BMW R1200GS Adventure 2014

BMW R1200GS Adventure 2014


Handliche Wuchtbrumme

Knapp ein Jahr hat es gedauert bis BMW auch die R1200GS Adventure komplett überarbeitet und natürlich auch mit dem Wasserboxer präsentiert. Geblieben ist die respekteinflößende Optik aufgrund der doch recht gewaltigen Ausmaße. Wer den Motorrad-Berg erst einmal erklommen hat, wird mehr als überrascht sein. Denn die große Adventure ist ein echter Feger!

Das mag zwar so manch einer nicht glauben. Ist aber so. Wer es nicht glaubt: halt mal fahren. Selbstverständlich hat man bei der ersten Begegnung so seine Bedenken, ging uns nicht anders. Die Sitzposition liegt aufgrund der im Vergleich zur R1200GS 20 mm mehr Federweg vorne und hinten bei stolzen 890 mm. Das wuchtige Spritfass mit 30 Litern Volumen tut ebenso wie die üppige Kunststoffbeplankung ein Übriges: da steht verdammt viel Motorrad auf 2 Rädern. Aber irgendwie schafft es BMW diesen Trumm auf der Waage zu verzaubern. Zwar sind die 260 Kilo schon ein ordentlicher Brocken, allerdings ist eine Honda Crosstourer ganze 15 Kilo schwerer. Die Tiger Explorer aus dem Hause Triumph ist gerade einmal 1000 Gramm leichter.

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Das hilft der Adventure zumindest im Stand nichts. Denn die Sitzhöhe ist und bleibt enorm. So mancher wünscht sich einen Tritt um die BMW zu entern. Wenn die Koffer noch dran sind, artet die Sache in eine Turnübung aus. Oben angekommen, hat man dann Mühe mit beiden Beinen einen sicheren Stand zu finden. Ein echter Fall für Langbeinige. Alle anderen müssen balancieren oder sich in Enthaltsamkeit üben. Eigentlich schade, denn die R1200GS Adventure hält für den Fahrer eine wahre Wohlfühloase bereit. Sehr entspannter Kniewinkel, kuschelige Sitzbank, breiter und sehr bequemer Lenker. Die Bedienung ist identisch mit der Standard-GS und damit auf hohem Niveau mit sehr ausgereiften Details. Die Adventure hat sogar noch ein paar mehr davon. Zum Beispiel ein kleines Fach auf dem Tank. Perfekt für das Handy oder die Kreditkarte für die Mautstation. Oder die Wartungsklappe auf der rechten Verkleidungsseite. Die Sitzbank ist höhenverstellbar. Bei Bedarf lässt sie sich noch höher positionieren und macht die Adventure endgültig zu Basketballers Liebling. Preislich geht es bei 15.900 Euro los. Dann sind ABS, Traktionskontrolle und 2 Fahrmodi schon drin. Alle weiteren Extras, auch die Koffer, sind aufpreispflichtig.

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Antrieb R1200GS Adventure

Natürlich hat sie den neuen Wasserboxer. Der leistet auch hier stramme 125 PS und die gleiche Anzahl an Newtonmeter. Läuft allerdings deutlich geschmeidiger als in der „normalen“ GS. Die Ingenieure haben die Schwungmasse deutlich erhöht. Der Boxer läuft deutlich runder und angenehmer. Und glänzt dennoch mit gewohnten Qualitäten. Schiebt bei niedrigen Drehzahlen schon sehr ordentlich an und drückt bei mittleren dann wie ein Stier wenn er das rote Tuch sieht. Kraft und Vorschub in allen Lagen, vor allem in denen die man auf der Landstraße braucht. Dazu brummt der Boxer bassig und vernehmlich aus der dicken Endtopf. Vorbei die Zeiten als BMWs wie getunte Staubsauger klangen. Insgesamt ist man sehr souverän unterwegs, hat man im Grunde deutlich mehr Leistung als man braucht. Einmal mehr trübt das Getriebe den positiven Eindruck. Die Bedienung ist grundsätzlich in Ordnung, die Geräuschkulisse insgesamt verschmerzbar – aber halt nicht souverän.

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Fahreindruck GS Adventure

Selten stimmen erster Eindruck und Fahrerlebnis so wenig überein wie im Fall der Adventure. Mag sie im Stand aufgrund der Höhe noch für die eine oder andere Unsicherheit sorgen, einmal in Bewegung zieht sie einen sofort in ihren Bann. Der Motor macht Druck in allen Lagen – und das Fahrwerk steht ihm in nichts nach. Es ist einfach unglaublich wie spielerisch sich die große GS bewegen lässt. Das Handling ist schlichtweg verblüffend und steht dem der 1200er GS ohne direkten Vergleich in nichts nach. Vorbei die Zeiten wo das Vorderrad irgendwo im Nirwana seine Bahnen zog. Auch die Adventure gibt ordentlich Feedback von der Front. Zusätzlich scheint der Anblick einer Kurve zu genügen sie in Schräglage zu bringen. Ob Wechselkurven, Kehren oder schnelle langgezogene Biegungen. Immer findet man mit der BMW das richtige Mittel.

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Zielgenau hält sie die gewählte Linie und hat gefühlt immer Reserven. Wahnsinn. Die nineT ist fast 40 Kilo leichter, sieht besser aus und mag für mehr Emotionen sorgen. Im Handling kann sie mit der Adventure allerdings nicht mithalten. Der Komfort ist wie erwartet auf sehr hohem Niveau. Der Fahrer thront über allem, sogar längste Etappen verlieren ihren Schrecken. Bevor der Hintern weh tut oder getankt werden muss, ist mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit erst einmal eine Blase zu leeren. Der Windschutz ist auf ähnlich hohem Niveau. Damit taugt die Adventure sowohl für die lange Anfahrt als auch für die Kurvenhatz.