Buell 1125R

Buell 1125R


Eriks Hammer

25 Jahre Buell, 50 Jahre Laguna Seca. Und die neue Buell 1125R singt mit 10.500 Revolutionen das Jubiläumsständchen. California Dreaming 2007…

Auf nach Guantanamo

Da man in Kalifornien schon wegen Überqueren der Straße an falscher Stelle nach Guantanamo geschickt wird (googelt mal jay walking), müsste Erik Buell schon seit 25 Jahren in dieser heimeligen Enklave auf Kuba residieren, gäbe es so etwas wie motorbike jay walking. Denn seine Kreaturen haben sich noch nie eine einzige Ventilfeder um die Regeln des Bike-Mainstream geschert. Brotkasten-Fluxkompensator an den alten Rohrrahmen-Buells, irre Gabelwinkel und Unsinn-inspirierende Radstände bei der XB, der Mann hat nix als (funktionierenden) Unfug im Kopf. Und dann bringt er zu seinem 25jährigen Querulantenjubiläum die 1125R. Zurückhaltende Optik, relativ langer Radstand, wird der Mann altersmilde?

Eriks erster Schwinger

Well, mitnichten. Seit Lucifer’s Hammer, Eriks erstem Schwinger gegen das Eisen-Estabishment, ist zwar eine Menge Wasser in der Pabst-Brauerei von Milwaukee zu Bier gebraut worden, aber was beim flüchtigen Hinsehen nur wie eine geliftete XB12 aussieht, ist in Wahrheit die zweite amerikanische Unabhängigkeitserklärung seit der Boston Tea Party. Denn zwischen den blau metallisierten Rahmenzügen hängt ein flammneuer Vauzwo-Reaktor, der seinen Ursprung nicht etwa im mütterlichen Harley-Programm, sondern bei unseren putzigen südliche Nachbarn hat: Österreichs Top-Motorenschmiede Rotax bekam den Zuschlag, den Teilchenbeschleuniger nach einem exakten Lastenheft Mr. Buells zu erschaffen. Wer nun allerdings angesichts der Eckdaten voller Inbrunst „Aprilia“ in die Tiefe des Raums ruft, darf ruhig wieder in die Unwissenheitsecke am Ende des Ganges zurück schleichen. Denn abgesehen vom unterschiedlichen Zylinderwinkel (Buell 72°, Aprilia 60°) ist die Liste der Gleichteile so kurz wie der XB-Radstand, selbst die Anti Hopping Kupplung ist nur im Prinzip ident.

Ausbruch aus dem Begrenzerkäfig

Das Ergebnis des ingeniösen Freidenkertums sind 146 PS und 111 Newtonsche Meter aus 1125 Kubik, kompakt verpackt mit Trockensumpf-Schmierung, Kat und Hochkant-Getriebe. Schön soweit. Aber was die Sport-Fraktion wirklich hinterm Reifenwärmer hervorholt: 10.500 Revolutionen dürfen anliegen, bevor der rote Bereich „No more, Mr. Niceguy“ ruft. Vorbei sind die XB-Tage des Zappelns im Begrenzerkäfig, nun darf das Viech vollumfänglich schreien. Auch das easy zu schaltende Sechsgang-Getriebe hat nun mehr für den Sportsfreund zu bieten, als das krachlederne Fünfgang-Sportster-Mahlwerk. Gleich drei Ausgleichwellen kümmern sich um die Vibrationen des ungewöhnlichen Zündabstandes, und die völlig neu konstruierte Einspritzung füttert das Biest durch zwei gigantische 61mm-Drosselklappen. Entgegen der Tradition ist der Motor starr im Buell-typisch spritgefüllten Alurahmen verschraubt. Zusammen mit der langen Schwinge (ohne Ölreservoir, das ist ins Motorgehäuse integriert) und 1384 mm Radstand bildet er das nötige Rückgrat, um nicht nur wheelisierend durch die Welt zu toben. Vorn widersteht eine fette 47er Showa-Gabel allen Verdrehungsversuchen des neuen, achtkolbigen ZTL-Vorderradstoppers, nachdem MotoGP-Pilot Jeremy McWilliams als Buell Suspension-Pro die bisherige 43er USD als die Achse des twistenden Bösen in Rente schickte. Gut so, und in Verbindung mit dem seitlich aus dem Wüstensturm der Motorwärme evakuierten Federbein geht das Fahrwerk nun gut gewappnet an Bord für…