Reisebericht "LE GARD"

Reisebericht "LE GARD"


Abseits der üblichen Pfade

Das Département Gard, westlich der Rhône gelegen, wird nach wie vor von den Tourismusströmen nur an seinen südlichen Gestaden berührt. Städte wie Nîmes mit dem berühmten Amphitheater, der Pont du Gard, Aigues-Mortes mit seinem verlandeten Kreuzfahrerhafen oder die Salzwassersümpfe der Camargue ziehen Jahr für 100 000ende in ihren Bann. Die Schönheiten seiner nördlichen Hälfte, mit den unberührten Wäldern und Bergketten der Cevennen, tief durchfurcht von Wildwassern in steilen Schluchten, wie der Cèze oder dem Herault sind nur wenigen bekannt.

Voyage Sentimental

Die Erkundung dieser Region, die ich schon vor 36 und zuletzt 19 Jahren durchquert hatte, war das Ziel einer herbstlichen Reise. Ein weiteres Novum - nach langer Abstinenz auf dem Motorrad würde ich die Tour als Sozia auf einer Kawasaki Versys erleben. Die Maschine wurde von Kawasaki für die Pressereise zur Verfügung gestellt und von Jochen Ehlers dem Inhaber von Endurofun Tours, unserem Organisator gefahren.

Als wir Mitte Oktober mit voll gepacktem Kombi, und Motorrädern auf dem Anhänger in einen grauen Morgen starten, reist die Sehnsucht nach herbstlicher Wärme mit uns. Passend zum, Schengen sei Dank, kaum wahrnehmbaren Grenzübertritt reißt der Himmel über Frankreich auf, die Autobahn ist längst nicht so befahren wie in Deutschland und wir kommen nach einigen Fahrerwechseln entspannt bis Pont-Saint-Esprit. Es ist Feierabend, wir fließen mit dem Berufsverkehr nach Westen, Stadtauswärts in die Cevennen.

Kreuzfahrer, Seide und Hotelgäste

Unser Ziel ist die “ Magnanerie de Bernas” ein Dreisternehotel hoch über dem Tal der Cèze. In den Ursprüngen  ein Gebäude aus der Zeit der Templer und Kreuzfahrer, mit wuchtigen Mauern und Gewölben, wurde es ab dem 19.Jh.zur Seidenraupenzucht und deren Verarbeitung genutzt. Jetzt ist es ein liebevoll restauriertes Kleinod, mit großen provenzalisch eingerichteten Zimmern, die teilweise mit Kamin, eigener Terrasse und immer mit traumhaftem Blick ausgestattet sind, sei es in den großen mediterranen Garten oder weit hinein in die Bergwelt. Es ist die “blaue Stunde”, als wir entspannt im Restaurant sitzen, auf die übrigen Teilnehmer warten und dabei einen leckeren Hauscocktail genießen.

Dieser erste Abend dient dem Kennen lernen innerhalb unserer kleinen Reisegruppe und der umfassenden Information über das Departement Gard. Die Pressereferentin Madame Lysianne Boissy D`Anglas vom Comité Départemental du Tourisme in Nîmes und ihre Kollegin  Laurence vom Office de Tourisme aus dem nahe gelegenen Goudargues übernehmen diesen Part mit Kompetenz und Herzlichkeit. Unser Hotel verwöhnt uns währenddessen mit einem exzellenten mehrgängigem Menü, dass auch optisch ein Hochgenuss ist.

Am nächsten Morgen starten wir zu unserer Rundreise. Der Inhalt der Packtaschen will genau überlegt sein, wird doch das eine oder andere unterwegs dazu verlocken, als Mitbringsel zur Erinnerung gekauft zu werden. Das übrige Gepäck kann bis zur Rückkehr ins Basishotel in einem separaten Raum verschlossen aufbewahrt werden und auch unser Pkw parkt sicher auf dem Hotelgelände.  

Für mich, als einzigen weiblichen Teilnehmer gibt es ein zusätzliches Privileg, Eric, der charmante und weltgewandte belgische Hotelier, bietet “Madame” an, ihr Zimmer zu behalten. Ich kann also Pumps und “kleines Schwarzes” im Schrank hängen lassen und freue mich natürlich sehr über dieses nette Angebot.

Wie überhaupt die Gespräche mit dem Pächter der “Maganerie” und seiner sympathischen Frau unsere abendliche Runde perfekt ergänzen. Er selbst ist ebenfalls begeisterter Motorradfahrer und hegt zudem eine, für mich nur allzu gut verständliche, Vorliebe für den guten alten R4.