Moto Guzzi Stelvio

Moto Guzzi Stelvio


Italienischer Alpinist

Moto Guzzis Stelvio ist toll konstruiert, hört sich gut an, sieht gut aus, ist einfach zu fahren, komfortabel, praktisch und mit dem geschichtsträchtigen Logo auf dem Tank gesegnet. Wie ihre Konkurrenz ist die Stelvio mehr für die Straße als für Offroad-Einsätze konzipiert, welche sie aber auch meistert. Dafür ist die Guzzi mit der Aura einer gewissen Exklusivität umgeben und dabei nicht einmal teurer als der Wettbewerb. Eine gute Wahl, wenn man das Besondere sucht? Wir werden sehen.

Wie bei allen Modellen von Moto Guzzi diktiert der große V2 die Bauart der Stelvio. Auch mit Vierventiltechnik und elektronischer Einspritzung bleibt der V2 ein Urviech auf dem Motorradmarkt. Und das ist auch gut so. Wer einmal eine Moto Guzzi bewegt, gefühlt und gehört hat, weiß wovon ich rede. Um dem V-Twin der Stelvio NTX das Drehzahlloch um 3.500 U/Min etwas zu stopfen, bekam er verbesserte Profilnocken und eine neue Einspritzung mit neuem Mapping. Der 1151 ccm große V2 bringt es in seiner aktuellen Version auf 105 PS bei 7.000 Umdrehungen. Das Drehmoment von 108 NM liegt bei 6.500 U/Min an.

Solche Leistungsdaten hätte man dem ehrwürdigen Konzept von Moto Guzzi noch vor wenigen Jahren nicht zugetraut. Zudem gab´s noch eine leichtgängigere Kupplung. Im unteren und mittleren Drehzahlbereich hat der neue Motor spürbar mehr Schub, aber bei 4.000 U/Min. ist immer noch ein kleines Leistungsloch. Hier holt die Stelvio kurz Luft, um dann bis zum roten Bereich bei 8.000 U/Min zu drehen.

Moto Guzzi Stelvio 07

Der Motor

Leider fällt dieses kleine Loch in einen immens wichtigen Drehzahlbereich. Daher sollte man es bei geplanten Überholvorgängen immer berücksichtigen. Schade, ansonsten präsentiert sich der Motor der Stelvio als echter Kumpel. Dabei wird der Fahrer von diesem unverwechselbaren Moto Guzzi Sound begleitet. Schon im Stand bollert die Stelvio ordentlich was weg. Aber beim Beschleunigen legt die Guzzi nochmal eins drauf, da treibt es einem die Gänsehaut den Buckel hoch und runter.

Das Design der Stelvio darf gerne als mutig bezeichnet werden. In jedem Fall ist die Stelvio ein unverwechselbares Motorrad geworden, dank des toll gezeichneten Hecks auch von hinten. Die Sitzhöhe ist mit 840mm für ein Motorrad dieser Gattung noch erträglich, der Sitzkomfort allerdings unumstritten. Dies gilt sowohl für Fahrer als auch Beifahrer. Die verstellbare Scheibe bietet einen hervorragenden Windschutz. Ebenfalls sehr ordentlich ist die Zuladung von 210kg. Alles in allem ein prima Package um ordentlich Kilometer unter die Reifen zu nehmen. 13.735 Euro muß man für die Stelvio beim Guzzi-Händler lassen. Nicht gerade günstig, eine Honda Varadero kostet gerade mal 11.190 Euro, eine BMW R1200GS 13.000 Euro.

Fahreindruck

Die Moto Guzzi Stelvio lässt sich deutlich leichter bewegen als erwartet. Vollgetankt bringt die Stelvio immerhin 265 kg auf die Waage. Sie ist also kein Leichtgewicht, aber die Konkurrenz ist ähnlich vollschlank. Die Abstimmung ist gelungen, insgesamt ein guter Kompromis zwischen Komfort und Sportlichkeit. Lediglich die Gabel ist etwas zu weich abgestimmt, hier fehlt für sportlich Ambitionen die Rückmeldung vom Vorderrad. Dies steht zügiger Bewegung allerdings nicht im Weg. Die Stelvio ist ein echter Kurvenräuber. Die breite Lenkstange verhilft der Moto Guzzi zu hervorragendem Handling. Und dies nicht nur auf Landstraßen erster, sondern auch zweiter und dritter Ordnung. Die Stelvio fegt über Schlaglöcher, Teerflicken und allem was der letzte Winter noch so hinterlassen hat, als gäbe es diese Unbillen nicht. Dies hätten wir der Moto Guzzi Stelvio so nicht zugetraut. Die Bremsen funktionieren gut und zuverlässig, nicht mehr und nicht weniger. ABS gibt es leider nur optional, obwohl es in dieser Klasse bei der Konkurrenz schon zum Standard gehört.

Moto Guzzi Stelvio 01

Verarbeitung

Was die Verarbeitung und Haltbarkeit angeht, haben die Motorräder von Moto Guzzi nicht den besten Ruf. Die technische Zuverlässigkeit ist heutzutage allerdings kein Thema mehr. Der V2 gilt bei entsprechender Pflege als unverwüstlich. Von der Verarbeitung darf man allerdings nicht den japanischen Standard erwarten. Auch bei der Stelvio sind nicht alle Spaltmaße gleichmäßig, wirkt so manches Teil eher wie angesteckt als angeschraubt. Liest sich sicher schlimmer als es ist. Dennoch ist hier noch Luft nach oben.

Moto Guzzi Stelvio 13