Honda CBF 600 S

Honda CBF 600 S


Dein Freund und Du

Mach Dein Jodel-Abitur. Ganz easy. Mit der neuen Honda CBF600. Da hast Du endlich was Eigenes! Typenkürzel können einen ganz schnell zu Wortschöpfungen hinreißen. Hinter der Honda CB 600 steht noch ein F – wie Freund. Das will die Kleine im neuen Modelljahr 2008 sein: Jeder Menschens Freund. Freundschaften pflegen, darum geht es doch. Will ein Motorrad Dein Kumpel sein, muss es sich Dir unkompliziert zuwenden.

Die Japaner geben die Prämisse für die neue Konzeption nach der Erstlings-Version aus 2004 nun auf Basis der Maschine aus der CBR600RR und der kleinen Hornet vor: „easy“! So soll sie sich anfühlen, anfassen lassen, bewegen lassen. Und ist das Ziel, also die Käufergruppe erst klar erkannt, dann lässt es sich auch munter und easy drauf los konstruieren.

Mädels aufs Krad

Die Vorgaben für das japanische Entwicklerteam lassen sich bündeln in weniger Gewicht bei höherer Handlichkeit und eine Reihe von anpassungsfähigen Parametern, was die Statur des Fahrers als auch dessen eigene Fahr-Fertigkeiten angeht. Sozusagen also ein Motorrad für die meisten von vielen Zwecken und für viele Arten von Motorradfahrern. Vor allem, Fahrerinnen. Denn die nehmen eine immer größere Gruppe in diesem Freizeitvergnügen ein. Auch noch die Mädels auf dieses Krad zu bringen wegen all jener in Aussicht gestellten Annehmlichkeiten, verbunden mit den daraus resultierenden Pölsterchen fürs Selbstvertrauen, das wäre dann der ganz große Clou im Kreise der nipponesischen Ingenieurskünstler. Hehre Ziele - ob die Japaner sich ins eigene Schwert stürzen würden, sollten sie diesen nicht gerecht werden können? Rückgrat sollte die Kleine bekommen, dabei nicht unbedingt zum Leistungstier mutieren wie der große Bruder CB 1000R, der Männer-Domäne in der CB-Familie. Was lag also näher, als den bewährten Mono-Backbone-Aluminium-Rahmen aus der quirligen Hornetten zu nehmen? Bekannte Baugruppen im Austausch zwischen den verschiedenen Typen sind ein probates Mittel, auch noch den Kostenrahmen nicht aus den Augen zu verlieren. Wird das Gewicht bereits am Rahmen reduziert, die Steifheit dagegen erhöht, wirkt sich das gleich positiv auf elastischeres Handling aus. Der Heckrahmen bekam bei dieser Methode gleich auch ein rigideres Moment zum Koffertragen und Sozius-Mitführen. Dem daraus veränderten Fahrverhalten kann eine 7-fach einstellbare Federvorspannung am Heck gleichwohl Rechnung tragen. Die eher bieder ausschauende Kastenschwinge, verlängert um 46 mm für stabilen Geradeauslauf, wird „auf der schönen Seite“ verdeckt mit einem schlanken und edel oval geformten Emissionsrohr am Ende der ranken, vierfachen Krümmer-Batallion.

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Freund und Jubelschar

Selbst die Front stellt sich mir nichts dir nichts auf burschikoses Fahrverhalten oder ein zarthändig geführtes Fahrmodul ein: In der Federvorspannung einstellbar präsentiert sich die Vorderradgabel. Die Verkleidungsscheibe kann in zwei Positionen arretiert werden und, variabel ist vor allem die Sitzhöhe. Denn nicht erst seit Protagoras wissen wir um den Mensch als Maß aller Dinge. Mit vier Schrauben nur und einem flinken Auseinandernehmen der Sitzpolster-Mimik kann der kleine Japaner direkt am Straßengraben dem innigen Wunsch nach mehr Bodennähe für den gemeinen Frauenstiefel ebenso nachkommen als auch dem der langen Jungs, die um ihre Erhöhung auf der Delphin-Grauen Japanischen bitten. Drei verschiedene Höhen bietet das kleine Geschraube mit dem flotten Handbesteck - aber Obacht! - nicht dem Bordwerkzeug an. Okay, das ist jetzt nicht in einer Minute passiert, wird aber den treuen CBF600-Besitzer auch nur einmal wirklich bewegen so wie die Sitz-Justage beim Jeden-Tag-PKW. Sobald also nun dieser Anpassungs-Vorgang geschmeidig bewältigt ist, können wir uns in Spaniens Bergen an diesem ersten Dezember-Wochenende ganz auf die eigentliche Performance der 600er Maschine und ihrer nächsten Umgebung konzentrieren. Wir erhielten die CBF in der Version mit eleganter Halbschalenverkleidung, fein die Blinker in die Wangen integriert, mit schimmerndem Grau-Silber-Lack namens „Dolphin-Grey-Metallic“ zurückhaltend gefärbt. Das neue „Combined ABS“ mit den Dreikolben-Bremszangen stand uns samt der erleichterten, schwimmend gelagerten Bremsscheibe ebenso zur Verfügung, wie uns eine kürzere Getriebeübersetzung bessere Beschleunigung und Durchzugskraft versprach. Ganz sanfte Vierzylinder-Vibrationen umspielten bei 6.000 U/min gewohnt Finger- und Fußspitzen, an Motorkraft fehlte uns bei 78 PS und 10.500 U/min reineweg nichts beim elastischen Durchbeschleunigen aus jeder Kurve heraus, sanftmütig drehte der gefällig agierende Motor mit seinen 59 Nm Drehmoment bei 8.250 Rotationen aus jeder Lage der sechs Gänge heraus.

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Potent genug für Landstraßen im gediegenen Bergauf- Bergabschwingen, spritzig genug im Ampelstart-Procedere spanischer Straßen-Arenen. Die eisigen Spitzkehren in den kühlen Schattenlagen des Gebirges bei Tarragona passierten wir in den frühen Morgenstunden mit geschmeidiger Bravour, da gab sich die Brave keinerlei Blößen.Gerne hätten wir da die im Zubehör angebotenen, heizbaren Lenkergriffe gleich mitgetestet, doch wer ahnt schon, dass es auch in Spanien eisige Ecken gibt, wo uns tagsüber sanfte 15 Gräder und laue Lüfte umspielen? Mit groben Fahrtwinden müssen wir eh nicht kämpfen, schützen die aerodynamisch geformte Seitenverkleidung und die Halbschalen-Scheibe uns vor allzu großen Verwirbelungen. Wünschenswert wäre eine Ganganzeige im ansonsten informativen Cockpit mit den Anzeigen für Wegfahrsperre (neu!), ABS, Kraftstoffeinspritzung und Tankanzeige. Der Spritverbrauch scheint sich eh förmlich in Grenzen zu halten, bei dem 20 Liter großen Tank sollten sich Reichweiten ergeben, dass die Stopps sich nach anderen Termini berechnen werden als denen des Spritfassens.

Du und Ich

Dennoch, und hier setzen die Bewertungspunkte nach eigenem Erleben an, kann die Allround-Maschine ihr doch noch relativ hohes Körpergewicht nicht in allen Lebenslagen verleugnen. Ein Leergewicht von 223 kg bei der ABS-Version, im vollen Ornat dann mit Sprit um die 237 kg aufweisend, bleibt der eher kurzbeinigen Person mit um die 50 kg Lebendgewicht nicht wirklich verborgen. Spürbar wird der doch ansehnliche Vorbau in engen Sektionen, mehr aber noch die ganze Lebend-Masse beim Rangieren am Wegesrand. Da sollte gleich möglichst ein Landepunkt beim Anfahren gefunden werden, nicht erst im Stand korrigiert werden müssen. Sicherlich, für die baumlangen Kerle kein Ding, dennoch für die zumeist schmaler gebaute und bewusst anvisierte Frauengruppe immerhin noch ein spürbarer Aspekt. Da wäre eine Gewichts- und Rangierprobe mit der ganz nackigen Version zum Vergleich schon ein interessanter Messpunkt geworden. Auch im Fahrverhalten hatten zunächst einige der Probanden ihre Anpassungszeiten im Kurvenfahren zu bewältigen. Okay, rollt die ansonsten mit so viel Sorgfalt liebevoll entwickelte Maschine erstmal, wächst der Fahrspaß nach jeder weiteren Kurve auf diesen herrlichen Strecken Spaniens, umspannt uns die fast frühlingshafte Atmosphäre, lässt uns beschwingt durch die mediterrane Landschaft gleiten.

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