Kawasaki Z900RS

Kawasaki Z900RS


Famose Zeitreise

Kawasaki nimmt nicht nur die Fans der grünen Marke mit der Z900RS auf eine Zeitreise zurück in die Siebziger Jahre. Damals, als wilde Gesellen mit Motorrädern die Gegend unsicher machten, war die Z1 von 1972 quasi das erste Big Bike. Dieses legendäre Motorrad hat Kawasaki als Blaupause für den Neo-Klassiker gedient.

Damals

Es ist das Jahr 1972, die Mode wird von Schlaghosen und Hemden mit Kragen dominiert, die heute als Winglets bei MotoGP-Rennern für Abtrieb sorgen. In dieser Zeit erfindet Kawasaki das Motorrad neu mit der 900 Z1, die als erstes sogenanntes Big Bike in die Zweirad-Historie eingehen wird. Bei seiner Vorstellung in diesem Jahr markiert sie mit dem 82 PS starken Reihenvierzylinder einen technischen Meilenstein, der das Antlitz aller Big Fours aus Japan bis heute prägt. Wer jetzt noch eine gut erhaltene Z1 erwerben will, muss tief in die Tasche greifen, Preise über 20.000 Euro sind auf dem Liebhaber-Markt keine Seltenheit. 

Tank im Zentrum

Doch es geht auch günstiger, moderner und sogar einigermaßen authentisch – die Retro-Welle macht’s möglich. Denn Kawasaki hat die Z1 wiederbelebt in Form des Neo-Klassikers Z900RS, bei dem die Designer mit Liebe zum Detail die typischen Merkmale in die Gegenwart hinüber gerettet haben. Als da wäre der wunderschöne Tropfentank, der jedoch ein paar konstruktive Anpassungen erforderlich macht – die Basis der „RS“ stammt nämlich nicht von 1972 sondern aus dem Jahre 2017 und heißt schlicht Z900. Um ihn der schlanken Form des Vorbilds anzugleichen, aber gleichzeitig ein Volumen für 17 Liter Sprit anbieten zu können, musste der Gitterrohrrahmen des Ausgangsmodells im Bereich der beiden Rahmenoberrohre überarbeitet werden. Erst danach wurden Sitzlänge, Soziusplatz und Heckverkleidung ausgemessen und auf die Proportionen des Retro-Bikes abgestimmt. Man könnte sogar so weit gehen, dass die neue Z900RS um den Tank herum konstruiert wurde – unter ständigem Rückbezug auf die Z1.

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Design-Tradition

Kenner sehen sofort: Auch die Heckverkleidung wellt sich im gleichen Winkel nach oben wie beim damaligen Superbike. Die Anzeigen in den beiden analogen Rundinstrumenten besitzen den identischen Abstand wie anno 1972. Das gilt genauso für die Tachonadel. Selbst dort, wo moderne Technik zum Einsatz kommt, wird der Eindruck erweckt, auf einer Zeitreise zu sein: Die in sechs Kammern angeordneten LED-Leuchten des klassischen Rundscheinwerfers sind so angeordnet, dass sie den Eindruck eines analogen Lichts erwecken. Den gleichen klassischen Effekt erzielt das ovale LED-Rücklicht.

Power von Heute

Ungeachtet der zahlreichen klassischen Merkmale ist die Z900RS aber ein durch und durch modernes Motorrad. Allem voran natürlich das Herzstück eines Motor-Rades, der flüssigkeitsgekühlte Reihen-Vierzylinder nach japanischer Machart mit dohc-Steuerung und Vierventiltechnik. Der stammt aus der Z900, leicht modifiziert für eine optimale Leistungsentfaltung vor allem im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Deshalb markiert die RS-Leistungskurve ihren Gipfel bei 111 PS anstatt bei 125 PS der Standard-Z, was dem Retro-Fan aber mit hervorragender Fahrbarkeit ohne Verlust beim Fahrspaß schmackhaft gemacht wird. So überzeugt die Z900RS durch eine gleichmäßige, stets beherrschbare Leistungsentfaltung, dreht im Handumdrehen hoch und rennt, wenn es denn sein muss, frei in den Begrenzer. Lediglich die Lastwechselreaktionen bei schnellen Ladungswechseln mindern etwas den ausgewogenen Gesamteindruck.

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Er lebt!

Die freudvolle Verbrennungsarbeit untermalt die Kawa mit einem Ansauggeräusch, dass dem äußeren Erscheinungsbild in keiner Weise nachsteht und Fahrer wohlig den Rücken herunterrinnt. Dabei ist der Vierer-Treibsatz kein Schmeichling, gemäß der guten Kawa-Tradition lässt das Aggregat seine Besatzung an der Arbeit in der Brennkammer mit rauem, aber herzlichem Motorlauf teilhaben. 

Souveränes Fahrwerk

Wie weit die Neuauflage von ihrer Ahnin entfernt ist, zeigt das Fahrwerk – mehr als 50 Jahre technischer Fortschritt sind nicht von Pappe. Wer damals die Höchstgeschwindigkeit von circa 220 km/h bei der Z1 erreichen wollte, dem wurde mitunter Angst und Bange ob des Eigenlebens, dass dieses Motorrad auch ohne äußere Impulse entwickelte. Dagegen liefert der Stahlrohrrahmen der neuen RS ausreichend Steifigkeit für ein problemloses Fahrverhalten auch bei hohen Geschwindigkeiten. Dazu lässt sich die Upside-Down-Gabel mit 41 mm Gleitrohr-Durchmesser zur Anpassung an die individuellen Befindlichkeiten in Vorspannung, Zug- und Druckstufendämpfung justieren.

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Guter Komfort

Mit vorne 120 und hinten 140 Millimeter Federweg arbeitet das Fahrwerk ausgezeichnet und sorgt für ein spielerisch leichtes Fahrverhalten. Mit durchaus leichtfüßigen 215 Kilogramm Lebendgewicht lassen sich schnelle Wechselkurven im Nu durcheilen, so handlich agiert das Bike. Im Gegensatz zu den Duo-Federbeinen der Z1 besitzt die Z900RS ein angelenktes Zentralfederbein, in Vorspannung und Zugstufendämpfung einstellbar. Das spart Gewicht und bietet auch auf unebenen Untergründen einen mehr als passablen Fahrkomfort. Unter dem Aspekt Gewichtsersparnis verwendet die RS zudem filigrane Aluguss-Felgen statt Speichenräder sowie eine 4-in-1-Edelstahl-Auspuffanlage mit kurzem Megaphon-Schalldämpfer statt der klassischen 4-in-4-Anlage.

Stopp-Kunst

Bei den Bremsen bietet Kawasaki State-of-the-Art: Hier greifen radial montierte Vierkolben-Festsattelzangen vorn – bei der Standad-Z übernehmen axial angeschlagene Pendants den Job – auf zwei schwimmend gelagerte 300-mm-Bremsscheiben, während hinten eine Einkolben-Anlage für effektive Bremsmanöver sorgen. Gerade vorne agiert die Bremse bissig, verzögert sehr gut und lässt sich wunschgemäß dosieren. ABS und eine abschaltbare Traktionskontrolle mit zwei Modus-Einstellungen für sportliche Fahrweise oder nasse Fahrbahn komplettieren den Sicherheitsaspekt, wer möchte, kann sie auch ganz ausschalten.

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