um satte zehn Zentimeter reduziert, was auch am neuen, 16,5 Millimeter schmäleren und um 15 Millimeter näher zum Fahrer gekröpften Lenker liegt. Notorische Lückenhüpfer halten das für eine sehr sinnvolle Modifikation. Ausgeprägten Tourenfahrern hingegen kommt der nun einhändig während der Fahrt um fünf Zentimeter in der Höhe variable Windschild entgegen, der mit seiner überarbeiteten Form den Oberkörper deutlich vom Winddruck entlastet.

Testbericht Yamaha Tracer
 

Sitzprobe

Überhaupt Touristik: Die Sitzbank erfreut sich eines optimierten Schaumstoffkerns, das Auge am wertigeren Bezug für den verbreiterten Beifahrer- und Fahrersitz. Für Eisenärsche bekam der Fahrerplatz eine fünf Millimeter dickere Polsterung spendiert. Geblieben ist es bei der werkzeugfreien Sitzhöhenverstellung um 15 Millimeter von 850 auf 865 Millimeter. In der hohen Position fällt der Kniewinkel für nahezu alle Fahrerstaturen uneingeschränkt langstreckentauglich aus. 

Charakterdarsteller

So sitzt man höchst entspannt auf der Yamaha, die Platzverhältnisse sind ausgesprochen großzügig. In der hohen Sitzbankposition bewirkt die leicht schräge Auflage eine aktivere, zum Vorderrad orientierte Haltung des Fahrers ein. Das passt gut zum dynamischen Charakter des famosen Dreizylinders, der mit kraftvoller Mitte und fröhlicher Kraftentfaltung im oberen Drehzahlbereich eins der besten Allround-Aggregate dieser Zeit ist. 115 PS Maximalleistung bei 10.000/min und ein maximales Drehmoment von 87,5 Newtonmeter sind ein Pfund, das sich auf der Landstraße fast nach Belieben auskosten lässt.

Testbericht Yamaha Tracer_02
 

Triple-Freuden

Je nach gewähltem Fahrmodus fällt der Adrenalinschub unterschiedlich aus: In Standard spricht der Triple direkt, aber nicht ruppig an, der A-Modus ist nur etwas für Landstraßenaggressoren, die ruppiges Ansprechverhalten für ein positives Merkmal halten. Den B-Modus kann man sich getrost sparen – hier ist die Kraftentfaltung doch sehr verhalten. Dabei beherrscht das Aggregat die gesamte Bandbreite vom lässigen Cruisen in niedrigen Drehzahlen bis zum engagierten Angasen gleichermaßen souverän. Das etwas Kraft verlangende Sechsganggetriebe versüßt die GT-Variante der Tracer 900 mit einem serienmäßigen Schaltassistenten, der kupplungsloses Raufschalten unterstützt. So richtig gut funktioniert das Helferlein allerdings erst unter Zug beim Feuern, im Teillastbereich arbeitet er zuweilen ungeschmeidig. 

Neben dem Quickshifter gibt es noch eine Anti-Hopping-Kupplung als Hilfsmittel, die wirkungsvoll ein Stempeln des Hinterrades verhindert. Eine abschaltbare, zweistufige Traktionskontrolle hilft auf schlüpfrigen Untergründen gegen ungewollte Wheelspin-Attacken des Hinterrades.

Chassis-Modifikation

Kräftige Modifikationen am gesamten Fahrwerk haben der Stimmgabel-GT zu mehr Ruhe und Gelassenheit verholfen; zumindest benimmt sich die Yamaha beim Gasgeben nicht mehr so nervös und möchte ständig die Vorderhand lupfen. Beruhigungsmaßnahme Nummer Eins ist eine um gleich 60 Millimeter auf 592 verlängerte Alu-Schwinge, was den Radstand von 1440 auf 1500 Millimeter verlängert. Das tut dem Geradeauslauf, aber auch der Traktion sehr gut. Dass die negativen Auswirkungen der Geometrieveränderung auf das Handling nur geringen Einfluss haben, darf man erfreut zur Kenntnis nehmen. 

Fahrwerks-Feinarbeit

Bei den Federelementen haben die Yamaha-Mannen gegenüber der Basis-Tracer eine ordentliche Schippe draufgelegt. Die an ihren goldenen Holmen erkennbare aufwendigere USD-Gabel ist voll einstellbar ausgeführt, also in Federbasis, Zug- wie Druckstufendämpfung. Feines Ansprechverhalten nicht nur auf Buckelpisten und eine große Abstimmungsbandbreite sind ihre Vorzüge. Ähnlich gut ist das Federbein im Heck gelungen, das sich in der Zugstufendämpfung einstellen lässt und in der Federvorspannung bequem über ein Handrad einstellen lässt.

Yamaha Tracer 900 GT_03
  

Gute Serienausstattung

Dass die neue Tracer 900 GT Komfort groß schreibt, zeigt auch die umfangreiche Ausstattung. Das beginnt mit serienmäßigen Hartschalenkoffern, die 20 Liter Volumen bieten und in Fahrzeugfarbe lackiert sind. Am verlängerten Heckrahmen finden sich dafür integrierte, praktische Halterungen. Der Beifahrer profitiert von großzügig dimensionierten Haltegriffen und um 33 Millimeter verlängerten Fußrastenträgern, die den Kniewinkel auch hinten für lange Fahrten entspannen. Ein TFT-Farbdisplay schmückt das GT-Cockpit, Drehzahl und Tempo werden gut ablesbar präsentiert. Über ein Einstellrad der neuen Schaltereinheit rechts am Lenker sind die unterschiedlichen Infos wie Verbrauch und Kilometerzähler abrufbar, auch wird hier die serienmäßige dreistufige Griffheizung aktiviert. Dass die GT serienmäßig über einen Tempomaten verfügt, ist ein weiteres komfortmerkmal und nicht nur für alle Schweiz-Durchquerer von Bedeutung.