Suzuki VZ 1600 Marauder

Suzuki VZ 1600 Marauder


Verkappter Zwilling

Ein Suzuki Ignis der auch ein Subaru G3X Justy ist – in der Autowelt sind solch „doppelte Flottchen“ wohl bekannt. Und in der Motorradbranche? Ist eine Kawasaki VN 1600 Mean Streak auch eine Suzuki VZ 1600 Marauder.

Mean Streak wird Marauder

Konsolidierung. Zauberwort für den Erfolg vieler kleiner Hersteller. Was die Autobranche vormacht, exerzieren nun auch die Motorradschmieden Kawasaki und Suzuki. Die Suzuki V-Strom 1000 wird neu auch als Kawasaki KLV 1000 verkauft. Einzige Unterschiede: das Cockpit der Kawasaki sieht etwas anders aus, auf dem Tank und an den Flanken prangen neue Schriftzüge. Umgekehrt wurde aus der Kawasaki VN 1600 Mean Streak kurzerhand eine Suzuki VZ 1600 Marauder gestrickt – mit Entenbürzelheck, anderem Frontscheinwerfer und ebenfalls neuen Beschriftungen.

Gen-Ethik

Uns Kunden kann es egal sein. Denn das Suzuki Motorrad VZ 1600 Marauder funktioniert so prächtig wie ihre Gen-Lieferantin von Kawasaki. Der wassergekühlte 1552-ccm-V2-Motor mit 4 Ventilen pro Zylinder sorgt mit seinen 73 PS und mächtigen 125 Nm maximalem Drehmoment bei lediglich 2.800 Umdrehungen pro Minute für kräftigen Vorschub. In Punkto Vibrationen hält er sich angenehm zurück, das 5-Gang-Getriebe und die Kupplung funktionieren tadellos. Und dank des wartungsfreien Kardanantriebs entfällt auch das lästige Kettenschmieren. Ebenso gelungen: Das Fahrwerk mit den luftunterstützten, in der Federvorspannung 4fach einstellbaren Federbeinen und der massiven Upside-down-Telegabel. Dank 1705 mm Radstand und ordentlich viel Nachlauf ist der Geradeauslauf super-stabil. Dennoch gibt sich die dicke Suzuki in Kurven agil, überrascht in der Stadt mit unerwarteter Handlichkeit. Toll: Die Hebel für Bremse und Kupplung sind einstellbar, die Blinker haben eine automatische Rückstellung, die Instrumente sind übersichtlich und klar gezeichnet. Mit Vorsicht zu betätigen: die bissige Vorderradbremse mit zwei 320-mm-Scheiben und Sechskolbenzangen aus der sportlichen Kawasaki ZX-9R. Zieht der Pilot zu hart am Bremshebel schlägt die relativ weich gedämpfte Gabel durch und das Vorderrad blockiert.

Preisfrage

Ohne Reue auch auf längeren Strecken genießen kann man indes die wohligen Vibrationen, den sonoren Sound und das äußerst erholsame Feeling im bequemen Sattel der Suzuki VZ 1600 Marauder. Die Sitzposition ist sehr entspannt, die Polsterung des Sattels straff aber angenehm. Interessant: Die Suzuki kostet mit 12.250 Euro ein wenig mehr als ihr Zwillingsmodell Kawasaki VN 1600 Mean Streak, das für 12.195 Euro zu haben ist.

Text: Jörg Wissmann