Motorradland Kärnten

Kaffee und Kuchen in Kranjska Gora

Derart verwöhnt schwingen wir uns auf die Böcke, um eine kleine Stadtrundfahrt durch San Daniele zu unternehmen. In der historischen Altstadt mit ihren engen Gassen lockt vor allem die im 13. Jahrhundert erbaute Kirche San Antonio Abate, die Bibliotheca Guarneriana mit den Werken von Dante und das typisch italienisch vorgelebte Dolce Vita der Bewohner, die am frühen Nachmittag die Cafes bevölkern, oder einfach am Straßenrand sitzen und sich dem Espresso und Tabak Konsum hingeben.


Kaum haben wir den Schinken verdaut und uns wieder dem Kurvengenuss zugewandt, machen wir Bekanntschaft mit einem weiteren berühmten italienischen  Kulturgut: Den Carabinieri. Hinter einer schönen engen Haarnadelkurve lauern die beiden gestiefelten Kater mit ihrem Jeep und halten aus dem sicheren Gefühl ihres Gehörs heraus herannahende Fahrzeuge an. Natürlich sind wir dabei. Friedel muss als Leader der Gruppe das überzogene Possenspiel des komödiantisch veranlagten Gesetzeshüters über sich ergehen lassen, der mal mit Mütze auf, mal mit Mütze ab im Stechschritt hin und her stolzierend und lamentierend mal schweigend eine theaterreife Vorstellung liefert. Nur, um uns dann eine „Zeitstrafe“ von 10 Minuten aufzubrummen. Jetzt bloß nicht lachen, oder Fotos machen, denn sonst wird aus Spaß doch noch Ernst.


Über den Predil Pass erreichen wir nach weiteren herrlichen Streckenkilometern und extrem abwechslungsreichen Landschaften Slowenien, schwingen uns auf zum Vrisic Pass. Auf der Südseite des Passes erinnert die Russische Kirche an hunderte Kriegsgefangene, die den Bau der Passstraße im ersten Weltkrieg mit ihrem Leben bezahlten. Der mit seinen 50 Haarnadelkurven, teils auf Kopfsteinpflaster dem Fahrer höchste Konzentration abverlangende Hang macht nicht nur schon wieder Hunger, sondern stört auch ein wenig das Genießen der Aussicht. Besser, man hält zwischendurch mal an, um zurück zu blicken. Kurz vor Kranjska Gora kehren wir bei „Milka“ ein und stopfen uns ein Stück Giblica-Torte in die Figur. Schließlich sind es bis Tarvisio noch einige wenige Kilometer, die wir mit einem Abstecher zur Skiflugschanze in Planica staunend ausdehnen. Mann ist der Aufsprunghügel steil. Auch in Grün ein beeindruckender Anblick. Für kein Geld der Welt würde ich mich von dort oben in die Tiefe stürzen.


In Tarvisio wartet außer einer modern aufgehübschten Flohmarkthalle ein schmackhaftes Tiramisu auf die schon wieder ziemlich ausgelaugten Körper der Reisenden. Früher war der Markt in Tarvisio der Treffpunkt vieler fliegender Händler aus Italien und Slowenien, bei dem sich auch die Österreichischen Gastwirte und Privatpersonen günstig mit Spezialitäten und Bekleidung eindecken konnten. Heute gibt es dort mehr Lederjacken, Gürtel, Taschen, Portemonnaies und aufdringliche Verkäufer, als alle Österreicher jemals auf- und wir ertragen könnten.

Gailtaler Speck

Nach der doppelten Zweiländer-Kaffeepause führt uns der Weg zunächst Richtung Villach und dann durch das Gailtal nach Hermagor. Zwei opulente Stationen sollen uns auf diesem Weg noch bevor stehen. Langsam wird’s eng im Nierengurt, aber den kann man zur Not ja auch einfach mal abschnallen. „Positives Fett“ ist ein Begriff, der so manchem Genusssüchtigen gut in den Wortschatz passen dürfte. Im Schloss Lerchenhof, der Familie Steinwender erfahren wir von dieser Frohbotschaft, als wir den original Gailtaler Speck mit Brot und einem Alkoholfreien verkosten dürfen. Dort züchtet man kleine glückliche Schweinchen, die nur mit erlesensten Biofutterstoffen aufgezogen werden. Aber nur, bis sie ein Gewicht von zarten 140 Kilogramm erreicht haben. Dann werden sie, neugierig wie sie sind, von plätscherndem Wasser in den Nebenraum gelockt und dort völlig stressfrei per Stromschlag in den Schweinehimmel geschickt. Kein Wunder also, dass der Gailtaler Speck so lecker schmeckt. Und das tut er wirklich! Prost!

Räucherlachs in Scheichqualität

Ebenso glücklich, wie die 100 Schweinchen, die im Gailtal ihren Hintern hergeben, müssen wohl die Biolachse aufwachsen, die in den kalten Gewässern vor Island im offenen Ozean auf Hochsee-Farmen gedeihen. Von dort gelangen sie via Hamburg und Frankfurt nach Hermagor zu Peter Bachmann. Der findige Fischliebhaber hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Biolachsfilets in einem speziellen Räucherverfahren zu veredeln. Und zwar so sehr, dass er, der Lachs, seine Reise in die höchsten Gesellschaftskreise nach Monte Carlo, Dubai und andere exklusive Orte auf der Welt fortzusetzen vermag. Da bekommt der Begriff Lachswanderung eine ganz neue Dimension. Bei Bachmann’s kann der Genießer sich für 15 Euro Degustieren lassen. Peter Bachmann selbst leitet die Führung durch den Betrieb und kredenzt hernach zum wirklich exquisiten Lachs, den passenden Lachswein des Jahres, diverse Konfitüren und andere Köstlichkeiten. Klingt alles recht fabulös, ist aber tatsächlich ein ziemlich einzigartiger Gaumengenuss, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Auch, weil der Bachmann so ein richtiger cooler Typ ist. Phantastisch!
Total abgefüllt mit Köstlichkeiten trödeln wir die letzten Kilometer zurück zu Kraner’s Alpenhof am Weissensee und fiebern nach der Hitze des Tages dem guten alten Weißbier entgegen, das wir auf der Terrasse mit einer Holzofenpizza herunter zu spülen gedenken. Oder war es umgekehrt?

Motorrad-Erlebnis „südliches Österreich“ – ein Fazit:

Eingebettet zwischen den riesigen Bergmassiven der Hohen Tauern im Nordwesten, den Karnischen Alpen im Südwesten sowie den Karawanken im Südosten, offenbart sich in Kärnten eine wahre Schatztruhe unterschiedlichster Landschaften. Mondäne Uferstrecken und herrliche Hochgebirgspassagen machen Kärnten für den Motorradfahrer zu einem erstklassigen Ziel. Die Landeshauptstadt Klagenfurt und Villach sind die urbanen Zentren mit südlichem Flair. Gleich in Sichtweite liegen makellos saubere und für ein Alpenland ungewöhnlich warme Seen. Der Faaker See ist unter Motorradfreunden vor allem durch das jährliche Harley-Davidson- Treffen bekannt geworden. Aber auch der Wörthersee, Weissensee, Ossiacher See und Millstätter See sind Pflichtausfahrten. Insbesondere sind es aber die Berge, die uns Motorradfahrer so in ihren Bann ziehen. In und um Kärnten erwartet den Reisenden ein attraktives Angebot unterschiedlichster Alpenstraßen. Große Hochgebirgsübergänge, atemberaubende Panoramastraßen und kleine einsame Pässchen sättigen schnell und nachhaltig die Kurvengier. Inmitten dieser Landschaft haben sich überdies 20 Hotels zusammengeschlossen, in denen Motorradfahrer herzlich willkommen sind. Die speziellen Angebote und Standards in den Betrieben der „ARGE Motorradland Kärnten“ machen den Motorradurlaub zum reinen Vergnügen. Hier fühlen wir uns Zuhause. Und das Essen macht uns richtig meier!

Text & Fotos: Pabi



Reiseinfo:

Großglockner
Ermäßigte Maut über den ADAC

In den Geschäftsstellen und via Internet kann man verbilligte Mautkarten für die Großglockner-Hochalpenstraße erwerben:

Tageskarte Motorrad 14,00 EUR statt 18,00 EUR (22 % Ermäßigung)
Die Tageskarten berechtigen zur mehrmaligen Benutzung an einem frei zu wählenden Tag.                              

Tourenticket Motorrad zum ermäßigten Preis von 20 EUR statt 23,00 EUR (13 % Ermäßigung)
Das preisreduzierte Motorrad-Tourenticket für das Befahren von Großglockner-, Gerlos- und Nockalmstraße berechtigt ab sofort zusätzlich auch zum Kauf eines verbilligten Tickets für die Villacher Alpenstraße. Die Fahrt über die Villacher Alpenstraße kostet dann statt 7 Euro an der Mautstelle nur 4 Euro (unter Vorlage des Motorrad Tourentickets). Beim Kauf des Tourentickets erhalten alle Kunden kostenlos die Broschüre "Motorradhimmel Großglockner" mit wertvollen Touren-Tipps und Infos.  

Seit 2007 besteht das Angebot einer Aufzahlungskarte Großglockner vor Ort. Wer im laufenden Kalenderjahr mit dem gleichen Fahrzeug (kennzeichengebunden) eine zweite Fahrt unternimmt, zahlt dafür nur 4,00 Euro. Dazu muss an der Kasse das Erstfahrticket (Tagesticket) mit eingetragenem Kennzeichen vorgelegt werden.