Triumph Daytona 675

Triumph Daytona 675


British Racing RED

Standing Ovations für die neue Triumph Daytona 675 – aber wir wollen sie endlich auch FAHREN!

Tri“ steht ja sozusagen schon als Vorsilbe bei Triumph im Namen. Also, was gibt’s da besser passendes als ein Triple-Triebwerk im englischen Krad zu fahren? Wenn alle Paparazzi so des Lobes voll sind über das Eine Krad, die dreizylindrige Neuerscheinung aus dem werten englischen Hinckley, dann könnte da ja was dran sein. Also müssen wir da eh mal dran, feste testen! So geschehen in der Woche vor Ostern in den Seealpen, denn bei uns hieß es ja mal wieder „Land unter“, an der Cote d’Azur dagegen herrschte mehr als nur eitel Sonnenschein. Die Rennstrecke verlegten wir kurzerrad auf den Kurvendschungel des Hinterlandes zur Küste, dort, wo auch gerne die World Rallye Cars oder ihre Freunde in Freuden ordentlich hergenommen werden. Und nach all dem Winkelwerken vier Tage am Stück gaben wir’s uns dann doch noch zum genialen Abrunden des Bildes mit der englischen Lady auf der GP-Strecke des Nürburgringes, als Motorradhaus Bürstadt am heiligen Sonntag den Kurs frei gab zum Halali.

Talking about the revolution

Reckt sich dir in der Hofeinfahrt das schmale Heck der Ferrari-roten (okay, heißt eigentlich: Tornado red) Schönheit entgegen, weißt du auf Anhieb, wo der Weg hingehen soll: So eng schnürt sich das Leiberl, an den gewagtesten Stellen keck aufgeschlitzt, um das enorm schmal bauende Triebwerk, dass du denkst, da rekelt sich lässig eine Ducati auf ihrem Seitenständer in deiner Einfahrt. Aber in der vom Tamburini-hab-ihn-selig geformten Rasanz der 916, wohlgemerkt. Und nur die drei kleinen Rohr-Enden da in deinem Gesichtskreis unterm sexy Heck deuten die exotische Dreizylindrigkeit an. Die Sonne scheint ihr in den süßen A…, da kreist bei der Fleischbeschauung per Kamera auf der Rennstrecke im südfranzösischen Le Luc gleich mal ein paarungsbereiter Ferrari um die Schönheit, erkennt der Racer doch sofort die gleichartigen Renn-Gene, wie die Rote dir aus den Augenwinkeln ihres schnittigen Scheinwerfer-Gesichts heraus verheißungsvoll entgegen zwinkert. Da mach ich mir ein Schlitz ins Kleid und find es wunderbar… Was das knapp geschnitten rote Plastikkleid da kaum zu verbergen vermag, spannt Triumph-Boss John Bloor und seine rechte Hand Tue Mantoni ganz neu und aufsehen erregend mit übereinander gelagerten Getriebewellen und einer kombinierten Öl- und Wasserpumpe innerhalb des Kurbelgehäuses in eine strenge, enge Kammer, die förmlich nach Supersport schreit.

Triumph Daytona 675 01

Dem königlich adligen. Denn in der vulgären, sorry, ordinären Kategorie endet ja die ganze Herrlichkeit bekanntlich bereits bei 600 Kubik und baut da auf die Reihenhaus-Vierzylinder-Fabriken. Hier also die immer noch um ihren so eigenen Linksverkehr bemühten Engländer mit 675er Hubraum auf drei Zylindern verteilt als triumphale, exorbitante Klasse neben den 600er Plebejern. Klares Votum für die Monarchie, klare Eigenständigkeit für den Briten-Triple, weg von der Halbherzigkeit, japanischen Fours die Stirn bieten zu wollen. Das alles solltest du auch beherzigen, wenn du dir ein Bild über die Motorcharakteristik und deren Einsatz verschaffst. Hektisches Durch-die-Gänge-zappen ist da nicht angesagt. Die Engländerin mag schon mal gar nicht in engen Wendungen bis in den Ersten runtergewürgt werden. Da reagiert sie gar in ihrer sensiblen Art prompten Ansprechverhaltens zu nervöser Kippeligkeit. Unter ZUG musst du sie halten! Bereits ab 4.000 Touren machst du reichliche Drehmoment-Ausbeute, die dich ab 8.000 schon schalten und walten lässt. Aber es ist eine Wollust, sie in offenem Terrain in allen Gängen um ihre blau erstrahlenden LED-Leuchten zu bitten, die als eine Art Strahlenkranz um die Tacho-Einheit herum nacheinander aufleuchten, je näher du ihrem dringenden Wunsch, final bei 13.000 Umdrehungen in den nächst höheren Gang zu schalten, nachkommst. Sehr dezent, dieser Schaltblitz, nicht anbiedernd, nur im Modus „Do you remember…?“

Kurzer Hub, große Bohrung, high Performance

Endlich diesem unerhörten Sounderlebnis völlig verfallen willst du dich immer und immer wieder dem so betörenden Ansaug-Fauchen hingeben, das der Triple unter dir als wahres Klang-Orchester wie beim Aufmarsch des Gefangenenchores aufzieht, der um Freiheit und Gerechtigkeit lautstark ins Gefecht zieht. Denn nur von hier aus, als Rider der Daytona 675, setzt du dich dem spezifischen Klangvolumen des Dreizylinders Eins zu Eins aus, der unter dir werkt, aufbrausend nach dem knackeharten Einsatz der Gashand fordert, den du niemals zornig oder gar jammernd wie beim Four, aber immer ernsthaft und sonor bei der Sache erleben wirst. Stehst du nur dahinter, hörst du kaum was. Zu wenig Volumen, zu wenig Bass dringt aus dem Endtopf. Zwangs-Arbeit, um sklavisch Gesetze zu erfüllen. What a pity! Da werden dem Sound-Engineering von allen Seiten Daumen- und Ohrenschrauben angelegt. In der Airbox wie auch im Auspuff elektronisch gesteuerte Klappen sorgen für optimale Motorleistung auch bei niedrigen Drehzahlen, wie wir sie für den Stop-and-Go-Modus im Stadtverkehr benötigen. Doch nicht Cannes noch Nizza können locken, all die Col d’Irgendwas und Canyons sind’s, die uns zum Zocken durchs Winkelwerk animieren.

Triumph Daytona 675 03

Meisterlich unauffällig arbeitet da der an der unteren Gabelbrücke montierte Lenkungsdämpfer, wenngleich die Engländerin trotz voll einstellbaren Fahrwerks bei den ganz üblen Schlaglöchern des südfranzösischen Asphalts auch austeilen kann. Leichte Lastwechselreaktionen stören manchmal das flüssige Kurvenfahren rauf nach Castellane, die aber wohl nur Ausdruck leidiger Abgasbestimmungen sind. Deshalb führen wir die Daytona 675 auch an ihrem letzen Testtag auf die Rennstrecke um fernab von jeglichen Gesetzeshütern das so filigran geformte Chassis noch mal eindeutig unter Druck zu setzen, die volle Power der 123 PS zu spüren und ob die radial angeordnete Bremseinheit dementsprechende Verzögerungswerte dem leistungsbereiten Triple entgegen setzen kann. Denn dort relativiert sich auch die mit 83 cm bei 1,61m Körperlänge nicht immer einfach zu handhabende Sitzhöhe. Die Triumph in British Racing RED hat sich jetzt nur noch im reinen Rennbetrieb zu bewähren. Also mit angelegten Flügeln in total versammelter, easy erreichbarer Sitzposition den lang gezogenen Hatzenbach-Bogen auskosten, Vollgas bis zum Bremspunkt, der sich bei glasklarer Verzögerung auch schon mal vertrauensvoll immer weiter nach vorn verschieben lässt und weit entfernt von jeglicher Sturheit bietet die Triumph souveränes Einlenken ihrem ambitionierten Reiter an. Also gibt’s nur eine Formel für den Fahrbetrieb zu beachten: Take Three und fühl dich free!

Weitere Testberichte Triumph Supersportler

Triumph Sprint RS

Triumph Daytona 675 2009

Triumph Daytona 600

Triumph TT 600

Ähnliche Testberichte Supersportler

Ducati 848

Suzuki GSX-R 750

Yamaha YZF R6

Text & Fotos: Sabine Welte