Niedersachsen/Schleswig Holstein

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Weißes Gold

Reizvolle Landschaften, malerische Wege und Plätze mit einer einzigartigen Geschichte erleben. Der mittelalterliche Handelsweg "Alte Salzstraße" führt durch eine Welt, in der es viel zu entdecken gibt.

Die Alte Salzstraße: mittelalterlicher Handelsweg

Über tausend Jahre ist es her, dass Jäger in der Nähe Lüneburgs ein weißes Wildschwein erlegten. Doch es handelte sich nicht um einen Albino - das Tier hatte sich nur in einer salzhaltigen Suhle gewälzt. Das trockene Salz blieb am Borstenvieh hängen und brachte die Waidmänner auf die Spur des "weißen Goldes". Salz war ein kostbares Gewürz und wichtigstes Konservierungsmittel im Mittelalter. Der Heringsmarkt, die prächtigen Giebelhäuser und der alte Salzkran zeugen noch heute vom raschen wirtschaftlichen Aufschwung der Salinenstadt Lüneburg. Auf Karren wurde das Salz über die "via regia", den Königsweg, nach Lübeck transportiert. 20 Tage dauerte die beschwerliche Reise, bevor es von der Hanse in alle Welt verschifft wurde. So lange brauchen wir für unsere Tour nicht.

Knicks und Kopfstein

Kaum haben wir die Stadt verlassen, beschleunigen wir unsere Maschinen auf der Bundesstraße 209 nach Norden Richtung Lauenburg. Unterwegs werden überall Kartoffeln und Spargel angeboten. Mit einem mild gesalzenen Katenschinken ein echter kulinarischer Hochgenuss. Ebenfalls echt norddeutsch sind die "Knicks" - die typischen, auf Wällen gepflanzten Baumreihen, welche die Felder vor dem ewig wehenden Wind schützen.
Bei Artlenburg suchen wir die historische Übersetzstelle, wo man einst die mächtige Elbe mit Kähnen querte. Hinter uns knistern die abkühlenden Motoren, vor uns liegt der breite Strom. Am anderen Ufer ist das Lokal "Alter Sandkrug" zu erkennen, dort werden wir das mittelalterliche Kopfsteinpflaster der Alten Salzstraße suchen. Wir verlassen Niedersachsen und reisen über die Elbbrücke bei Lauenburg nach Schleswig-Holstein ein. Die geschäftstüchtigen Lauenburger kontrollierten früher die Land- und Wasserwege und forderten, sehr zum Ärger Lüneburgs und Lübecks, hohe Zölle.


Im kleinen Nest Schnakenbek schleichen wir uns an Scheunen und Katen vorbei ans Elbufer. Bei einer "Tass' Kaff'" beobachten wir den regen Schiffsverkehr. Anschließend treffen wir im dunklen Wald auf die alte Trasse der "trockenen Salzstraße", welche bis kurz vor Lütau Kopfsteinpflaster satt bietet. Mit modernen Federbeinen ist es ein echtes Fahrerlebnis, mit eisenbeschlagenen Rädern muss es damals eine Tortur gewesen sein.

Die "nasse Salzstraße"

1398 wurde die "nasse Salzstraße" geboren, es begann die Verschiffung auf dem Stecknitz-Kanal, dem heutigen Elbe-Lübeck-Kanal. Die von hohen Pappeln gesäumte Wasserstraße ist einer der ältesten schiffbaren Kanäle Nordeuropas und war damals eine technische Meisterleistung. In Siebeneichen, zwischen Büchen und Breitenfelde, können wir mit dem Motorrad bis an den Kanal fahren und den Fährmann mit Glockenschlägen zum Übersetzen anfordern. Da es sich um eine künstliche Wasserstraße handelt, braucht man nichts für die Überfahrt zu zahlen.


Kaum liegt Mölln hinter uns, verlassen wir die Bundesstraße, um wieder in der Einsamkeit der Nebenstrecken dem Verlauf der Alten Salzstraße zu folgen. Lankau, Kühsen, Berkenthin und Krummesse - häufig queren wir den Elbe-Lübeck-Kanal, Freizeitkapitäne winken von ihren Booten zu uns herauf, lauschige Plätzchen laden zum Rasten ein. Und irgendwann, nach einer Walddurchfahrt, einem kleinen Dorf oder hinter einem Knick tauchen die mächtigen Türme der Lübecker Altstadt aus dem Dunst auf.