Motorradtour Dolomiten

Motorradtour Dolomiten


Faszinierende Bergwelt

Nach 11-stündiger Nachtfahrt mit dem Anhänger werden wir endlich belohnt: Das Grödnertal, von den Einheimischen Val Gardena genannt, präsentiert sich in strahlendem Sonnenschein. Die beiden 800er können es kaum erwarten, wieder Asphalt unter den Rädern zu spüren.

Wir checken im Hotel Wolkenstein ein, das für diese Woche unser Domizil sein wird. Wirt Peter kennt sich mit Motorradfahrern aus, obwohl er selbst eher dem Heli-Fliegen zugetan ist. Seit Jahren beherbergt er in den schmucken Räumen seines Hotels am Ortsrand von Wolkenstein zum Teil ganze Gruppen von Bikern, in den Monaten Juni und Juli sogar zum Sonderpreis incl. Halbpension. Und das ist gut so, denn während dieser Zeit machen viele der ortsansässigen Gastronomen selbst Urlaub, um sich vom Wintergeschäft zu erholen.

Nach ein paar Stunden Schlaf stehen wir am frühen Nachmittag wieder auf, um mit den schnell abgeladenen Bikes ein wenig die nähere Umgebung unsicher zu machen. Die ersten Fahrversuche auf südtiroler Straßen zeigen schon: Hier ist Vorsicht angeraten! Streusplittreste vom schneereichen Frühjahr zieren die Fahrbahn ebenso wie noch unreparierte Frostaufbrüche. Anspruchsvolles Terrain also. Beim abendlichen Apres-Biking erzählt Peter in akzentfreien Hochdeutsch (das übrigens fast alle Südtiroler sprechen) von seiner alljährlichen Bike-Week im August, zu der er im letzten Jahr fast 200 Motorradfahrer in seinem und den umliegenden Hotels untergebracht hatte.

  

Der nächste Morgen bringt Sonne. Also entschließen wir uns nach dem Frühstück die Moppeds zu starten und zunächst in Richtung Bozen zu fahren. In St.Ullrich links abgebogen, führt die Straße malerisch durch die Heimat der Kastelruther Spatzen. Selbst Volksmusikhasser müssen eingestehen: Schön ist´s hier. Vorbei an der Abbiegung zur Seiseralm, sie ist heute noch nicht im Programm. Grüne Hänge , nur selten unterbrochen von schroffen Felswänden mit Tunneldurchfahrten. Und Kurven! Rechts, links, rechts wiegen sich die Maschinen im Takt der sich talwärts  windenden Straße, bis wir schließlich das Tal der Eisack erreichen. Nach Erreichen der alten Brennerstraße biegen wir links ab auf  Tiers. Die Strasse nimmt immer mehr an Breite ab, bis sie schließlich in den Karerpaß übergeht. Wie üblich befindet sich auf der Paßhöhe ein Gasthaus, das zum Verweilen einlädt. Jause nennt sich die Eßpause im Alpenraum, folglich heißen diese Stätten gepflegter Gastlichkeit Jausenstationen. Früher rasteten hier Kutscher, um den Pferden vorm Passabstieg ein wenig Entspannung vom steilen Aufstieg zu gönnen. Heute findet man davor meist Motorräder, deren Treiber die Pause zwar nicht der Kondition wegen brauchen, die sich gleichwohl die Muße antun, die Schönheit der bizarren Bergwelt auf sich einwirken zu lassen.

  

Im Tal angekommen halten wir uns links, Richtung Canazei. Unser Weg führt vorbei am Rosengarten. Überall entlang des Wegs fällt einem der Name Laurin ins Auge. Der Sage nach soll besagter Laurin, nachdem sein Reich von einem fremden Herrscher erobert worden ist, seinen über alles geliebten Rosengarten in eine schroffe Steinwüste verhext haben, die nunmehr nur noch einmal am Tag für 1/2 Stunde in der Farbe der Rose erstrahlen sollte. Und tatsächlich: Im Licht der untergehenden Abendsonne steht das Felsmassiv  im schönsten Rot da, wenn man den allerorten verkauften Postkarten glauben darf. Wer´s also romantisch mag, sollte dieses Panorama vielleicht für eine Nachmittagstour einplanen. Aber Vorsicht: Mit Sonnenuntergang wird es auf den Pässen schnell ungemütlich kalt, und Spitzkehren im Dunkeln sind auch nicht jedermanns Sache. In Canazei angekommen halten wir uns links und erklimmen so das Sella-Joch. Unzählige Spitzkehren führen hinauf zur schneeumsäumten Gipfelhütte. Kein Wunder also, daß immer wieder Tauwasser-Bäche die Fahrbahn kreuzen. Zigarettenpause knapp unterhalb der Krone des Mächtigen Sella-Massivs. Die Anzahl der geparkten Bikes zeigt uns, daß wir uns in bester Gesellschaft befinden. Die Abfahrt in Richtung Grödnertal ist weicher als der Aufstieg auf der anderen Seite. Gegen 17°° erreichen wir unsere Bleibe, der Tageszähler zeigt 170 Kurven-Km. Genug für den Anfang! Ein abendlicher Besuch der hoteleigenen Sauna hilft, die müden Knochen wieder zu lockern.