KTM 400 EXC Racing

KTM 400 EXC Racing


Guter Freund

Die Offroad-Palette von KTM zählt satte neun Enduro-Racing-Modelle. Wir haben uns die 400 EXC Racing genauer angesehen. Hubraum kann durch Vernunft ersetzt werden, und Vernunft macht schnell.

Wir lieben sie!

Die Zweitakter sind ein eigenes Kapitel. Manche lieben sie, manche hassen sie. Wir entziehen uns der Bewertung (oder nein, doch nicht: Wir lieben sie!), beschränken unsere Betrachtungen an dieser Stelle auf die Viertakter der orangen EXC-Palette und schicken voraus, dass wir uns zu den Helden zählen, an Endurorennen teilnehmen, gerne in die Schottergrube und manchmal in die Wüste fahren. Wir sind weder Technik- noch Konditionswunder, aber wir wollen Endurofahren, kräfteschonend, unbeschwert und einen ganzen Tag lang, wir wollen auf der Motocross-Strecke unsere Zeiten in den Stein meißeln und den langen Steilhang mit Kraft, Drehmoment und Herrlichkeit bestehen. Und wir sind nicht davor gefeit, vorm Büro oder Eissalon heftig posen zu wollen.

Die Wahl der Helden

Vom Fahrwerk her sind die Hardcore-Viertakt-Enduro-Modelle von KTM Motorrad identisch, die Kubaturen reichen von 250, 400 und 450 bis hin zu 525 Kubik. Nach reiflicher Überlegung richten wir unser Hauptaugenmerk auf die 400 EXC Racing. Weil warum? Die 250er ist uns dann doch ein bisserl zu schwach, sie ist zwar leicht und wendig, aber ... wir überlassen sie jenen, die sich den Offroadbereich erst noch erobern müssen. Das andere Ende der Skala, die 525 EXC, ist die richtige Wahl für die Pipeline-Piste in Tunesien, die mächtigen Dünen Libyens und vielleicht auch die schnelle ungarische Tiefebene. Sehr viel Kraft, in engen oder rutschigen Passagen jedoch mangelt es an Traktion, um diese Kraft auch auf den Boden zu bringen. Also nix für den Alltag in unseren Breitengraden. Blieben also die 400er und die 450er. Beides keine schlechten Motorräder für unsere Anforderungen. Von der Spitzenleistung her unterscheiden sich die beiden Modelle nur marginal, der Unterschied liegt bei vielleicht drei oder vier PS. Beide haben Power tief aus dem Keller heraus und erheben zu Recht Anspruch auf die Kraft der Mitte. Die 400er könnte zwar am Hinterrad einen Tick spontaner sein, hat allerdings ganz eindeutig die bessere Traktion und ist bei so gut wie allen Vergleichsfahrten das schnellere Motorrad. Dennoch gehen mehr 450 EXCs über den Ladentisch als 400er. Seltsam? Auf der Suche nach der Wurzel der Lücke zwischen Realität und Illusion stießen wir auf eine denkwürdige Erklärung: „Jaja, es mag schon sein, dass die 400er das rundere Motorrad ist, aber wie komm ich mir denn vor, wenn ich mit weniger Kubik als die anderen antanze?“ Aua! Wir für unseren Teil treffen unsere Entscheidung kritiklos und mit der reinen Vernunft. Was zählt, ist das Rennergebnis. Die Kraft lässt sich spielerisch einfach auf den Boden bringen, am Steilhang stehen wir oben und lachen über die Vorderrad-erhebenden Versuche der Kollegen. Im Dickicht des Waldes sind wir glücklich mit dem einfachen Handling des Motorrades, links, rechts, links rechts, ein kurzer Gasstoß und drüber über den Baumstamm, hinein ins Bachbett, hinaus auf die Wiese. Und auch Onroad haben wir eine Menge Spaß. Die Pirellis halten (vergleichsweise) erstaunlich gut, beim Weg in die Arbeit sind wir bei der Ampel vorne weg, die Kurve auf der Wiener Ringstraße nehmen wir im zarten Drift und der Abkürzer über den Grünstreifen ist das reine Vergnügen. Der Applaus vorm Kaffeehaus ist uns sicher.

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