Interview mit Jürgen Plaschka

Interview mit Jürgen Plaschka


Testfahrer bei Suzuki

Jürgen Plaschka, 52, ist Testfahrer bei Suzuki. Der Bikerszene erzählt er von seinem hochinteressanten Job, was ihn daran fasziniert, er berichtet aber auch von den weniger schönen Seiten seines exklusiven Berufs.

BSZ: Was ist dein Job bei Suzuki? 

JP: Ich bin neben Andreas Offer einer von zwei Testfahrern bei Suzuki. 

BSZ: Was haben wir uns darunter vorzustellen?

JP: Einen höchst vielfältigen Job: Besonders wichtig ist natürlich die Zusammenarbeit mit dem Werk in Japan, mit dem wir die Prototypen abstimmen. Da fahren wir gemeinsam mit den japanischen Testfahrern und Ingenieuren die neuen, in der Entwicklung befindlichen Modelle.

BSZ: Was hast du vorher gemacht und wie bist du an den Testfahrer-Job gekommen?

JP: Ich bin Motorradmeister und habe vor meinem Job bei Suzuki zehn Jahre Rennen gefahren. Damals musste man noch sehr viel in Eigenregie Hand ans Motorrad legen, um konkurrenzfähig zu sein. Da habe ich viel für meinen heutigen Job gelernt...

Vor 15 Jahren kam Suzuki dann auf mich zu, zunächst zur Kunden- und Händlerbetreuung in der Technikabteilung. Doch schon ein Jahr später gab es für mich die Möglichkeit, Testfahrer zu werden. Das habe ich direkt wahrgenommen.

BSZ: Wie geht denn die Entwicklung neuer Motorräder in der Praxis vonstatten – wo werden die Prototypen entwickelt, in Japan oder hier in Europa?

JP: Üblicherweise findet die Entwicklung in Japan statt. Wenn die ersten Modelle fahrfertig sind, fliegen wir dorthin, um die Modelle vor Ort auf der Teststrecke zu bewegen und unsere Einschätzungen dazu abzugeben.

BSZ: Darauf aufbauend wird dann das neue Modell entwickelt?

JP: Nach den Testfahrten in Japan fahren wir die Prototypen auch noch in Europa beziehungsweise in Deutschland. Die Straßenverhältnisse hier sind anders, die Ergebnisse praxisnäher als es der synthetische Eindruck auf einer Teststrecke sein kann.

BSZ: Dann fährst du die neuen Motorräder deutlich früher als „normale“ Motorradfahrer...

JP: ...ja, aber der Zeitraum variiert stark, je nachdem ob es sich um ein ganz neues Modell oder um ein Update handelt. 

BSZ: Das hört sich nach einem Traumjob an, immer die neuesten Motorräder fahren, in Japan und in Europa – toll!

JP: Ja, das stimmt, aber das ist nur ein Teil meiner Arbeit. Ich entwickle gemeinsam mit unserer Zubehörabteilung spezielles Werkszubehör für alle unsere Modelle, nicht nur für Deutschland oder Europa, die Produkte werden zum Teil weltweit verkauft. Dafür haben wir hier in Bensheim eine Prototypenwerkstatt, in der wir die Produkte bauen und selber am Motorrad schrauben. Das ist schon aufwändig. Aber wir testen auch im Rahmen der Marktbeobachtungspflicht auch Zubehör von anderen Herstellern an unseren Modellen und bewerten dies.

BSZ: Damit ist dein Testerleben dann ausgefüllt?

JP: Nein (lacht), ich hab schon noch ein wenig mehr zu tun. So dürfen wir zusammen mit den Marketingabteilungen die Pressevorstellungen von Neumodellen organisieren, die Locations und die Routen inspizieren und auswählen und den Journalisten unsere neuen Schätzchen vorstellen und näherbringen. Das ist eine sehr verantwortungsvolle, aber auch reizvolle Aufgabe, denn dabei treffen wir als leidenschaftliche Motorradfahrer auf andere professionelle Motorradfahrer, und die Ausfahrten mit denen sind immer ein Highlight.

BSZ: Bei einem solchen Pensum kommt bestimmt einiges zusammen. Wie viele Kilometer fährst du im Jahr, und wie lange bist du dafür unterwegs?

JP: Wir haben einmal nachgerechnet und sind auf 60.000 Testkilometer im Jahr gekommen – das war aber ein Rekordjahr, üblicherweise sind es weniger. Auch die 130 Tage auf Dienstreise sind ein Ausreißer nach oben.

BSZ: Wenn man deinen Job als Ganzes betrachtet, gibt es vermutlich jede Menge Highlights – wo bleibt für dich da das Besondere? 

JP: Der Job macht mir einfach eine Menge Spaß und es kribbelt immer wieder, wenn du dich auf ein neues Motorrad setzen darfst, wenn du als Erster das Bike außerhalb Japans zu fahren bekommst, wenn die Kollegen deine Meinung wertschätzen und dich danach fragen. Wir genießen ein sehr gutes Standing in Japan, deshalb dürfen wir ja auch die Neumodell-Präsentationen organisieren.

BSZ: Dabei dürfte es dir nie langweilig werden...

JP: ... stimmt, bei so vielen unterschiedlichen Aufgabenfeldern nie. Aber der Job hält auch weniger attraktive Seiten bereit – die Dauerhaltbarkeitserprobung, also das gleichförmige Abreißen von Kilometern als Test für die Robustheit einzelner Produkte oder des ganzen Motorrades. Oder wenn man ein erwartetes Kundenprofil nachfährt, was so gar nicht mit der eigenen Fahrweise harmoniert. Aber das gehört eben auch dazu.

BSZ: Letzte Frage: Hast du dich schon einmal ernsthaft verletzt?

JP: Während meiner Testfahrer-Zeit gottseidank nie. Zwar gab es schon den einen oder anderen Abflug auf der Teststrecke, das gehört zum Testen dazu. Aber auf der Straße ist mir das bisher erspart geblieben. 

BSZ: Dann toitoitoi und alles Gute!