NRW: Ostwestfalen / Lippe

NRW: Ostwestfalen / Lippe


Die Quadratur des Kreises

Die Fülle der Kontraste macht den besonderen Reiz einer Tour durch das an den Teutoburger Wald anschließende, östlich gelegene Eggegebirge, über die südlich anschließende Paderborner Hochfläche, das sich nach Westen öffnende Münsterland und die nördlich auslaufende Senne. Die Route ist locker in einem Tag zu bewältigen, wer mehr Zeit mitbringt, nimmt Paderborn als Standort und genießt jede Landschaft gesondert an einem Tag.

Eine Tour durch Ostwestfalen - Lippe

Fangen wir im Eggegebirge an. Wenige Kilometer hinter Paderborn auf der Bundesstrasse 1 (Schnellstrasse), nämlich an der Abfahrt Kohlstädt, lassen wir mit einem Schlag die Hektik des Verkehrs schon hinter uns. Wir befinden uns auf der "Strasse der Weser-Rennaissance", der ehemaligen "Fürstenallee", die über die sog. Gauseköte führt. Die Gauseköte ist eine sehr alte Handelsstrasse, bevor sie das Eggegebirge durchschneidet, machten die Fahrensleute im Gasthof Kreuzkrug Pause. Eine Empfehlung, die auch heute noch gilt - dort endet auch unsere Rundtour.


Dann folgt ein langer, gerader Anstieg, zwei beeindruckende Kuppen werden überfahren, bevor die Straße sich eng durch eine Schlucht windet. Der dunkle Tannenwald sorgt im Sommer für viel Schatten. Berlebeck ist ein kleiner, verträumter Luftkurort. Wer sich den Adler nicht nur als Airbrush auf den Tank seines Choppers gespritz hat oder gar als Tatoo in seine Haut hat ritzen lassen, der sollte an der wohl ältesten Adlerwarte Deutschland in Berlebeck nicht vorbeifahren. Kurz vor Ortsende biegen wir rechts ab Richtung Horn/Bad Meinberg.


Durch eine offene, hügelige Landschaft erreicht man nach wenigen Kilometern die Externsteine. Es handelt sich um eine malerische, mystische Gruppe mehrerer Felsblöcke. Die Hauptverkehrsverbindung über den Eggekamm (heute ersetzt durch die Bundesstraße 1 ) musste diese Enge passieren, deshalb war sie strategisch wichtig. 1115 weihte der Paderborner Bischof im unteren Felsen eine Kapelle ein, die eine Grotte symbolisiert. Daneben befindet sich im Stein eine Klausnerzelle, vermutlich zeitweise als Gefängnis genutzt. Wer sich dieses Naturdenkmal nicht entgehen lassen will, sollte also kurz vor Horn auf den Parkplatz abbiegen

Alpenfeeling

Von Horn geht eine kleine Verbindungsstraße durch ein dicht bewaldetes Bachtal weiter nach Veldrom. Dieser kleine Ort liegt in einem etwas breiteren Hochtal, das sich langsam bergab Richtung Altenbeken verengt, aber immer lieblich reizvoll und verträumt bleibt. Altenbeken ist ein ehemaliges Eisenbahnerdorf. Am Ortsausgang Richtung Neuenbeken sind der "große Viadukt" und wenige Kilometer weiter der "kleine Viadukt" bemerkenswerte Bauwerke.


Wir biegen aber in andere Richtung ab und folgen für wenige hundert Meter der Ausschilderung nach Buke, um noch vor Ortsende von Altenbeken wieder links ab Richtung Langeland zu fahren. Auf dieser Strecke durchqueren wir wiederum das Eggegebirge von West nach Ost. Zwar nur wenige Kilometer genießen wir dennoch eine Kurvenstrecke, die selbst in den Alpen ihresgleichen sucht.Die Folge von Schwüngen macht süchtig. Hier kommt auf seine Kosten, wer sportlich konzentrierte Fahrweise bevorzugt. Wer lieber die Landschaft genießen möchte, entbehrt aber keineswegs etwas.


Hinter Langeland folgen der Ausschilderung nach Bad Driburg. Das berühmte Heilbad mit mehreren Kurkliniken, im Zentrum des Kurbereichs mit einem gräflichen Kurhaus, liegt in einem wunderhübschen weiten Talkessel. Eine Schnellstraße schafft die zeitgemäße Anbindung in West-Ost-Richtung. Da wir ein kurzes Stück wieder gen Westen müssen, kann man quasi zur Erholung diese Schnellstrasse Richtung Paderborn befahren. Ich schlage aber dennoch vor, in der Ortsmitte von Bad Driburg auf die alte Serpentinenstraße abzubiegen. Sie ist in keinem guten Zustand, aber dieses leichte Alpenfeeling kommt wieder auf. Schließlich mündet auch sie auf die Schnellstraße, die ich bei nächster Gelegenheit in Buke wieder zu verlassen empfehle. Nur wer sich für Windräder interessiert, sollte auf ihr weiterfahren, er erreicht dann auf dem Eggekamm plötzlich den größten Windpark Deutschlands, um spätestens jetzt nach Schwaney abzubiegen und einen letzten Blick auf den Eggehöhenzug linker Hand zu werfen.

Die Hochebene

Meine Empfehlung: ab Schwaney rechts Richtung Paderborn nach Dahl. Auch für diesen Weg gilt, dass gottlob die neugebauten Bundes-Schnellstraßen allen Verkehr von solch herrlichen kleinen Verbindungsstraßen abziehen und die Welt dem Motorradfahrer fast alleine gehört. In Dahl geht`s links ab nach Dörenhagen. Wir bekommen schon den ersten Eindruck von der Paderborner Hochfläche, wenn wir kurz vor Dörenhagen die Bundesstraße 68 überqueren.


Ein völlig anderer Landschaftscharakter eröffnet sich uns. Weiter Blick ins Land, landwirtschaftliche Großflächennutzung herrscht vor. Die Dörfer sind keine Luftkurorte mehr, der Stallmist liegt noch gelegentlich vor dem aus Natursteinen gebauten Bauernhof. Diese Hochfläche wird durch Bachtäler eingeschnitten, in denen Kühe auf fetten Weiden grasen. Aber auch die Forstwirtschaft hat ein Wörtchen mitzureden - nicht der Brotbaum Fichte beherrscht hier den Landschaftscharakter, wie wir es aus der Egge kennen, sondern mächtige Buchenwälder sind charakteristisch.


In Ruhe kann man sich diesem neuen Eindruck auf der Fahrt nach Kirchborchen widmen. Bald hinter dem Ortseingang gleich an einer Brücke fahren wir links und am Ortskreisel wiederum links nach Etteln. Vorher sollten sich aber Bauhistoriker unter den Motorradfahrern noch den Wehrturm der Kirche in Borchen ansehen, in den sich die Bauern in Kriegs- und Fehdezeiten zurückzogen. Das Altenautal bis Etteln ist verträumt romantisch, die Straße steigt erneut an. Hinter dem höchsten Punkt der Straße, einer weiten Rechtskurve, liegt links ein Parkplatz mit Bank und Aussicht gratis. In Etteln gegenüber der Kirche rechts Richtung Wewelsburg und Autobahnausschilderung abbiegen.
Erneut auf der Hochfläche, überqueren wir die Piste von Paderborn nach Brilon (Kassel) und tauchen ein in ein großes Waldgebiet, den Böddeker Forst. Hier versteht man , was das Wort "Buchendom" besagen will. Das alte Rittergut Böddeken, ehemals ein Augustinerkloster, ist heute ein Internat, die Kirche als Ruine ein ideales Fotomotiv. Einige Bauteile stammen noch aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Hinter dem Gut teilt sich die Straße, geradeaus geht es weiter zu einem Soldatenfriedhof..


Benutzen wir aber die Kehre rechts bergauf, dann kommen wir zur Wewelsburg beziehungsweise in den gleichnamigen Ort. Die heutige Burganlage wurde 1604 bis 1607 auf einer älteren Anlage erbaut. Der dreiflügelige Grundriss ist einmalig und bedingt durch den Bergsporn, mit dessen Hangkante dieses Bauwerk abschließt.
Sehenswert sind das Portal zum Treppenturm, das Burgverlies sowie das Museum im Wachhaus, das an nationalsozialistische Verbrechen erinnert. Die Burg hat nämlich eine traurige Berühmtheit im "dritten Reich" erhalten. Da war sie Stammsitz von SS Reichsführer Heinrich Himmler. Heute befindet sich in dem Großteil der Burg eine Jugendherberge - 28.000 Übernachtungen allein im Jahr 1998 sind deutlicher Beweis ihrer Beliebtheit. Durch einen schattenspendenden Wald fahren wir am Rand der Paderborner Hochfläche über Oberntudorf und Wewer, folgen der Ausschilderung nach Elsen.


Ein kleiner "Schlenker" am Lippesee vorbei lohnt sich in jedem Fall. Hier ist eine Baggerseelandschaft entstanden, die als Freizeitparadies Seglern, Surfern und Wasserskifahrern dient. Schloss Neuhaus gehört heute zur Stadt Paderborn. Ab Ende des 13.Jahrhunderts wurde das Rennaissance-Schloss in mehreren Bauetappen errichtet. Die Portale werden von gotischem Stabwerk umrahmt. Im Zusammenhang mit der Landesgartenschau vor einigen Jahren wurde ein Barockgarten angelegt, der wirklich sehenswert ist; das weitere Gelände führt entlang der Flüsse Lippe und Pader einmal in die Heidelandschaft der Senne und in Richtung Paderborn mit einer Grünzone bis in die Innenstadt