Motorradland Kärnten

Motorradland Kärnten


Das große Fressen

Ein echter Geheimtipp für Motorradfahrer ist das Österreichische Bundesland Kärnten. Den meisten von uns vielleicht eher bekannt durch das Harley-Meeting am Faaker See oder den kürzlich bei einem kapitalen Überschlag mit seinem Phaeton verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider. Doch dass es dort noch viel mehr zu entdecken gibt, durfte die Biker Szene Redaktion auf einer 4tägigen Reise erleben. Unfassbar beeindruckende Alpenpanoramen, Passüberquerungen nach Italien und Slowenien, super nette Gastwirte - mit KTMs zum Ausleihen - schwer leckeres Essen und Kurven satt.

Genuss-Touren im Motorradland Kärnten

Apropos satt: Der Begriff Genusstouren wird in dem österreichischen Bundesland im Dreiländereck neu definiert. Gailtaler Speck, Parma-Schinken, Kärntner Käsnudeln, Kaiserschmarrn, Pizza, Fischgerichte, Slowenische Kuchenleckereien und die ganz normale alpenländische Hausmannskost scheinen sich hier zu einem lukullischen Füllhorn zu vereinen, dem sich der Reisende weder entziehen kann, noch will. Doch vor der lückenlosen Ausfugung des Mageninhaltes mit Tiramisu wird dem Genussorientierten zunächst eine gehörig lange Anfahrt abverlangt. Wer nicht auf das elektrifizierte Eisenross als Transportmittel zurückgreifen möchte, muss von Mitteldeutschland aus über 700 Kilometer Autobahn abschruppen, bevor er kurz hinter München Richtung Kitzbühel auf angenehmere Landstraßen wechseln kann, um den Großglockner ins Visier zu nehmen. Doch Vorsicht, hier wird geblitzt, was die Radarfalle, oder besser gesagt die deutschen Portemonnaies hergeben. Netter Weise werden wir von entgegenkommenden Bikern rechtzeitig gewarnt und halten auf den kommenden 200 Kilometern die Gashand im Zaum. Spätestens ab Beginn der Großglockner Hochalpenstraße ist die Heizerei sowieso unmöglich.

Es beginnt der Genuss

Der mit 3.798 Metern höchste Berg Österreichs trennt - oder verbindet, ganz wie man will - die Bundesländer Salzburg und Kärnten und bietet mit seiner touristisch erschlossenen Hochalpenstraße, für deren Nutzung Motorradfahrer mit eigentlich unglaublichen 18 Euro zur Kasse gebeten werden, ein absolut sehenswertes Stück alpiner Naturgewalt, die wir gleich mal bei der Auffahrt zum „Hochtor Tunnelportal“ auf 2.500 Meter Höhe mit einem Furcht einflößenden Gewitter zu spüren bekommen. War es auf der Bundesdeutschen Autobahn mit über 37 Grad noch beinahe unerträglich heiß, erwarten uns hier oben meterhohe Schneewehen, Schmelzwasser und frostige 7 Grad Celsius. Wer es nicht eilig hat, kann für den happigen Eintrittspreis die Abzweigungen zur Edelweißspitze sowie zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe nutzen und sein Kulturwissen über die Entstehungsgeschichte der Glockner-Hochalpenstraße zur Römerzeit und durch die darauf folgenden Epochen erweitern.


Nach Passieren des Tunnelportals geht es auf der anderen Seite in wunderbar abwechslungsreichen Serpentinen bergab Richtung Kärnten. Aufgrund des miesen Wetters und der späten Stunde, sparen wir uns den Abstecher zum eigentlichen Großglockner-Aussichtspunkt und nutzen das sich vor uns talwärts auftuende Wolkenloch, um direkt zu unserm Basiscamp, Kraner’s Alpenhof am Weissensee, durchzustarten, wo der Rest der Reisegruppe, der dem schnelleren „Umweg“ über die Autobahn via Salzburg und Villach folgte, hoffentlich schon ein kühles Weißbier für uns bestellt hat. Und nicht nur das. Kraner’s Pizza ist legendär und lässt die Strapazen des Tages auf der Terrasse mit Blick auf den See schnell vergessen. Ein weiches Kissen unter dem Po lindert schließlich auch diesen, letzten verbliebenen Schmerz.

Schnittpunkt dreier Welten

Am nächsten Morgen geht’s schon gleich ans Eingemachte. Nachdem wir ausgiebig und gesund am reichhaltigen Frühstücksbuffet nachgeladen haben und ich meine bajuwarische Alpenkönigin gegen eine KTM SuperDuke aus dem Testfuhrpark des Alpenhofes, welchen KTM den Motorradland Kärnten & Osttirol Mitgliedsbetrieben zum Anfixen der erfahrungswilligen Gäste zur Verfügung stellt, eingetauscht habe, heißt es: Germanisch, slawisch, romanisch. Drei Kulturen innerhalb weniger Kilometer, südliches Flair, alpine Passüberquerungen, vorbei an malerischen Badeseen und sonnengebräunten italienischen Schönheiten. Eine grenzüberschreitende Tour mit Friedel als Tourguide steht an. Friedel Kohlweiss, selber Gastwirt und Koch aus Leidenschaft, führt in Treffen, so heißt der Ort in der Nähe des Ossiacher Sees, das Bikerhotel „Friedels Garage“ und kennt die Tourenregion wie die Taschen seiner „Chili Biker“ Weste. Frühstücken in Österreich, Mittagessen in Italien, Kuchen in Slowenien und Abendessen zurück in Österreich – alles an einem Tag. Wenn’s gewünscht wird. Natürlich kann das alles auch schön genüsslich hintereinander an mehreren Tagen abgetourt werden. Schließlich sind wir hier im Urlaub und nicht beim abendlichen Almabtrieb.

Prosciutto in San Daniele

Von Weissensee aus nehmen wir über Hermagor und Kötschach-Mauthen den Plöckenpass in Angriff. Auf entspannten 1357 Metern Höhe, genau der richtige Hügel zum Wachwerden, überqueren wir die Grenze nach Italien. Ausweise und Reisepässe will im vereinten Europa schon lange keiner mehr sehen. Im Gegenteil. Die ehemalige Grenzstation ist total verlassen. Der Kiosk „noch“ geschlossen. In schönen Schwüngen gleiten wir die sonnenüberflutete Südwestseite hinab und fassen in Paluzza Getränke und Schokoriegel nach. Bezahlt wird in Euro. Klar, die ständige Geldwechselei früherer Jahre ist Geschichte. Warum das erwähnenswert ist? Wir Journalisten sollen ja auch mal was Positives über die EU schreiben! Bevor wir zum Prosciutto-Schlemmen in San Daniele del Friuli eintreffen, machen wir noch eine kleinen Capuccino Pause in einer alten namenlosen Festungsstadt mit herrlicher Piazza, die nicht nur ein Augenschmaus ist, sondern auch die Gelegenheit bietet, den überhitzten Körper mit kühlem Nass aus dem Brunnen zu kühlen.


Für die Mittagszeit hat Friedel etwas außerhalb des Zentrums von San Daniele eine Prosciutteria ausgewählt, die zwar etwas unspektakulär aussieht, aber dennoch reichlich italienisches Flair beherbergt. Hier gibt’s den gleichen, hauchdünn geschnittenen weltberühmten Schinken. Allerdings deutlich günstiger, als im historischen Stadtkern. Für 19 Euro pro Person serviert die flotte Bedienung außer einer üppigen Schinkenplatte reichlich „Zubehör“. Melone, gefüllte Paprikas, diverse Käse und Frischkäse, Oliven, Charlotten, Brote und weitere Antipasti. Ein Füllhorn an Gaumenfreuden, das mit einem extra starken Espresso dopio mit viel Zucker endet