BMW HP2 Enduro

BMW HP2 Enduro


High Performance

Lang sind die Zeiten vorbei, in denen BMW Gelände-Sport Motorräder Rallyes wie die Paris-Dakar beherrschten. Fahrer wie Gaston Rahier und Hubert Auriol die die Konkurrenz in Resignation zurück ließen, tragen nicht mehr den blau-weißen Propeller auf dem Wüstenanzug. Die legendären Paris-Dakar GS-Replikas sind rar geworden im Straßenbild. BMW hat sich seit Ewigkeiten schon zur Ruhe gesetzt, was den Geländesport angeht. Dachten wir!

Die neue Modellflut aus München ist schon fast beängstigend. Nach R 1200 GS, K 1200 S, R 1200 RT, R 1200 ST und K 1200 R, die im Juni bei den Händlern eintreffen soll, kündigt BMW nun schon für den Herbst 2005 die weltweite Auslieferung eines ganz neuen Eisens an. "HP2" wird es heißen. HP steht für High Performance und die 2 signalisiert die Zylinderzahl des Boxermotors. Eine ganz klare Ansage also: Sie wird nichts sein für Leute, die auf Bequemlichkeit und Komfort großen Wert legen. Eher wird sie denjenigen gefallen, die beherzt am Gas reißen, Hügel im Sprung nehmen, lange gerade Strecken, egal ob Schotter oder Asphalt, generell im Vollgasmodus zurücklegen und sich total ärgern, wenn sie nicht als erster am Etappenziel ankommen. Ein Eisen, konsequent leicht, stark und widerstandsfähig!

Kompromissloses Lastenheft

Die HP 2 baut technisch auf der R 1200 GS auf. Bis auf den Motor und das Bordnetz wurden nahezu alle Komponenten jedoch neu entwickelt oder zumindest weitgehend modifiziert. Gewichtsersparnis sowie die perfekte und kompromisslose Auslegung auf die Erfordernisse des Offroad-Fahres standen für die Entwickler ganz vorne im Lastenheft. Zur extrem aufwändigen Erprobungsphase in besonders heißen und kalten Regionen der Erde gehörte auch eine Teilnahem an der "Baja California", einem anerkannt schweren Wüstenrennen.

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Technische Leckerbissen

Der Zweizylinder-Boxer aus der R 1200 GS wurde durch leichte Änderungen an der Motorsteuerung in der Leistung auf 105 PS angehoben. Das maximale Drehmoment bleibt allerdings mit 115 Nm, bei 5.500 U/min, konstant. Mit Blick auf den Haupteinsatzzweck im Gelände wurde aus Gewichtsgründen auf die Ausgleichswelle verzichtet. Der Ansaugschnorchel trägt einen Abweiser und ist somit gegen den Eintritt von Spritzwasser geschützt. Bei Autobahnetappen kann dieser Schutz entfernt werden, um Atemnot zu vermeiden. Die Abgaskrümmer sind identisch mit denen der Serien-GS, dafür wurde ein 2 Kilo leichterer und kürzerer Endschalldämpfer verbaut. Koffer ade! Beim Sechganggetriebe passten die Techniker die Lager der Zwischenwelle den höheren Belastungen an. Die Gangübersetzungsstufen und die sonstige Konstruktion entsprechen der "normalen" 1200 GS. Völlig neu für den harten Geländeeinsatz mussten Paralever und Kardanwelle konzipiert werden. Sie sind 30 mm länger und mit einem härteren Gummidämpfer ausgestattet.

Gute Rahmenbedingungen

Das Rahmenlayout basiert auf den Erkenntnissen aus den Rennmotorrädern R 900 R, die von 1999 bis 2001 werksseitig bei der Rallye Dakar und anderen internationalen Wüstenrennen zum Einsatz kamen. Es handelt sich bei der Konstruktion um einen Gitterrohrrahmen aus Stahl, der eine optimale, homogen verteilte Steifigkeit verspricht. Das Fahrwerk der HP2 ist eine komplette Neueuntwicklung, die mit einigen Features überrascht. Weder Duo- noch Telelever geben sich an der Front mit den Bodenwellen ab. BMW verbaut eine Upside-Down Gabel mit 270 mm Federweg und 45er Standrohren. Zug und Druckstufe sind getrennt einstellbar. Zusätzlich verfügt die Gabel über ein hydraulisches System, welches Durchschlagen verhindern soll, ohne sich auf die Druckstufendämpfung auszuwirken.

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Ganz neue Wege geht BMW bei der Hinterradfederung. Die HP2 arbeitet hier mit einem Luft-Feder-Dämpfersystem. Und zwar ausschließlich! Dieses System ist mit 2,3 Kilogramm rund 2 Kilo leichter als normale Öldruckdämpfer, wobei Grundaufbau und Arbeitsweise grundsätzlich ähnlich sind. Statt Hydraulikflüssigkeit wird jedoch Luft verdrängt und durch Plattenventile in eine zweite Kammer geleitet. Da Luft sich zusammendrücken lässt, kann die eingeschlossene Luft die Federung übernehmen und die übliche Stahlfeder ersetzen. Luft als Federelement hat außerdem den Vorteil einer "natürlichen" Progession und sehr hoher Durchschlagsicherheit. Nach außen ist das Federbein geschlossen und luftdicht. Leckageverluste können durch Nachfüllen von Luft über ein Ventil ausgeglichen werden. Die Fülldruckvatiation von außen erlaubt auch eine einfache Adaption an Belastung und die Veränderung der Sitzhöhe. Für das Aufpumpen unterwegs gibt's eine Hochdruckhandpumpe mit Manometer. Auch geeignet zum Aufpumpen der Reifen. Prima!

Gib Gummi

Vorn rollt die HP2 auf einem 21 Zöller durchs Gelände, der größtmögliche Bodenfreiheit gewährleistet. Hinten treibt ein 17 Zoll Rad die Fuhre übers Land. Speziell für die HP2 entwickelte Metzeler den "Karoo" Geländereifen für besonders harte Beanspruchung. Zudem gibt's noch ein richtig grobes Stollengummi. Bei der Bremserei verabschiedet sich BMW von den Hochsicherheits-Anlagen und verbaut vorn ein Einscheiben semi-schwimmend gelagertes Verzögerungswerk der Dimension 305 mm. Hinten greift die Festsattel-Anlage aus der GS auf eine 265er Scheibe. Für den weicheren Druckpunkt mit besserer Dosierbarkeit auf losem Untergrund jedoch mit Gummi statt Stahlflexschlauch. ABS ist zur Markteinführung nicht vorgesehen.

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Stehen statt Sitzen

Bei der Gestaltung von Tank, Sitzbank und Bedienelementen standen die ergonomischen Anforderungen des Enduroeinsatzes, bei dem viel im Stehen gefahren wird, im Vordergrund. 13 Liter Kunststoff-Tank und Sitzbank bilden nahezu eine Linie. Duch einen Ausschnitt im Cover bleibt die Füllhöhe des Tanks von außen sichtbar. Wieso? Weil es keine Tankanzeige gibt. Die würde beim Geschwabbel im Gelände eh nicht vernünftig anzeigen. Eine Reservewarnlampe ist allerdings vorhanden. Die Sitzhöhe beträgt 92 cm.

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