Zero DS 11 kW

Zero DS 11 kW


Elektrische Ekstase

Leichtkrafträdern setzt das 15-PS-Limit enge Grenzen beim Fahrspaß. Das gilt nicht für Elektromotorräder, wie die Zero DS in der 11-kW-Ausführung nachhaltig beweist.

Leise surrt der Zahnriemenantrieb und die tarnfarbene Zero DS setzt sich zurückhaltend in Bewegung. Doch schon nach den ersten Metern überrascht das Elektromotorrad mit einem kräftigen Antritt, dass es dem Fahrer die Arme lang zieht. Das soll ein Leichtkraftrad mit 15 PS sein? Kaum zu glauben. Und der Schub hält unvermindert bis zur Maximalgeschwindigkeit an, um dann plötzlich abzubrechen und in eine Art Gleichmäßigkeitszyklus überzugehen. Die elektrische Kraftentfaltung unterscheidet sich halt grundsätzlich vom Verbrenner: Während dieser sein Drehmoment mit der Drehzahl aufbaut, steht das Maximum beim Elektromotor von der ersten Umdrehung an parat.

Frische Überhol-Freuden

Das sorgt beim Überholen für ungewohnte Sicherheit: Während Fahrer von 125er-Verbrennern immer weit vorausschauend fahren und auf eine ausreichend lange Gerade warten müssen, um den Lieferwagen des heimischen Installationsbetriebs hinter sich zu lassen, zoomt sich die Zero mit gefühlter Warp-Geschwindigkeit in Nullkommanix am übrigen Verkehr vorbei. Durch den Direktantrieb per Zahnriemen entfallen Kupplung und Getriebe, die Bedienung ist denkbar einfach, der Vortrieb erfolgt automatisch und ohne Zugunterbrechung – es gibt ja keine Schaltvorgänge. Und das notfalls mit reichlich Überschuss-Tempo als zusätzlicher Sicherheitsreserve, in der Spitze läuft die Leichtkraft-Zero DS nämlich echte 133 km/h. 

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E-Motorräder sind anders

Bei der Dynamik profitiert die Zero von den besonderen Zulassungsbestimmungen, die für Elektrofahrzeuge gelten: Anders als bei Verbrennern gilt hier nicht die maximale Leistung, sondern die signifikant niedrigere Dauerleistung, die als 30-Minuten-Leistung gemäß ECE R 85 ermittelt wird. Für unsere famose Zero DS bedeutet das die Einstufung in die 11-kW-Klasse, also Führerscheinklasse A1 respektive PKW-Lizenz für Altinhaber, ungeachtet einer Maximalleistung von knapp 60 PS und bäriger 109 Newtonmeter Drehmoment – zum Vergleich: eine Suzuki GSX-R 125 schiebt mit höchstens 11,5 Nm Drehmoment an. 

Drei Fahrmodi

Wie bei einem hochwertigen normalen Motorrad bietet die Zero DS drei verschiedene Fahrmodi, die den Schub, die Maximalgeschwindigkeit und das Rekuperationsverhalten, also die Motorbremse zum Wiederaufladen der Batterie, beeinflussen. Über den ansonsten funktionslosen Startknopf sind die Modi Eco mit Vmax von 108 km/h, Sport mit den erwähnten 133 km/h oder Custom anwählbar. Im Custom-Profil können mit einer kostenlosen Zero-App über ein Smartphone per Bluetooth die erwähnten Parameter konfiguriert werde. Dazu bietet die App weitere Analyse-Tools wie Ladezeiten und verbrauchte Energie.

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Reichweite per Handgelenk

Vom Fahrmodus und dem Fahrverhalten hängt direkt die Reichweite ab – je mehr Schub verlangt wird, um so schneller ist der Akku leer. Die DS kommt mit einer Lithium-Ionen-Batterie, die 14,4 kWh bereit stellt. Zero gibt fünf Jahre Garantie auf den Akku: die Amis versprechen nach fünf Jahren noch mindestens 80% der Kapazität. Bei der Probe aufs Exempel schaffte die DS in wenig zurückhaltender „Sport“-Fahrt mit hohem Autobahnanteil 129 Kilometer Reichweite, im Eco-Modus zeigte die Ladestandsanzeige bei ähnlichem Volllast-Anteil nach 159 Kilometern noch drei Prozent an. Mithin erscheint das Thema Reichweite absolut alltagstauglich. Weniger praxisgerecht gestaltet sich die Ladezeit: Ein komplett leerer Akku braucht über das eingebaute Ladegerät an der Haushaltssteckdose zur Komplettladung elf Stunden, eine 95prozentige Füllung dauert über neun Stunden. Schneller geht’s mit dem optionalen „Charge Tank“ (2.690 Euro), mit dem die leergesaugte Zero an einer PKW-Ladesäule innerhalb von zwei Stunden voll geladen ist, für 95 Prozent genügen schon 60 Minuten.

Normale Ergonomie

Wir elektrisch unterwegs ist, nimmt lediglich Reifenabrollgeräusche und den sirrenden Elektromotor wahr, beim Antritt auch den gautschenden Riemen. Da wirken vorbeifahrende Motorräder fast schon unangenehm laut. Doch die Zero hat mehr zu bieten als das elektrische Erlebnis. Der moderne Enduro-Look mit Trapezoidscheinwerfer, langbeinigen Federelementen von Showa und groben Pirelli MT-60-Pneus ist artgerecht und stellt dem Fahrer ein schmales Polster in respektablen 843 Millimeter Höhe zur Verfügung. Auf dem vorgeformten Polster sitzt es sich gelassen in aufrechter Körperhaltung, der breite Rohrlenker vermittelt viel Kontrolle über den amerikanischen Stromer.

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Regen sorgt für Spaß

Die ungewöhnliche Gewichtsverteilung um den mittigen schwarzen Batterienpack macht die Front bei Langsamfahrt etwas träge, beim Wenden stört der sehr knappe Lenkeinschlag. Einmal in Fahrt, geht die Zero mäßig handlich, aber neutral und stabil und mit einem guten Fahrkomfort gesegnet ums Eck – dank elektrischem Schub höchst anregend. Auch Topspeed auf der Autobahn entlockt der DS keine Schwächen. Beim Bremsen ist das Vergnügen eindeutig höher als beim herkömmlichen Motorrad, das liegt aber nicht am modernen Bosch-ABS oder der effektiven Einzelscheibe im Vorderrad. Sondern an der „Regen“-Anzeige im anzeigereichen LCD-Cockpit, die das dabei gewonnene Maß an rückgewonnener Energie visualisiert. Genau so praktisch ist das abschließbare Staufach an der Stelle des überflüssigen Tanks.