Honda VT 1300 CX

Honda VT 1300 CX


Honda County Choppers

Ein großes RESPEKT an Honda! Die VT 1300 CX (im Ausland auch Fury genannt) sieht aus als käme sie direkt vom Customizer. Machten Chopper/Cruiser aus Japan bislang meistens auf Milwaukee-Kopie, bringt Honda mit der VT 1300 eine absolut eigenständige und wie ich finde geile Interpretation des Themas Chopper. Auf den Namen Fury kann ich ebenfalls gut verzichten, erinnert mich zu sehr an die Pferdeserie aus der Kindheit.

Eckdaten VT 1300 CX

Da steht sie nun, die VT 1300 CX. Der erste Eindruck auf Bildern bestätigt sich in Realität noch. Das soll eine Honda sein? Ja, ist es. Fast verschämt steht der Markenname auf dem verchromten Seitendeckel. Sehr flach und lang wirkt die VT. Der schlanke, langgezogene Tank geht in eine wahre Wespentaille über. Das Heck mit dem 200er Schlappen und dem fetten Fender sieht einfach nur klasse aus. Alles wirkt wie aus einem Guss. An der Front ziehen der längliche Scheinwerfer und der nach hinten geschwungene Lenker die VT 1300 optisch in die Länge, hinten setzt das bullige Heck Akzente. 

So filigran wie die Honda wirkt, bringt sie vollgetankt doch 309 kg auf die Waage. Bei einem Tankinhalt von 12,8 l kommt das Gewicht sicher nicht vom Sprit. Aus 1.312 ccm schöpft die VT 1300 gerade mal 58 PS. Das Drehmoment von 107 NM liegt bereits bei 2.250 U/Min. an. Die ganze Kraft wird dann per 5-Ganggetriebe weitergegeben. Vorne dreht sich ein Rad der Dimension 90/90-21, fast ist man geneigt Rädchen zu sagen. Hinten kommt es dann dick: Ein 200er Hinterreifen auf einer 18 Zollfelge. Angetrieben wird dieser Trumm per Kardan. Gebremst wird vorne mit einer 336-mm-Einscheibenbremse, hinten mit einer 296 mm Scheibe. Wie bei Honda üblich, ist auch die VT serienmäßig mit ABS ausgestattet. Bei einem Preis von 14.590 Euro kann man dies allerdings auch erwarten. Der hohe Preis dürfte auch das Hauptmanko der Honda sein. Eine Sportster Custom mit vergleichbaren Eckdaten ist 3.795 Euro günstiger. Eine Street Bob kostet immerhin noch knapp 1.300 Euro weniger.

Sitzprobe Honda VT 1300 CX

Man scheint mit dem Hintern fast auf der Straße zu sitzen. In Realität sind es dann doch 678 mm darüber. Gefühlt ist es viel weniger. Der Sitz ist bequem, aber kein Sofa. Zum breiten Lenker muss man sich leicht strecken, die Fußrasten sind weit vorne. Vor einem liegt der lange Tank wie ein klein geratener Torpedo. Der Tacho ist geschickt in den Schwung des Lenkers integriert. Honda-typisch sind alle Bedienelemente dort wo man sie erwartet und lassen sich perfekt nutzen. Lediglich das Zündschloss versteckt sich auf der linken Seite zwischen den Zylindern. Theoretisch gibt es auch Platz für einen Beifahrer, praktisch kann man diesen niemanden zumuten.

Honda VT1300CX 07

Abfahrt

Geile Optik, coole Sitzposition. Dennoch bin ich vor der Fahrt skeptisch. Die 58 PS aus 1300 Kubik scheinen mir zu wenig. Auch vom Sound verspreche ich mir nicht viel, war dieser doch in der Vergangenheit oft enttäuschend. So ein wenig habe ich bedenken dass die Performance nicht hält was die Optik verspricht. Schlüssel rein, Starter gedrückt und gegrinst. Soundmäßig ist die Honda vorne dabei. Trocken ballert der V2 sein Lied aus der schicken 2in2-Anlage. Gang rein, los geht es. Die Sitzposition ist wie schon gesagt leicht nach vorne gebeugt, die Füße weit vorne auf den Rasten. Einfach nur lässig. Ganz passend zur Optik des Bikes.

Honda VT1300CX 13

Der V2 hängt gut am Gas, jeder Dreh am Gasgriff wird direkt umgesetzt. Schnell schaltet man sich durch die 5 Gänge, den Rest erledigt das Drehmoment. Passt besser als gedacht, auch wenn es einen nicht vom Hocker haut. Man hat nicht das Gefühl untermotorisiert zu sein, für den Dragrace am Ampelstart gibt es aber auch Besseres. Mit Sicherheit liegt dies auch an der Getriebeabstimmung. Eine kürzere Übersetzung würde sicher für deutlich mehr Spritzigkeit sorgen. Die Bedienung der Schaltbox passt dann wieder gut. Zuverlässig und ohne Getöse lassen sich die Gänge wechseln. Dennoch leistet sich die Honda eine kleine Schwäche. Bei tiefsten Drehzahlen zeigt sie sich die VT 1300 allerdings etwas unwillig und tut dies mit kräftigem Schütteln kund. In kalten Zustand quittierte sie gar den Dienst und starb ab. Dies klingt dramatischer als es ist und man kann sich leicht darauf einstellen. 

Fahreindrücke Honda VT 1300 CX

Lässige Sitzposition, drehmomentstarker Motor und bollernder V2-Sound. Dieses Paket passt schon mal. Aber wie schlägt sich die VT 1300 auf längerer Fahrt über kurviges Geläuf? Vorneweg: genauso wie man es erwartet. Die Sitzposition passt auch auf längerer Fahrt, dann meldet aber der Hintern aufgrund des straff gepolsterten Sitzes langsam Pausenwunsch an. Bauartbedingt taugt die VT 1300 CX natürlich nicht zur sportlichen Kurvenhatz. Was allerdings nicht bedeutet das die Kurvenhatz mit ihr nicht Spaß macht. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt ohne dabei den Komfort ganz aus dem Auge zu verlieren. Wobei man bei 130 respektive 95 mm Federweg vorne und hinten keine Wunder erwarten darf. Durch die straffe Abstimmung fährt sich die VT gerade in Kurven für einen Chopper recht stabil. Lediglich der breite Hinterreifen bringt hier ab und an etwas Unruhe ins Fahrwerk. Meistens mahnen dann die extrem früh aufsetzenden Fußrasten zu gemäßigter Fahrweise.

Honda VT1300CX 05

Der Hinterreifen sorgt auch für einen kleinen Eingewöhnungseffekt: anfangs scheint die VT 1300 immer einen etwas weiteren Bogen fahren zu wollen als beabsichtigt. An diesen Effekt gewöhnt man sich allerdings schon nach kürzester Zeit. Im Gegensatz zu der meisten Konkurrenz verträgt die VT auch Landstraßen 2. und 3. Ordnung recht gut. Wo andere schnell an ihre Grenzen stoßen und durchschlagen, hält die VT einigermaßen die Spur und schlägt nicht durch. Dabei läuft der Motor seidenweich. Vibrationen: Fehlanzeige. Das Getriebe schaltet sich butterweich, die Gänge flutschen geradezu rein. Schnell hat man sich mit der VT 1300 arrangiert. Vor der Kurve vom Gas, der Motor übernimmt freundlicherweise die Verzögerung.  Kurve anpeilen und mit leichten Zug durch, am Scheitelpunkt Gas geben. Der große Gang kann ruhig drinbleiben. Das anliegende Drehmoment zieht die Fuhre locker aus der Kurve, der satte Sound unter Last den Fahrer in seinen Bann. Die Bremsen bieten ausreichende Verzögerungswerte, das ABS funktioniert unauffällig. Für befriedigende Bremsleistung gilt es ohnehin Hand- und Fußbremse kräftig zu betätigen.