Kawasaki ER-6n 2012

Kawasaki ER-6n 2012


Die wilde ER-na

Kawasaki hat seinen Dauerbrenner ER-6n für das Modelljahr kräftig überarbeitet. Damit geht bereits die 3. Auflage in das Rennen um die Gunst der Käufer. Auch bei der 2012er ER-6n widersteht Kawasaki dem Trend des ständigen Aufrüstens und lässt es bei den gleichen Leistungsdaten wie bisher. Stattdessen widmet man sich der Optimierung von Leistungsentfaltung und Fahrwerk. Sehr löblich. Mal schauen ob es was gebracht hat.

Bereits auf den ersten Blick ist das neue Modell als ER-6n erkennbar. Verwechslungsgefahr mit dem Vorgängermodell besteht dennoch nicht. Prägende Stilelemente wie das seitlich offen liegende Federbeine und der unter dem Motor angesiedelte Auspuff bleiben erhalten. Der Tank macht quasi einen Buckel, Scheinwerfer und Cockpiteinheit sind tief montiert. Dies verleiht der Kawa ein geducktes Äußeres. Die Instrumente sind im Vergleich zur Vorgängerin übersichtlicher und besser ablesbar geworden. Analoger Drehzahlmesser in Kombination mit digitaler Anzeige haben sich am Markt bewährt. Alles ist auf den ersten Blick gut erkennbar. Nicht ganz so gut sieht man den Verkehr durch die Rückspiegel. Der allseits unbeliebte Blick auf die eigenen Oberarme ist auch hier zu finden. Ansonsten findet der Fahrer ein feines Plätzchen vor. Der Kniewinkel ist sportlich, der Oberkörper leicht nach vorne gebeugt. Man sitzt gut in die Maschine integriert, größere Mitmenschen finden die Platzverhältnisse eventuell etwas knapp. Die schmale Taille der ER-6n erleichtert hingegen kleineren Personen den Kontakt zum Boden. Die Sitzbank ist gut geschnitten, die Polsterung taugt auch für längeren Einsatz ohne durchzusitzen. Insgesamt ein ordentliches Stück Motorrad für gerade einmal 6.995 Euro. Sehr erfreulich das die ER-6n in Deutschland serienmäßig mit ABS ausgeliefert wird.

Motor ER-6n

Auf dem Papier alles beim alten: Reihenzweizylinder, 649 Kubik, 72 PS bei 8.500 und 64 NM bei 7.000 Umdrehungen. Alles nahezu identisch mit dem Vorgängermodell. Die Überarbeitung fand im Mapping statt. Das Ziel: mehr Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich bei gleicher Spitzenleistung. Die Operation darf als gelungen bezeichnet werden. Der Patient ist sehr lebhaft. Schon die Vorgängermodelle wussten mit einem starken Antritt aus dem Drehzahlkeller zu gefallen. Das 2012er Modell kann dies nochmal besser. Es ist erstaunlich wie schaltfaul sich der kleine 650er bewegen lässt. Im normalen Fahrbetrieb ist man oft ein Gang höher unterwegs als man glaubt. Wenn man mit 50 durch die Stadt rollt, ist in der Regel der vierte oder fünfte Gang drin. Spätestens ab 80 km/h schaltet man in den 6. Trotzdem ist man zügig unterwegs, der kleine Twin tritt immer kräftig an. Soviel zu zügig.

Kawasaki ER-6n 09

Die Post geht aber erst so richtig ab, wenn man den 650er mal jubeln lässt. Bis 6.000 geht es energisch, darüber richtig flott voran. Damit outet sich der Reihenzweier so ein wenig als Streber. Vereint er doch genügend Saft im unteren Bereich mit Drehfreude im oberen. Nicht einmal störende Vibrationen kann man dem Kerl vorwerfen. Dabei geht er auch noch jederzeit gutmütig ans Gas und verschont einen von lästigen Lastwechseln. Ein wenig knochig und hakelig schaltet sich das 6-Gang-Getriebe. Speziell beim runterschalten ist etwas Nachdruck gefragt. Aber irgendeine Kleinigkeit muss ja für die nächste Überarbeitung übrig bleiben.

Kawasaki ER-6n 16

Fahreindruck Kawasaki ER-6n

Die ER-6n war bis dato vor allem bei Anfängern sehr beliebt. Dies wird aller Wahrscheinlichkeit auch bei dem 2012er Modell so sein. Bequeme Sitzposition, einfaches Handling und potenter Motor ergeben das perfekte Einsteigermoped. Der Motor verzeiht so manchen Verschalter und verfällt nicht in Lethargie wenn mal ein zu hoher Gang eingelegt ist. Gleiches gilt für das Fahrwerk. Extrem gutmütig verschmerzt es Bremsmanöver in Schräglage ohne Aufstellmoment und setzt Lenkkorrekturen ohne Mucken um. Das schönste ist jedoch die Luft die die ER-6n nach oben lässt. Irgendwann wird aus dem Einsteiger mal ein Fortgeschrittener und auch dann macht die Kawa so ziemlich alles mit. Auf engem kurvigem Geläuf wird sich so mancher Big-Biker verwundert die Augen reiben. Hier braucht die ER-6 keinen Gegner zu fürchten.

Kawasaki ER-6n 04

Das stabile Fahrwerk in Verbindung mit superleichtem Handling lässt einen Linien auf die Hausstrecke brennen, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Wie ein Hase auf der Flucht schlägt die kleine Kawa Haken, fällt von einer extremen Schräglage in die nächste. Dabei verkraftet sie auch harte Bremsmanöver klaglos und liegt jederzeit stabil auf der Straße. Die Motorleistung ist auf solchen Strecken ohnehin mehr als ausreichend. Erst auf längeren Geraden holen stärkere Maschinen wieder auf. Aber nur um im nächsten Kurvengewürm wieder das Nachsehen zu haben. Soviel zum Thema Einsteigermotorrad. Auch für erfahrene Kurvenwetzer passt die Er-6 wie die Faust aufs Auge.

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