Honda CBF 600 ABS

Honda CBF 600 ABS


Einstiegs-Drehorgel

Eigentlich fing alles damit an, dass Bausparen angeblich cooler ist, als Mopped fahren. Da kamen die Herren der Motorradindustrie mächtig ins Schwitzen, als sie plötzlich erkannten, dass sie den Anschluss bei den Kids verpasst haben, die heute lieber Tuningchips aus Kanada in ihre X-Box löten, als italienische Endtöpfe an ihre Moppeds zu schrauben.

Denn ohne Nachwuchsfahrer ist der Absatzmarkt zum stetigen Schrumpfen verdammt. Darum macht wollen sich die großen Motorrad-Hersteller, organisiert im Industrie Verband Motorrad, in diesem Sommer zusammen mit der Kultstatuts genießenden Titus Communication auf den Musikfestivals sehen und promoten lassen - doch ein Motorrad ist nun mal kein Skateboard.

Einführhilfe

Deswegen erschufen pfiffige Marketingstrategen der Zweiradindustrie das Einsteigerbike. Bodenständig soll es sein, preislich erschwinglich und sich ganz auf den Neuling einstellen. Und ganz nebenbei soll es auch noch die gerade etablierte Gruppe der sogenannten Wiedereinsteiger ansprechen, jene die sich damals den Bausparvertrag unter den Weihnachtsbaum wünschten, der sich heute längst ausgezahlt hat. Aber ohne bei den Doppelhaushälftennachbarn anzuecken. Nicht zu laut, nicht protzig und nicht ausnehmend sportlich. Alles in allem „rund“ bitte - die perfekte Einführhilfe eben.

Zum Wohlfühlen

Da ließ Honda sich nicht lange bitten und greift den deutschen Markt mit dem bewährten Motor der in Europa so beliebten Hornet 600 im Vierkantstahlrahmen einer CBF 600 an. Weichgespültes Design zwar, aber hübsch anzusehen und sauber verarbeitet. Eben keine Ecken und Kanten, ganz wie der Neueinsteiger es mag. Schon beim ersten Platz nehmen zeigt sich die Fahrschultauglichkeit und Anpassungsfähigkeit der CBF. Von 1,57 m bis 1,90 m kann sich jeder Fahrer auf dem 200 Kilo-Bike wohl fühlen. Sowohl Lenker als auch Sitzbankhöhe sind mit überschaubaren Handgriffen und dem Bordwerkzeug zwei- bzw. dreistufig einstellbar. Das passt, und die straff gepolsterte Sitzbank lässt auch mehrere hundert Kilometer Autobahnetappe schmerzfrei überstehen. Gefordert ist da schon eher die Armmuskulatur. Wenn die 78 PS die CBF häufiger auf über 200 km/h laut Tacho treiben sollen, empfiehlt sich die Investition von 300 Euro in die verkleidete Version. Reisefreudige erhalten im Zubehör auch Gepäckträger und Top Case. Bei nur 180 Kilogramm Zuladung sollten Reisegepäck und die Sozia allerdings genau abgewogen werden.

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Ist das Nötigste aufgeladen kann die Reise per Knopfdruck losgehen. Aus Kostengründen wich die Einspritzanlage der Hornet einer Vergaserbatterie, an welcher sich auch der Choke befindet. Der Kaltstart klappte bei unserer Testmaschine nicht immer sofort, aber schnurrt die CBF erst einmal, dreht sie mit angenehmen verhaltenem Sound sauber von unten heraus, auch aus niedrigen Drehzahlen. Die Gänge rasten fühlbar ein, für verlässliche Power bei Überholmanövern, besonders zu zweit, muss der Motor aber ordentlich gedreht und geschaltet werden.Denn Giftigkeit oder Aggressivität liegen der CBF auch im schubstarken Bereich ab 6.000 U/Min. fern. Sanftmütigkeit ist ihre Stärke. Und außerdem Sprit sparend. Bei Drehzahlorgien steigt der Verbrauch sonst schnell über 7 Liter, bei unserem Test jagten wir durchschnittlich 5,7 Liter auf Kilometer durch den Vierzylinder. Allerdings mit einem beruhigten Umweltgewissen, der U-Kat mit dem Sekundärluftsystem erfüllt die Euro-2-Norm.

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Neben Kat soll der Wiedereinsteiger, wie er es vom Auto gewohnt ist, bei der Honda auch nicht auf das ABS verzichten müssen. 600 Euro Aufpreis kostet die Gewissheit auch bei wildem „Hineinlangen“ in die Bremse sicher zum Stehen zu kommen. Schließlich soll das schöne neue Hobby Motorradfahren einfach sein. Nach einem Sturz mit den Skates steht man schnell wieder auf, ein Sturz mit dem Motorrad wirkt eher abschreckend. So verhindert das ABS zuverlässig das Blockieren der Räder und macht sich nur durch geringe Vibrationen in der Bremse bemerkbar. Serienmäßig stoppt eine Doppelscheibenbremse vorn und eine einfache Scheibenbremse hinten, beide mit Festsätteln, die Michelin-Reifen. Das hinten nur ein 160er-Pneu montiert ist, schont den Geldbeutel.

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