Triumph Street Triple R

Triumph Street Triple R


TT-Hero

Nirgendwo fühlt man den Pulsschlag des britischen Motorradsportherzens deutlicher als auf der Isle of Man. Triumph – wer sonst – traut sich, seine neue Street Triple R auf dem ebenso legendären wie anspruchsvollen Kurs der Tourist Trophy zu präsentieren

„Habe fun“, sagt der Taxifahrer, als er uns in voller Ledermontur bei strömendem Regen und peitschenden Windböen am Grandstand rauslässt. Ich schau ihn zweifelnd an, doch der Mann scheint das ehrlich zu meinen. Naja, hier auf der Isle of Man ist man Wetterkapriolen offensichtlich gewohnt und die Insulaner sind sowieso ein besonderes Völkchen: Wer seit mehr als 100 Jahren die berühmt-berüchtigte Tourist Trophy veranstaltet und dafür zwei Wochen lang einen Großteil der Insel in eine Straßenrennstrecke umfunktioniert, muss definitiv Benzin im Blut haben - man stelle sich nur mal vor, die piekfeine Gesellschaft einer der friesischen Inseln würde ein solches Spektakel auf ihrem Eiland erlauben! Doch in der Irischen See ticken die Uhren anders, selbst im benachbarten England sind die Racing-Gene ausgeprägter als hierzulande. So kommt zusammen, was zusammen gehört: Triumph als englischer Traditionshersteller lud die Fachjournaille zur Premiere der neuen Street Triple R auf den verwinkelten Kurs der Tourist Trophy auf die Isle of Man, und das bei perfektem Wetter Marke „very british“.

The Highlander

Geschützt durch wasserdichte Kunststoffhäute spannten wir uns auf die allesamt graphitfarbenen Street Triple R-Modelle und dann ging’s auf die legendäre Runde; vom Grandstand über Quarterbridge, The Highlander und all die berühmten Stellen bis nach Ramsey. Dort warnte eine große Leuchttafel vor dichtem Nebel und „heavy winds“, was nicht übertrieben war: Von Gooseneck bis Kates Cottage auf der anderen Seite der Berge pfiff der Wind in harschen Böen, der Regen flog waagerecht und die Sicht reichte gerade bis zum roten Rücklicht des Vordermanns. Unversehrt und schlotternd vor Kälte wieder am Grandstand angekommen waren wir froh, mit den Motorrädern direkt weiter ins warme Hotelzimmer fahren zu können.

Honda CBF 1000 Bild 6

breites Drehzahlband

Was nicht an der Street Triple R lag, die es uns leicht gemacht hatte: Das volle Triple-Erlebnis des flüssigkeitsgekühlten Dreizylinders – konstruktiv der Basis-Street Triple entsprechend – macht das Leben unter schwierigen Bedingungen dank der außerordentlichen Berechenbarkeit leicht. Mit Einspritzung, zwölf Ventilen und 675er Hubraum erlöst der Drilling beachtliche 106 PS bei 11700 U/min, fürs Fahren ist aber die imposante Drehmomententwicklung wichtiger, die bei 68 Newtonmeter bei 9100 U/min gipfelt und dem Motor ein unglaublich breites nutzbares Drehzahlband verpasst. So überzeugt der Triple mit kräftigem Schub aus niedrigen Drehzahlen und sattem Druck im mittleren Bereich, hektische Schaltmanöver im gut abgestuften Sechsganggetriebe erübrigen sich – durch Ortschaften rollt es sich locker und drehzahlschonend im vierten oder gar fünften Gang, hinter dem Ortsausgangsschild wird ohne herunter zu schalten einfach Gas gegeben und der Vortrieb fällt stets mehr als zufriedenstellend aus. Hinzu kommt ein Hörgenuss, den dieses unvergleichliche Dreizylinder-Röhren bei seinem Weg durchs ganze Drehzahlband bietet. Clever modifizierte Längen und Expansionsraten von Auspuffkrümmeranlage wie Schalldämpfer setzen spezielle akustische Schwerpunkte im Leerlauf wie beim harten Beschleunigen und sorgen wie eh und je für eine kribbelnde Gänsehaut.

Honda CBF 1000 Bild 3

Bügelbrett

Eine heiße Dusche samt warmer Suppe später hat sich die Welt beruhigt, die Wolken werden löchriger und ab und zu blitzt sogar die Sonne hindurch. Also, wieder rauf auf die Britin und noch mal um den Kurs gesteppt. Jetzt, bei deutlich zügigerer Fahrt, machen sich die Vorzüge gegenüber der „R“-losen Street Triple – komplett einstellbares Fahrwerk, leicht aggressivere Sitzposition und knackigere Bremsen – bemerkbar. Ganz nebenbei stellt man fest, wie miserabel die öffentlichen Straßen der TT wirklich sind: Überall Asphalt-Versatzstücke, wechselnder Belag und Fahrbahnmarkierungen, potteben sind nur die Theken der zahlreichen Pubs entlang der Strecke. Von daher wählte David Lopez, bei Triumph für die Fahrwerksentwicklung maßgeblich, eine sanftere Abstimmung als standardmäßig vorgegeben. Dennoch vermitteln die komplett einstellbaren, aus dem Supersportler Daytona 675 stammenden Federelemente ein erfreulich klares Feedback, die Upside-Down-Gabel wie das Federbein überzeugen mit gutem Bodenkontakt und sogar ordentlichem Komfort. Insgesamt stellt sich trotz der widrigen Bedingungen das Vertrauen erweckende Gefühl bester Kontrolle unter allen Bedingungen ein. Sportliche Naturen freuen sich über den schön anzuschauenden konischen Magura-Leichtmetalllenker, der zusammen mit der etwas höheren Sitzposition eine angriffslustige Fahrerhaltung bedingt. Damit räubert die Street Triple R mit Verve im kurvigen Revier, äußerst exakt und völlig mühelos selbst durch die kniffligsten Kurvenkombinationen dirigierbar.

Dem ambitionierten Auftritt machen sogar die serienmäßig aufgezogenen Dunlop Sportmax Qualifier-Reifen in 120/70 ZR17 vorn und 180/55 ZR17 hinten keinen Strich durch die Rechnung. Ungeachtet der hohen Agilität bleibt die schnelle Britin auch bei Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h absolut stabil und Vertrauen erweckend, ein Tempo, das wir nur in den freien Bereichen rund um The Verandah, Bungalow und Windy Corner erreichen. Da wir uns außerhalb der Rennsaison befinden, brauchen wir uns nicht mit TT-Helden wie John McGuinness sondern nur mit höchst ambitionierten Lieferwagenfahrern auseinander zu setzen. Apropos McGuinness und relativierende Zeiten: Der jetzt schon legendäre TT-Hero umrundete den Mountain Course auf seiner Honda Fireblade in glorreichen 17:21,99 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 209,78 km/h entspricht. Er ist damit der erste Fahrer in der Geschichte der TT, der einen Schnitt von über 130 mph erreichen konnte – nicht vorstellbar! Unsereinem wird’s schon darunter manchmal zu flott, beispielsweise beim Anbremsen der 90-Grad-Rechts namens Creg Ny Baa, um nicht im gleichnamigen Pub geradeaus zu landen. Das ist dann der Auftritt der neuen, radial montierten Vierkolben-Festsattelzangen mit zwei schwimmenden 308-mm-Bremsscheiben. Entsprechend dem Straßeneinsatz agieren die Stopper sehr verlässlich und wohl dosierbar, manch versierter Sportfahrer mag hier den giftigen Anfangsbiss vermissen.

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Geringer Preisaufschlag

Optisch demonstriert die Triple R typische britische Eigenständigkeit mit ihrem markanten Doppel-Scheinwerfer, den sie von der großen Schwester Speed Triple geerbt hat. Das umfangreiche Instrumentarium im Cockpit weist alle wünschenswerten Funktionen bis hin zur Ganganzeige und Laptimer auf. Für einen stilechten Auftritt sorgen zwei neue Mattfarben: Das edle Matt Graphite und ein Aufsehen erregendes Matt Blazing Orange, die beide durch eine zweifarbige Sitzbank in Schwarz und Graphit den letzten Schliff bekommen. Die tollen Fahreigenschaften und der durchzugsfreudige Dreizylinder der Street Triple R befriedigen selbst höchste Ansprüche und sorgen dafür, dass traditionelle Supersport-Motorräder auf der Landstraße einen weiteren ernst zu nehmenden Gegner auf der Rechnung haben müssen. Dass der Preisaufschlag zur Basisversion angesichts des enormen Zuwachses an Fahrspaß und Potenzial mit 800 Euro etwas knapp ausfällt, werden ambitionierte Kurvenfreunde sicherlich kaum kritisieren.

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