Suzuki 1250 Bandit S

Noch mehr Drehmoment

Nachdem man das Bein über die Sitzbank geschwungen hat, wird man von einem wohlbekannten Ambiente begrüßt - hinter der knappen Scheibe greifen die Hände an den leicht gebogenen Rohrlenker und es stellt sich ein geräumiges Gefühl ein. Die Sitzhöhe ist nach wie vor friemelig in zwei Höhen justierbar, in der niedrigen 790-mm-Einstellung dürfte jeder beide Füße auf den Boden bekommen. In den gleichen Instrumenten gibt's nun eine Einspritz-Warnleuchte sowie einen bei Erreichen der Reservestellung rückwärts zählenden Tripmesser. Nicht schlecht, aber dafür wanderte die Benzinpumpe nun in den Tank und vermindert dessen Volumen um einen auf 19 Liter - nachdem vor sechs Jahren der umgekehrte Fall noch als ein Plus an Tourentauglichkeit gefeiert wurde. Doch diese Kleinigkeiten verblassen schon nach ein paar Hundert Metern mit der neuen 1250er. Vom Moment des Einkuppelns an, gibt sich die Big Bandit sanfter als ihre Vorgängerin und pusht, dank der neuen Drehmomentkurve, die so flach wie die spanischen Ebenen ausfällt, die Fuhre vom Leerlauf weg vorwärts. Des Weiteren fällt auf, dass nirgends der typische Bandit-Resonanzbereich einsetzt, der sich sonst über fein vibrierende Fußrasten dem Körper mitgeteilt hat. Der Drehmomentzuwachs unten herum fühlt sich subjektiv allerdings nicht wie fast zwanzig Prozent an. Das liegt an der Einspritzanlage, die im unteren Drehzahlbereich die Gasbefehle nicht so spontan und sanft umsetzt, wie die alten Vergaser. Über 4.000 Touren spielt das jedoch keine Rolle mehr.

 

Passabler Tourer

Hinter der kleinen Scheibe kann man es sich bis zum flotten Reisetempo von rund 150 km/h gemütlich machen, der Oberkörper wird wirksam vom Fahrtwind entlastet. Dabei dreht der Motor humane 5000 Touren im letzten Gang, wobei ein solch durchzugsstarker Motor nicht unbedingt den Sechsten gebraucht hätte. Doch der fungiert ohnehin mehr als Overdrive und hilft, Sprit zu sparen. Als passabler Tourer geht die 1250er also durch, doch im engen Kurvengeschlängel offenbart sie ihr erstaunliches sportliches Potenzial - obwohl die flüssigkeitsgekühlte Version sechs Kilo auf das Ausgangsgewicht der nicht leichten 1200er draufpackt. Doch das Fahrwerk erweist sich als ausreichend stabil und jetzt auch gut gedämpft: Die neue Bandit biegt willig in die Ecken und huscht behände durch Wechselkurven. Dabei blieb die verhältnismäßig konservative Lenkgeometrie bis auf die verlängerte Schwinge unverändert, doch die straffere Gabel und das ebensolche Showa-Federbein verbessern die Agilität der Bandit spürbar.

Kalte Finger

Beeindruckend fallen die Stopper der Suzuki aus - zwei Tokico-Vierkolbenzangen vorn sind mit einem ABS bewehrt, dass im Trockenen nicht zu früh eingreift und dem Fahrer viel Spielraum lässt. Auf den noch nicht abgetrockneten Stellen erhöht es indes die Sicherheitsreserven deutlich. Ein wenig irritiert, dass die Verkleidung die Hände nicht vor dem Fahrtwind zu schützen vermag und die Finger an kalten Tagen auskühlen. Das ändert aber nichts an der praktischen Auslegung mit serienmäßigem Hauptständer, breitem Polster und guter Sicht in den Rückspiegeln. Mithin hat Suzuki der neuen Bandit eine Menge mehr Potenzial mit auf den Weg gegeben, doch das Wichtigste an allen Neuerungen ist das Bewahren des größten Bandit-Vorteils: Unglaublich viel Motorrad für vergleichsweise wenig Geld.

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