Suzuki Intruder M 1800 R

Suzuki Intruder M 1800 R


Dick ist schick

Die neue Suzuki Intruder M 1800 R kombiniert die Leistung eines Sportmotorrades mit der Gemütlichkeit eines Cruisers. Eine interessante Mischung, wie wir bei unserer Testfahrt herausgefunden haben.

Drehfreudiger Kurzhuber

112 mm. Diesen Durchmesser haben handelsübliche, asiatische Suppenschalen. Die Kolben der neuen Suzuki Intruder M 1800 R sind ebenso breit. Und damit die größten Kolben, die jemals im Motor eines Serienfahrzeuges – egal ob Motorrad oder Auto – eingebaut wurden. Selbst in den Motoren der ganz dicken Cruiser mit 2,0 oder gar 2,4 Litern Hubraum sind die Zylinderbohrungen kleiner dimensioniert. Was klar macht: die neue Suzuki M 1800 R ist kein klassischer Langhuber, sondern eher ein drehfreudiger Kurzhuber - was ein ganz neues, kraftschwangeres Fahrerlebnis verspricht. Der Blick ins Datenblatt zeigt: Die beiden mächtigen Schmiedekolben sausen bei jeder Kurbelwellenumdrehung genau 90,5 mm in den beiden, im Winkel von 54 Grad zueinander platzierten Zylindern, auf und ab: Das ergibt in Summe exakt 1783 ccm Hubraum.

In jedem der beiden riesigen Zylinderköpfe sind vier Ventile untergebracht, welche von gesamthaft vier kettengetriebenen Nockenwellen betätigt werden. Diese wirken über Tassenstössel direkt auf die Ventile ein - was das Triebwerk drehzahlfest macht. Erst bei 7.500 U/min beginnt auf dem digitalen, bandförmigen Drehzahlmesser der rote Bereich. Die Maximalleistung von 125 PS liegt bei verhältnismäßig späten 6.200 U/min an, das maximale Drehmoment von 160 Nm schüttelt der V2 indes bereits bei 3.200 U/min aus den Zylindern. Werte, die fulminanten Durchzug und üppige Kraftreserven auch bei höheren Drehzahlen versprechen. Werte aber auch, die eine brennende Frage aufwerfen: Kann ein solch sportlicher Motor überhaupt jenen niedrigfrequenten, massig-wummernden V2-Puls erzeugen, den Cruiser-Fahrer von ihrem Bike erwarten?

Ein Motor wie ein Vulkan

Die Antwort lautet: Jawohl - und wie! Sekundenbruchteile, nachdem der Pilot den Startknopf gedrückt hat, werden das Motorrad, der Fahrer, ja scheinbar die ganze Welt durchgeschüttelt wie bei einem Erdbeben mittlerer Stärke. Wie ein brodelnder Vulkan bebt die Fuhre im Takt der, in ihren Zylindern auf und ab tanzenden Kolben. Die Welt spiegelt sich in 1000 Facetten, zersplittert in den grosszügig verchromten Flächen von Rückspiegeln, Seitendeckeln, Tankabdeckung und Instrumenten. Dazu ertönt aus den beiden armdicken, mit Katalysatoren bestückten Auspuffrohren ein derart sonor polternder V2-Sound, dass man meinen sollte, die Lautstärke sei, zumindest bei höherer Drehzahl, in höchstem Maße illegal. Was natürlich nicht der Fall ist. Der Trick: Eine Ventilsteuerung im Auspuff, die sowohl Staudruck als auch Sound jederzeit optimal regelt und mit steigender Drehzahl immer mehr Querschnitt freigibt. So blubbert man im Sattel der dicken Suzuki völlig unaufdringlich und mit wenig mehr als Standgas seelenruhig durch bewohnte Gebiete, geniesst auf freier Strecke aber dennoch wunderbar vollen V2-Motorensound. Eine gelungen umgesetzte Idee. Dennoch gebärdet sich die M 1800 R auf der Landstrasse keineswegs wie ein laut brüllendes Monster. Denn wie mit jedem anderen Super-Cruiser auch, gleitet man mit der Suzuki M 1800 R eher gemütlich durch die Lande. Dabei überzeugen sowohl die mächtige, scheinbar direkt aus einem Supersportler entliehene Upside-down-Gabel, als auch das über eine Umlenkhebelei angesteuerte Zentralfederbein mit einer zwar Komfort-betonten, aber auch angenehm straffen Grundabstimmung. Lange Wellen werden ebenso gut absorbiert wie kurze, harte Stösse. Erst bei steigendem Tempo wird auch im Sattel der M 1800 R klar, dass bei stattlichen 350 kg Gewicht keine Federung der Welt wirkliche Wunder vollbringen kann.