Insel Mallorca

Insel Mallorca


Mit der V-Rod auf Malle

Sie ist das Motorrad im Programm von Harley-Davidson, das die Moderne des amerikanischen Traditionskonzerns repräsentiert. Sowohl locker zu cruisen als auch zügig mit ihr um die Ecken zu fliegen sind ihre Stärken.

Mrs. Robinson

Glück habe ich, dass es auf Mallorca in Cala Serena die Harley-Davidson-Robinson-Station gibt. Dort stehen vier verschiedene Modelle für alle Robinsons, sprich für die Gäste des gleichnamigen Clubs zur Verfügung. Ole Möhle leitet die Station, die nach seiner Idee aufgebaut wurde. Vor drei Jahren errichtete Ole seine erste Harley-Davidson-Robinson-Station auf Fuerteventura, nachdem er schon viele Jahre für den Robinson Club gearbeitet hatte. Harley-Davidson Deutschland war damals sofort von seiner Idee begeistert und stellte ihm einen adäquaten Fuhrpark auf die Insel. Das Konzept ging auf, Ole sah sich nach einem weiteren geeigneten Standort um und fand diesen auf Mallorca. Seit einem Jahr bietet er dort lohnenswerte Motorradtouren auf dem Rücken der amerikanischen Bikes an, und kümmert sich als Instruktor um Wiedereinsteiger, die er im Einzeltraining unterweist. Viele Gäste nutzen dieses einmalige Angebot, auf einer Harley nach langer Zweiradabstinenz wieder Selbstvertrauen zum sicheren Fahren zu bekommen. Sogar eine abschließende Motorradtour ist im exklusiven Fahrtraining inklusive. Für mich eine sehr gute Gelegenheit die V-Rod mehrere Tage intensiv, sowohl bei gemeinsamen Motorradtouren als auch auf eigene Faust, über die Insel zu scheuchen. In Deutschland hatte ich sie direkt im Erscheinungsjahr einen Tag lang gefahren, damals hinterließ die V-Rod einen guten Eindruck bei mir. Nun, auf Mallorca, wollte ich ihr mal so richtig auf den V2 fühlen.

Spagat

Um den Spagat zwischen Tradition und Moderne erfolgreich schaffen zu können, gab es für die Entwicklungsphase der V-Rod keinen besseren Partner als das innovative Team von Porsche. Der deutsche Sportwagenhersteller stand ja nach dem Erfolg des luftgekühlten Boxermotors selber vor dieser Gratwanderung. Die Geräusch- und Abgasvorschriften zwangen die Entwicklungsabteilung in Weissach dazu, auf wassergekühlte Motoren umzustellen. Harley-Davidson setzte auf die Erfahrung der Porsche Ingenieure, und traf damit ins Schwarze. Der Power-Cruiser war geboren. Ein bärenstarker V2-Motor mit dem Flair von Exklusivität. Hieß die vorangegangene Motorgeneration noch Evolution - die war übrigens auch schon mit der Unterstützung von Porsche zur Serienreife gebracht worden - wurde der flüssigkeitsgekühlte 60° V2 mit U-Kat auf den Namen Revolution getauft.

Nomen est omen

Eine Revolution ist die V-Rod verglichen mit allen anderen Modellen aus dem amerikanischen Motorradhaus allemal. Das 117 PS Triebwerk lädt zum Gasaufreißen ein, zum Glück sind auch die Bremsen revolutioniert worden. Wer hitzköpfig in knapp 11 Sekunden auf über 180 km/h beschleunigt, wird die bremsende Revolution schnell lieb gewinnen. Besonders auf den Mallorkinischen Aspahltbändern, die gern von Sand und Staub heimgesucht werden ein gutes Gefühl und beim Sturm auf die Ballermann-Promenade kann früh genug der Notanker gezogen werden, damit das fröhliche Angasen nicht gleich im Sangria gefüllten Schlauchbot endet.

Gebürstet und poliert

Sie macht eine sehr gute Figur, auch ohne speedige Performance. Stahl und Chrom zieren ja auch die anderen Baureihen von Harley-Davidson. Die V-Rod kommt dazu noch oberedel in viel gebürstetem und poliertem Aluminium daher. Da kann sie auf Schminke verzichten, pur and simple steht sie unter Mallorcas Sonne. Die Passanten, gleich welchen Alters, bleiben stehen und lassen sich von ihr zum Träumen verführen. Wer würde nicht gern mit solch einem Prachtexemplar von Motorrad über die vielen reizvollen Straßen der wunderschönen Insel ballern?

Kontrastprogramm

Da ich auf meinem Mallorca-Trip auch einige Tage eine Heritage Softail Classic fuhr, hatte ich den direkten Vergleich zwischen Tradition und Moderne. Mit beiden Bikes hatte ich sehr viel Spaß. Beide Bikes jagte ich Serpentinenstraßen rauf und runter, und Mallorca offeriert deren unzählige. Meine Sozia Edith war auch von beiden begeistert, aber eines Abends gab sie das treffende Statement ab: „Die V-Rod ist aufregender!“ Aufregender? Na klar! Weil die Revolution eben einen Zwitter gebar. Sind die nicht immer aufregender? Nicht mehr länger festgelegt auf eine Erfahrungssparte, hier das Cruisen, dort das Sportliche. Hat man sich erst an das etwas kippelige Kurvenverhalten gewöhnt – der schmale 120er 19-Zöller an der Front offenbart ein ganz anderes Einlenkpotential als der hintere 180er Schlappen – werden die Schräglagen immer tiefer. Da die Fußrastenanlage sehr weit vorne verschraubt ist, muss man auch nicht ständig in der Angst leben, sich gleich aus der Kurve zu hebeln. Auspuffanlage und Kühlerhutzen sind die ersten Leidtragenden dieser Performance.