Suzuki GSX R 1000

Suzuki GSX R 1000


Gottes Werk und Teufels Beitrag

Zwanzig Jahre GSX-R. Die Legende feiert Jubiläum – und ihre Neuauflage Premiere: Australien, Eastern Creek Raceway, an einem Februar-Tag mitten im Sommer der Südhalbkugel. Die neue GSX-R 1000 steht zum Proberitt bereit.

Die Maschine …

Noch 15 Minuten bis zum Testritt. Der erste Blickkontakt: 178 PS, 120 Nm. Ein Eisen aus der Hölle. Kompakter als das 2004er-Modell. Das Biest wirkt zierlich wie eine 600er, ist aber eine 1000er! Schlank und höllisch stark. 166 Kilo leicht. Filigran und gestählt. GSX-R 1000 bleibt GSX-R. Nur ist alles kleiner und leichter geworden. Alles bis auf die höllische Power: Um vier Kilo hat sie abgespeckt, aber satte 14 PS an Leistung zugelegt. Das Fahrwerk? Komplett überarbeitet: Ein um fünf Millimeter kürzerer Radstand soll für höchste Kurvenagilität sorgen.

Eine um vier Prozent verkleinerte Stirnfläche der neuen Verkleidung schafft eine bessere Aerodynamik. Der verkürzte und schlankere Tank verbessert die Ergonomie. Die Sitzposition ist zwanzig Millimeter tiefer und vierzig näher am Lenker. Die Fußrasten liegen 17 Millimeter näher beieinander. Die Gabel ist neu, auch die Anti-Hopping-Kupplung ist ein Novum. Eine komplette Neukonstruktion: Die computergenaue Berechnung aller Motorteile sowie der Einsatz hochwertiger Werkstoffe ermöglichten es den Ingenieuren, die bewegten Massen im Antrieb nochmals zu verringern. Ein GSX-R-1000-Kolben, Jahrgang 2005, ist immerhin um 32 Gramm leichter geworden, ein Einlassventil um 5,4 und ein Auslassventil um 6,4 Gramm. Beide aus Titan hergestellt. Wie schwierig das Finden überflüssiger Pfunde bei einem schlanken Sportler à la GSX-R ist, zeigt sich beim Chassis: Auch dank kleinerer Dimensionen – der Rahmen ist sechs Millimeter kürzer geworden – konnten hier nochmal 1,2 Kilo bei gleichzeitiger Steigerung der Stabilität eingespart werden. Klingt das nicht wie Gottes Beitrag zu Teufels Werk?

Der Mensch …

178 PS, 120 Nm, 166 Kilo. Was das heißt? Schweissnasse Hände! Noch 1980 wurde Kenny Roberts auf einer GP-Maschine Weltmeister, die zwar 31 Kilo leichter war, aber nur 102 PS abdrückte. Jetzt wagen Sie mal 178 PS auf den Boden zu bringen. Schon auf den ersten Metern scheint einem der Beelzebub persönlich in den Hintern zu treten: Teuflischer Vortrieb sorgt bis Tempo 180 für permanenten Auftrieb der GSX-R-Front. Sekunden später dann der Eintritt in eine andere GSX-R-Bewusstseins-Dimension: Flash! 200 km/h! Informations-Overflow im Gehirn: Ihr Denkapparat ist gar nicht für solche Geschwindigkeiten geschaffen. Das kommt davon, weil die Informationsflut der eintreffenden optischen Reize einfach zu groß ist. Dem drohenden Kollaps im Sehzentrum begegnet die Natur mit Ausblendung – mit der Konzentration auf das Wesentliche. Raffiniert, aber nicht ohne Folge: Tunnelblick! Die Konturen der auf Sie zustürzenden Raumdimensionen scheinen sich beschleunigt aufzulösen. Flash! 250 km/h! Die GSX-R 1000 zieht noch immer mit schierer Kraft vorwärts. Die vorbeihuschende Welt scheint in verwischte Farbflecken zu zerfließen. 290 km/h: Das Asphaltband ist verdammt schmal geworden. Ihr Tunnelblick in die mit 80 Meter pro Sekunde vorbeistürzende Welt enger als je zuvor. Dieses Motorrad ist dennoch keine Teufelsmaschine. Eher Teufels Beitrag zu Gottes Werk. Denn der geübte Pilot schafft es im Einklang mit der Maschine, stets Herr über die sich auflösenden Dimensionen zu bleiben und sogar anvisierte Bremspunkte genau zu treffen. Der Mensch macht sich der Erde untertan. Klingt nach Gottes Werk, oder?