NRW: Ruhrgebiet

NRW: Ruhrgebiet


Zwischen Kohle und Kultur Teil 2

Von Duisburg bis nach Essen sind es nur wenige Kilometer und doch liegen Welten zwischen diesen beiden Städten. Die riesigen düsteren Hochofenbatterien hat es in Essen nie gegeben. Dafür gab es zur Blütezeit der Kohle 23 Zechen in der Stadt.

Ruhrgebiet/Route der Industrie-Kultur 2. Teil

Von den meisten Zechen ist jedoch nicht mehr viel zu sehen. Nur die Abraumhalden sind noch stumme Zeugen aus dieser Zeit. Auf vielen dieser Halden hat das Grün wieder die Oberhand bekommen; sie sind zu Naherholungsgebieten geworden. Auf anderen dieser Schuttberge tummeln sich heute Biker und erweitern ihre Offroad-Kenntnisse.
Wer sich ein Bild von der "Maloche unter Tage" machen möchte, der ist im Bergbau-Museum in Bochum bestens aufgehoben. In Essens Nachbarstadt gibt es sozusagen eine "Grubenfahrt für Jedermann". In dem 2,5 Kilometer langen Strebennetz kann man die Welt des Bergmanns "vor Ort" erleben. In der nachgebildeten "Schwarzkaue", wie die Umkleidehalle für die Bergleute genannt wird, hängen immer noch vom Kohlenstaub schwarz eingefärbte Arbeitsanzüge von der Decke.

Lichter-Spektakel

Langsam fängt es an zu Dämmern - für uns ist es also Zeit, den letzten Punkt des heutigen Tages anzufahren: Das alte Hüttenwerk in Meiderich. Einst wurden hier spezielle Roheisen für die unterschiedlichsten Verwendungszwecke hergestellt, was dieser Hütte den Spitznamen "Apotheke des Ruhrgebiets" einbrachte. Jetzt ist das Werk ein Refugium für Freeclimber, Hundeschlittenführer und Sporttaucher. Letztere haben den alten Gasometer als ein ideales Terrain für ihren Sport entdeckt.

Genannt wird dieses alte Hüttenwerk heute "Landschaftspark Duisburg-Nord". Wer möchte, kann hier einen Hochofen erklettern und von dort die Aussicht über die Stadt genießen. Doch in der Nacht, wenn die alte Industrieanlage von Dutzenden Scheinwerfern in den unterschiedlichsten Farben beleuchtet wird, wird der Landschaftspark Duisburg-Nord erst recht zu einem faszinierenden Spektakel.
Es ist schon stockfinstere Nacht, als ich mich wieder auf den Heimweg mache. Die Autobahn ist leer und so kann ich meine Twin auf der A 42 "laufen" lassen. Es geht vorbei am Tetraeder in Bottrop. Das geometrische Kunstwerk, das in Essen hoch oben auf einer Halde steht, sieht angestrahlt aus wie ein Wegweiser für Raumschiffe. Bevor wir uns am Landschaftspark trennten, haben wir uns für das nächste Wochenende zu einer weiteren Tour durch's Revier verabredet, denn die Route der Industriekultur ist an einem Tag nicht zu schaffen...

Zweiter Tag

Auch der nächste Sonntag beschert uns beste Bedingung für die Erkundung des östlichen Ruhrgebietes. Treffpunkt diesmal ist die Syburg am Hengstey-See bei Hagen. Auch dieser traditionsreiche Treffpunkt für Motorradfahrer zieht an den Wochenenden Tausende Biker an.
Wir haben es nicht eilig. Dieser Atmosphäre an einem so herrlichen Sonntagvormittag können wir uns so schnell nicht entziehen. Obwohl die kurvenreiche Strecke hinauf zum Casino mit Tempolimits und Überholverboten übersät und der Fahrspaß sich daher in Grenzen hält, ist die Burg immer noch der Treffpunkt im östlichen Revier.

Entlang der Ruhr geht es nach Hattingen - zur Heinrichshütte. Das Werk war eine Welt für sich. Hier wurde Kohle gefördert, Koks, Eisen und Stahl produziert und gleich im Anschluss daran geschmiedet und gewalzt. Dass, was das Ruhrgebiet ausmacht, fand sich an diesem Ort. Doch 1987 gab es dort den letzten Abstich. Die Hochöfen waren noch nicht ganz kalt, da stand die Anlage auch schon unter Denkmalschutz. Heute gibt es dort Hütten-Safaris für Kinder und Interessierte können den "Weg des Eisens" gehen. Die Heinrichshütte wird seit der Stilllegung stufenweise zu einem Museum umgebaut.

Grüne Seite

Doch an diesem herrlichen Tag wollen wir einfach nur Motorradfahren. Gemütlich tuckern wir auf kleinen Straßen im Grenzgebiet zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Statt Schornsteine und Abraumhalden gibt es hier Wiesen und Wälder. Die einzigen Anzeichen von Zivilisation sind kleine Bauernhöfe, ein Bild, das man vom größten Ballungsgebiet Europas wohl kaum erwartet. Erst das große Kraftwerk in Hamm-Stockum ist ein Hinweis darauf, das wir uns immer noch im Revier befinden.

Der Maximillianpark in Hamm ist der östlichste Punkt der Route der Industriekultur. Die alte Zeche Maximillian war eigentlich ein Katastrophenpütt - Kohle wurde hier nie richtig gefördert. Wassereinbrüche machten den Bergwerks-Ingenieuren zu schaffen. Ein Gasunglück forderte mehrere Todesopfer. Was 1902 mit dem Abtäufen des Schachtes begann, endete bereits im Jahr 1914. Mehr als 70 Jahre moderten die Überbleibsel der Zeche vor sich hin, bis sie Anfang der 80er Jahre wieder zum Leben erweckt wurden. 1984 wurde auf diesem Gelände die erste Landesgartenschau Nordrhein-Westfalens eröffnet. Die Attraktion war damals wie heute der weltweit größte gläserne Elefant.