BMW R 1250 RT

BMW R 1250 RT


Auf die große Tour

Reinrassige Tourenmotorräder gibt es nicht mehr viele. BMW legt mit der R 1250 RT trotzdem ein neues Modell auf, das mit Motoren-Hightech neue Dimensionen erreicht.

So richtig lebendig geht es nicht mehr zu bei den großen Tourern. Das dürfte auch daran liegen, dass die Leute lieber ihr Motorrad auf den Hänger schnallen und in den Süden düsen statt sich die Reifen eckig zu fahren. Tatsache sind jedenfalls rückläufige Jahreslaufleitungen, es wird immer weniger länger Motorrad gefahren. Einer der letzten Hersteller, der die Fahne des Motorrad-Tourismus hochhält, ist BMW. Das verwundert nicht, denn die Bayern haben mit der vollverkleideten Boxer-RT seit Jahrzehnten das Tourenmotorrad par excellence im Programm, das sie soeben frisch aufgewertet haben. 

Hightech-Aggregat

Das bayerische Touring-Flaggschiff hat nämlich den neuen Hightech-Vierventil-Boxer bekommen, der seine Premiere in der R 1250 GS feiern durfte. Die neue R 1250 RT erfreut sich etwas mehr Hubraum und hat eine innovative Ventilbetätigung bekommen, die die Ventilsteuerzeiten und den Ventilhub auf der Einlassseite über zwei verschiedene Nockenprofile variiert. Markiert wird die neue Technologie nach außen durch neue Ventildeckel mit dem Schriftzug „ShiftCam“. Gleichzeitig stieg der Hubraum um 84 auf 1254 cm3, was zusammen das Potenzial des Boxermotors deutlich erhöht. Moderat fällt die Leistungssteigerung um neun Prozent von 125 auf 136 PS bei unverändert 7750/min aus. Deutlicher wird der Fortschritt beim kräftigen Drehmomentplus von 14 Prozent auf beachtliche 143 Nm bei 6250/min nach 125 Nm bei 6500 Touren. Neben dem neu gezeichneten Zylinderkopf kündet ein neuerdings montierter Bugspoiler, der den Leerraum zwischen verkürztem Krümmer und Vorderrad ein wenig eleganter gestalten soll, vom neuen Modell.

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Neue Vorzüge

Also konzentrieren wir uns zunächst einmal voll und ganz auf den neuen Antrieb in Ermangelung weiterer bahnbrechender Neuerungen. Vom Fleck weg läuft der neue Boxermotor so geschmeidig wie noch nie, dazu mit einer deutlich geringeren mechanischen Geräuschkulisse. Schon mit dem Anfahren hängt er spontan am Gas, zieht dazu kraftvoller nach oben bei bester Laufruhe. BMW verspricht für den neuen Antrieb höhere Fahrleistungen mit 225 km/h Spitzentempo und Sprintqualitäten von Null auf Hundert km/h von 3,7 Sekunden – das nimmt man der neuen RT ohne weiteres ab. Serienmäßig stehen für die Kraftentfaltung zwei Fahrmodi zur Verfügung, doch der passionierte RT-Fahrer wird gewiss die Option „Fahrmodi Pro“ ziehen, welche den zusätzlichen Fahrmodus „Dynamic“ und die dynamische, weil schräglagenabhängige Traktionskontrolle DTC (Dynamic Traction Control) beinhaltet.

Besser fahren

Doch die technischen Maximaldaten sind das eine, die gefühlte Verbesserung im Fahrbetrieb das andere. Gerade im unteren und mittleren Drehzahlbereich bis 5000 Touren hat der neue Boxermotor zugelegt, hier kann er mit sattem Durchzug beeindrucken. Aber nur, um ab 5500 Kurbelwellenumdrehungen – das ist in etwa der Umschaltpunkt auf eine steilere Nocke – die zweite Schippe draufzulegen. Der Übergang vom Teil- auf die Vollastnocke ist übrigens trotz besonderer Konzentration darauf im Fahrbetrieb weder akustisch noch fahrdynamisch bemerkbar. Mit dieser Charakteristik minimiert sich die Anzahl der Schaltvorgänge, auf der früher deutlich spürbare Schlag beim Einlegen des ersten Gangs fällt auch wegen der niedrigeren Leerlaufdrehzahl weniger heftig aus. Noch angenehmer macht der optional erhältlichen Schaltassistent Pro das Schalten, hier lassen sich die Gänge supersanft ohne Zugunterbrechung einlegen – rauf wie runter. Die leisere Geräuschkulisse stammt auch vom Wechsel des Nockenwellenantriebs von Rollen- auf Zahnkette, ein axial verschiebbarer Kolben im Ölsumpf sorgt nun für eine optimierte Ölversorgung selbst unter extremen Fahrbedingungen.

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Bester Fahrkomfort

Was die fleißigen BMW-Mannen nicht geändert haben, ist der ausgezeichnete Rundum-Wetterschutz, den auch Großgewachsene hinter dem elektrisch verstellbaren Windschild genießen. Je nach Statur kann der Pilot bei der Standardsitzbank zwischen 805 und 825 Millimeter Sitzhöhe wählen, allerdings sollten Fahrer über 1.80 Meter auch einmal die als Sonderausstattung erhältliche hohe Sitzbank (830 bis 850 mm) in Betracht ziehen. Hier fallen die Kniewinkel deutlich relaxter aus. Das hintere Plätzchen verwöhnt seine Besatzung geradezu mit bestem Sitzkomfort – ein solches Arrangement sucht man ansonsten vergeblich.  

Hohe Stabilität

Nichts zu meckern gibt es bei der Fahrstabilität der RT. Selbst rasante Autobahnetappen mit mehr als 200 km/h sind problemlos machbar, auch wenn bei ausgefahrenem Windschild ein leichtes Rühren im Heck Fahrbahnunebenheiten anzeigt. Wer sich für die große RT entscheidet, wird vermutlich auch das vollelektronische Dynamic-ESA »Next Generation« mitordern, das vorn wie hinten die Dämpfung dem Untergrund und dem gefahrenen Stiefel anpasst. 

Sinnvolle Zusatzausstattung

Weitere Elektronikfeatures des Dynamic-ESA umfassen die verschiedenen Fahrmodi, zwei verschiedene Dämpfungskennfelder (Road & Dynamic) und drei elektrisch auf Knopfdruck justierbare Federvorspannungen. Hier gibt es neben der Min- und Max-Stellung einen Auto-Modus, der die Federvorspannung der ermittelten Belastung anpasst. Die komfortable Dämpfungs-Variante Road empfiehlt sich vor allem bei üblem Untergrund. Wird etwas heftiger am Gasquirl gedreht, führt kein Weg am Dynamic-Modus vorbei – nur mit der strafferen Dämpfung bleibt die 279 Kilogramm schwere RT verlässlich auf Kurs. 

Mehr Stopp-Potenzial

Der durchaus beachtlichen neuen Fahrdynamik wird die bislang schon verbaute Bremsanlage mit radial montierten Brembo-Vierkolben-Festsattelzangen vorn locker gerecht. Insbesondere, weil jetzt ein Schräglagensensor die Kurven-ABS-Funktion möglich macht. Da gilt es in Schräglage nur, den eigenen inneren Schweinehund oder besser: Angsthasen zu überwinden und bei Notsituationen voll am Bremshebel zu ziehen. Ebenfalls neu an Bord: Der dynamische Bremsassistent (DBC), der bei Notbremsungen das Antriebsmoment am Hinterrad auf ein Minimum reduziert und der zusammen mit dem serienmäßigen dynamischen Bremslicht den rückwärtigen Verkehr durch Aufleuchten der Warnblinkanlage vorwarnt. Mit diesen Features und einer auf Dynamik eingestellten Dämpfungsabstimmung liegt die Boxer-RT auch bei einsetzender ABS-Regelung sehr ruhig und stets gut kontrollierbar auf der Straße für kürzeste Bremswege.

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 Gute Ausstattung

Die üppige Serienausstattung wird komplettiert vom Berganfahrassistent Hill Start Control, der das Anfahren am Berg erleichtert. Wer den Fahrmodi Pro implantiert hat, bekommt darüber hinaus die Sonderausstattung Hill Start Control Pro serviert. Diese bietet die neue Zusatzfunktion Auto HSC. Über das Einstellmenü kann diese Zusatzfunktion so eingestellt werden, dass die Haltebremse am Gefälle (größer +/- 5 %) nach der Betätigung des Hand- oder Fußbremshebels automatisch aktiviert wird und sich erst beim Gasgeben wieder löst.