Honda Crossrunner

Honda Crossrunner


Ja wo läuft er denn?

Honda steckt große Hoffnung in die Crossrunner. Die versucht es dann auch jedem Recht zu machen. Bequeme Sitzposition wie auf einer Reiseenduro gepaart mit Straßenbereifung und nicht ganz so hoher Sitzposition. Dazu der altbekannte V4 aus der VFR800 und fertig ist der Alleskönner. Zumindest auf den ersten Blick. Ob die Crossrunner ihre Versprechen auch beim zweiten Blick hält?

Eindruck Honda Crossrunner

Es ist ja so eine Sache mit dem jedermann-rechtmachen-wollen. Versuche in diese Richtung gab es da ja schon einige. Man denke nur an die Diskussionen Anfang der 90er über die TDM von Yamaha. Mischung aus Enduro und Straßenmotorrad hieß es damals. Heute ist die TDM völlig unspektakulär immer noch Bestandteil des Modellprogramms und einfach ein bequemer Sporttourer. Ich denke so sollte man es auch mit der Crossrunner halten. Die Optik ist sicher gewöhnungsbedürftig, je länger ich mit der Honda unterwegs war, desto besser hat sie mir gefallen. Ein eigenständiger Look ist auch was wert – Verwechslungsgefahr mit anderen Mopeds besteht in keinem Fall. Grundsätzlich verwöhnt die Crossrunner mit hondatypischer Qualität, allerdings lässt sich an der einen oder anderen Stelle der Sparzwang nicht verleugnen. Die Instrumente teilt sie sich mit der Hornet und der CBR600F und damit auch die viel zu kleine Skalierung des Drehzahlmessers.

Honda Crossrunner 03

Der in Kunststoff gehüllte Lenker sieht aus wie von einem Maxiscooter geklaut und der freie Blick auf die Steckkontakte der Scheinwerfer ist auch nicht erbauend. Ein echter Griff daneben ist die fehlende Möglichkeit eine Navi zu montieren – der Kunststoffhülle um den Lenker sei Dank. Aber das war es dann auch schon mit der Meckerei. Der Fahrer findet einen gelungenen Arbeitsplatz vor. Die Sitzbank ist breit und recht straff gepolstert, was auf längerer Strecke kein Schaden ist. Zusammen mit dem hohen Lenker ergibt sich eine sehr entspannte Sitzposition. Schalter und Bedienung funktionieren nahezu perfekt, die Sicht nach hinten passt auch. Der Sozius findet ebenfalls ein lauschiges Plätzchen. Der Kniewinkel ist erträglich, die breite Sitzbank bietet genügend Raum für den Allerwertesten. Vor der Fahrt muss der Fahrer allerdings eine Entscheidung treffen: Beifahrer oder Gepäck? Das eine schließt nämlich das andere nahezu aus. Insgesamt 10.790 Euro verlangt Honda für die Crossrunner. Kein wirkliches Sonderangebot, im Vergleich zur Konkurrenz wie die F 800 GS oder auch die Tiger 800 aber angemessen. Zumal das Combined ABS serienmäßig ist.

Motor Crossrunner

Wie eingangs schon erwähnt ein alter Bekannter. Der V4 aus der VFR ist ein beliebter Geselle. Lediglich das zickige VTEC sorgte für etwas Unmut. Doch diesem Thema widmete Honda sich in der Überarbeitung. Der 782 Kubik große V4 leistet 102 PS bei 10.000 Umdrehungen und bringt es auf 74 NM Drehmoment bei 9.250 Umdrehungen. Um den Drehmomentverlauf zu optimieren, läuft der Motor bis ca. 6.500 Umdrehungen als 2-Ventiler, ab dieser Drehzahl wird auf 4-Ventilbetrieb umgeschaltet. Genau dieser Übergang lief bei der VFR recht ruppig ab, bei der Crossrunner geschieht dies deutlich harmonischer. So richtig vorwärts geht es denn auch erst ab diesem Zeitpunkt, sowohl in der Beschleunigung als auch in Sachen Sound. Darunter läuft die Honda kultiviert und ohne Mucken, aber leider etwas verhalten. Zwischen 4.000 und 5.000 Umdrehungen müssen für den zügigen Trab schon anliegen, ab 6.500 geht dann der Sprint los. Tatsächlich ist die Überarbeitung des V4 gelungen. Die Kraftentfaltung passt, das VTEC wurde deutlich entzickt. Der V4-Sound ist eine willkommene Abwechslung im 4-Zylinder-Klangeinerlei. Also eigentlich alles gut. Wenn da nicht der Wunsch nach mehr Punch im unteren Drehzahlbereich wäre. Liebe Honda-Ingenieure, einmal mehr:  warum nicht ein 1.000er-V4? Die Leistung kann bleiben wie sie ist, aber das mehr an Hubraum käme sicherlich super!

Honda Crossrunner 12

Fahreindruck

Es allen Recht zu machen, ist nicht einfach. Bequem will die Crossrunner sein und dabei dennoch mit sportlichen Talenten glänzen. Dieses Spagat gelingt der Honda ausgesprochen gut. Bequem ist sie, vor allem auch auf langen Strecken. Auf der Autobahn lassen sich auch problemlos viele Kilometer abspulen. Der Windschutz der kleinen Verkleidung entlastet den Oberkörper besser als gedacht, damit ist auch dauerhaft Tempo jenseits der Richtgeschwindigkeit möglich. Aber erst auf der Landstraße spielt die Honda ihre Trümpfe aus. Obwohl mit 238 kg vollgetankt kein Leichtgewicht, begeistert die Crossrunner mit frappierendem Handling. Geradezu spielerisch begibt sie sich in Schräglage, schnelle Wechsel dieser gehen problemlos und blitzschnell von statten. Dabei wirkt sie nie unruhig oder gar nervös, sondern vermittelt dem Fahrer großes Vertrauen in ihr Können. Auch schnelle langgezogene Kurven bringen die Honda nicht aus der Ruhe.

Honda Crossrunner 19

Stets zieht sie gelassen ihre Linie durch und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Dabei ist das Fahrwerk weder bockhart noch eine Sänfte. Kurze Stöße werden zwar trocken an den Fahrer weitergereicht, welliges Geläuf verliert sich dafür erfolgreich in den Federelementen. Die Crossrunner funktioniert wirklich wunderbar. Bei Passfahrten über das Hahntenn- und Furkajoch war die Begeisterung entsprechend hoch. Die Leistung mehr als ausreichend und dazu dieses sagenhafte Handling. Für zügiges Vorankommen muss die Drehzahl halt etwas höher gehalten werden. Dafür geht’s zackig um die Ecken. Zügiger Fortbewegung stehen weder Bremsen noch Fußrasten im Weg. Die einen weil sie super funktionieren und die anderen weil sie ausreichend hoch montiert sind. Die Bremsen sind ein Gedicht: geringe Bedienkräfte, guter Druckpunkt und Mörderverzögerung. Jetzt noch Stahlflexleitungen dran und man ist nahe am Optimum.