BMW R nineT Racer

BMW R nineT Racer


Klassik-Sport

BMW hat um die erfolgreiche R nineT eine Herde Derivate geschart, die sich am Erbe der blau-weißen Marke orientieren – mit der „Racer“ wollen die Bayern den klassischen Sportsgeist wecken.

BMW hat ein Händchen dafür entwickelt, aus der puristischen R nineT-Basis begehrenswerte Fahrzeuge zu entwickeln. Allen voran die Racer, die eine gelungene Hommage an die schnelle Welt in den Siebzigern darstellt in den klassischen Motorsportfarben der Marke, mit Stummelllenker, Halbschalenverkleidung und Rundscheinwerfer. Dazu ist sie als Einsitzer mit Sitzbankhöcker auf mittelalt getrimmt. Doch BMW wäre nicht BMW, wenn nicht gegen Aufpreis die Racer zum Zweiergefährt umrüstbar wäre – die Sozia-Option, bestehend aus Heckrahmen und Sitzkissen, gibt es für knapp 650 Euro dazu.

Solo für Racer

Richtig stilecht sind Racer auf einer R nineT aber natürlich alleine unterwegs. Und da beginnt das Dilemma: So klasse und authentisch Siebziger die BMW auch aussieht und so einen gelungenen Mix aus klassischen Rundinstrumenten und digitalem Infotainment sie auch bieten kann, so – im besten Falle – ungewöhnlich nimmt sie ihren Piloten im Jahre 2018 auf. Zu 805 mm Sitzhöhe und 900 mm hohem Lenker gesellen sich vergleichsweise hoch montierte Fußrasten, die den Fahrer in eine gestreckte und trotzdem irgendwie kompakte Sitzhaltung mit unheimlich viel Gewicht auf den Handgelenken zwingen. Das ist auf Dauer ermüdend, auch weil der Kopf immer weit nach hinten für eine gute Sicht gebogen werden muss. Nun könnte man sagen: Wer schön sein will, muss leiden. Doch in diesem Falle haben die Entwickler übers Ziel hinaus geschossen.

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Stampfiger Boxer

Anders als früher, wo die Rennmotorräder angeschoben werden mussten, genügt heute ein Druck auf den Startknopf. Prompt schüttelt sich der luftgekühlte Boxer und brabbelt sonor aus dem etwas zu modernen Endtopf. Aus 1170 Kubikzentimeter Hubraum mobilisiert der Vierventiler gesunde 110 PS bei 7750/min, darüber wären die Rennfahrer früher in Verzückung geraten. Ganz niedrige Drehzahlen mag der Boxer indes nicht, erst ab 2500 Touren stampft er nachdrücklich und kräftig voran. Sehr gut hängt das Aggregat am Gas, die Drehmomentkurve ist geradlinig und sorgt für Vortrieb ohne Einbrüche. 

Lässiges Kurven

Auf makellosem Untergrund zeigt der Boxer eine satte Straßenlage und beeindruckt mit stoischer Stabilität. In Kurven legt der Boxer ein etwas stures Lenkverhalten an den Tag, das aber immer mit guter Präzision zu überzeugen weiß. Die Natur des Antriebs verzeiht keine hektischen Schaltmanöver, die bringen nur Unruhe ins Fahrwerk, das macht aber nichts, denn auch im Drehzahlkeller passiert hier einiges. So zieht der Racer aus der Kehre mächtig an und schiebt die mit 219 Kilo nicht ganz leichtgewichtige BMW nach vorn.

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Sicheres Fahrverhalten

Fahrwerksschwächen kennt die konventionelle 43er-Telegabel nicht, auch ohne Einstellmöglichkeiten bietet sie einen guten Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit. Am direkt angelenkten Zentralfederbein ist immerhin die Zugstufendämpfung justierbar, doch geht das Voreingestellte durchaus in Ordnung. Als gelungene Beigabe erweist sich der Metzeler Roadtec Z8, griffig, dämpfend und mit gutem Abrollverhalten.

Famose Stopper

Sportlich treibt’s die Racer geradezu beim Bremsen, hier verrichten die vorderen Vierkolben-Festsättel zusammen mit den Doppelkolben-Schwimmsatteln im Heck ihren Job vorbildlich. Für ein gutes Gefühl auf der Bremse ist auch die hohe Grundstabilität verantwortlich, die jederzeit viel Vertrauen einflößt..

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Im City-Dschungel

Hinter den Mauern der Stadt, also da, wo ein solch puristisches Motorrad momentan seine Kunden finden sollte, ergibt sich ein ambivalentes Bild. Natürlich schauen die Leute dem tollen Motorrad hinterher, doch wenn der Verkehr wie üblich eher zähflüssig daher kommt, zeigen sich die Schwächen. Im Stop-and-go nervt die schwergängige hydraulische Kupplung, der Lenkungsdämpfer stört und das Körpergewicht malträtiert die Handgelenke. Und ganz leise ist der mit Klappenauspuff versehene Antrieb auch nicht.