Triumph Sprint ST

Triumph Sprint ST


It’s T-Time

Mit einer behutsam aufgewerteten Sprint ST buhlt Triumph um die Herzen der anspruchsvollen Sporttouring-Freunde. Die weltgrößte Triumph-Fete, die Tridays im österreichischen Neukirchen, standen ohnehin auf dem Kalender. Da drängte es sich geradezu auf, diesen Trip mit dem edlen Sporttourer der Briten-Schmiede, der Sprint ST, zu unternehmen. Denn die lange Anfahrt über Autobahnen und Schnellstraßen, das kurvige Geläuf vor Ort sowie der praxisnahe Test als Reisemobil versprachen umfassende Aufschlüsse über die Qualitäten des einzigen Dreizylinders im Sporttouring-Segment.

Und dieser Motor steht natürlich bei der Betrachtung zunächst im Fokus. Um es vorweg zu nehmen: Ein echter Wonneproppen! Kaum ein Drehzahlbereich, in dem der Triple Schwächen zeigt. Fast ab Standgas lässt sich der mit einer überarbeiteten Software versehene Motor sanft ans Gas nehmen und begeistert mit herrlichem Druck in allen Lebenslagen. Gleichmäßig entwickelt der 1050-cm3-Kraftprotz seine 126 Pferdchen, dank des enormen Durchzugs beschränkt sich die Schaltarbeit aufs Einlegen des letzten, sechsten Gangs und ab geht’s. Auf der Autobahn mit respektabler Höchstgeschwindigkeit als ständige Triumph-Vertretung auf der linken Spur, überzeugt die Sprint ST im Winkelwerk um Großvenediger & Co. mit exakt kontrollierbarem Leistungseinsatz und gigantischem Schub. Überholvorgänge spult die Sprint ST souverän und lässig mit einem Zupfer am Gasgriff ab. Feine Vibrationen nerven nur um 5.500 Umdrehungen, ansonsten herrscht höchste Laufkultur. Im Stop-and-go auf der Mainstreet von Newchurch, die nach den Tridays wieder zur Hauptstraße Neukirchens wird, strahlt der Triple jedoch unangenehm viel Wärme an die Innenseite der Beine ab. Über alle Aktivitäten legt das Briten-Triebwerk ein markant heiseres Triple-Röhren, das ein wohliges Kribbeln in der Körpermitte verursacht – dieser Motor geht ins Ohr, in den Magen und ins Hirn. Glücklicherweise nicht ins Geld, denn für die flotte Fahrt geht der Dreizylinder erfreulich sparsam mit dem Sprit um. Selbst auf engagierten Autobahn­etappen schlürft sich die Einspritzanlage weniger als sechs Liter aus dem 20-Liter-Tank, was immer noch zu knapp 340 Kilometer Aktionsradius reicht.

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Noble Zürückhaltung

Dabei verwöhnt die noble Britin mit ausgezeichnetem Fahrverhalten, das sie den hochwertigen, eher sportlich abgestimmten Fahrwerkskomponenten verdankt. Vorn werkelt eine Telegabel mit Kartuschendämpfer, hinten ein Zentralfederbein. Beide sind in der Federvorspannung auf Zusatzbeladung einstellbar, hinten sogar hydraulisch per Schraubenzieher, zudem lässt sich die Zugstufendämpfung variieren. Im Solobetrieb genügt die Werkseinstellung für ein unglaublich stabiles und neutrales Verhalten, auf der Autobahn liegt die Britin stoisch und ruhig bei jedem Tempo. Trotz des guten Geradeauslaufs benimmt sie sich im Pässerevier alles andere als störrisch, lässt sich vielmehr leichtfüßig einbiegen und beschwingt durch die Kehren schwingen. Ihr relativ hohes Gewicht macht sich dabei kaum bemerkbar. Zurzeit gibt es wohl kaum ein Reisemotorrad, das Souveränität und Agilität in einer solch überzeugenden Kombination anbietet. Voll beladen zeigen nur die Bridgestone-Pneus jedoch eine leichte Shimmy-Neigung zwischen 80 und 60 km/h, nicht gefährlich, aber eben lästig. Dafür kann das Gripniveau zufrieden stellen – trotz heftiger Drehmomentattacken des Triples bleibt der Kurvenausgang gut kontrollierbar. Vor zuviel Chuzpe bewahren die effektiven, gut dosierbaren Nissin-Vierkolbenzangen, die zudem mit einem ABS bewehrt sind. So gesichert greift man bedenkenlos in die Tasten und verzögert die Fuhre fast nach Belieben.

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Umständliche Koffer

Was Reisefreunde besonders freut: Die Ergonomie fällt sehr gelungen aus, tourensportlich kompakt und selbst auf der langen Anreise nie unkomfortabel. Umgekehrt bietet das Arrangement im Alpenareal den gewünschten innigen Kontakt zum Bike. Wind und Wetter haben hinter der Verkleidung keine Chance, nur ein etwas höheres Geräuschniveau ist zu monieren. Die beiden serienmäßigen Koffer fügen sich harmonisch ins Bild ein, sind innen aber ziemlich zerklüftet und mit einem umständlichen Öffnungsmechanismus versehen. Ähnliches gilt für die Spiegel mit den integrierten Blinkern: Sie sehen schick aus, doch schon bei langsamer Fahrt kann man in den vibrierenden Teilen kaum noch etwas erkennen. Dass neuerdings ein Stahltank die Verwendung eines Magnettankrucksacks erlaubt, verbessert den Stauraum deutlich. Unter den großen Sporttourern nimmt die Triumph eine Ausnahmestellung ein, die sie dem bärigen Dreizylinder und ihrer angeborenen Agilität verdankt – die Sprint ST ist ein Allrounder im besten Sinne.

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Text: Norbert Meiszies