NRW: Ostwestfalen Teutoburger Wald

NRW: Ostwestfalen Teutoburger Wald


Chefsache - Westfälische Weltgeschichte

Wo einst die Römer kräftig Dresche bezogen, warten Nebenstrecken durch den Teutoburger Wald, das Wiehen- und das Eggegebirge auf ihre Entdeckung. Unzählige Kurven, berühmte Sehenswürdigkeiten und abwechslungsreiche Landschaften lassen einen Motorradtag wie im Flug vergehen.

Verschlungene Pfade

Axel hat uns "seine" Route 66 gezeigt, die Bundesstraße 66 von Barntrupp nach Bielefeld, die, außer der Zahl, überhaupt nichts mit der legendären amerikanischen Traumstraße gemein hat. Über verschlungene Pfade lotste er uns hinauf zur Bielefelder Sparrenburg, um gemeinsam mit dem großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm den Blick über die Stadt schweifen zu lassen.

Auf der Route 66

Unsere gemischte Truppe hat sich am gestrigen Abend beim Bier im Landgasthaus Niemann kennen gelernt, und spontan wurde der Chef verpflichtet, uns heute in die schönsten Ecken des Teutoburger Waldes zu führen. Der Treck der Toleranz - Moto Guzzi, BMW und einige Japaner - zieht weiter. Die Nebenstrecke "Tierpark" bei Uerentrup lässt die Metropole Bielefeld vergessen, Werther dient als Sprungbrett in die weite Landschaft zwischen "Teuto" und Wiehengebirge.


Bei Melle tauchen die ersten Höhenzüge auf, über ihnen rauschen bizarre Wolkenformationen in beunruhigenden Grautönen durch den Himmel. Das schwarze Teerband hinüber nach Bad Essen gehört zur Oldtimer-Route, die an verschiedenen Fahrzeug-Museen entlang führt und sich als kurvige Bergstrecke entpuppt. Axel spielt seinen Heimvorteil aus und gibt seiner rassigen, mittlerweile in die Jahre gekommenen Italienerin die Sporen. Wenig später zügeln wir unser Temperament und rollen bedächtig zwischen fein herausgeputzten Fachwerkhäusern weiter nach Preußisch Oldendorf, wo uns erneut eine Waldstrecke zum Kurventanz durch das Wiehengebirge auffordert.

Hermann der Cherusker

Anschließend genießen wir den forschen Ritt über verkehrsarme Nebenstrecken, an Stoppelfeldern vorbei, durch verträumte Nester bis nach Bielefeld. Kaum finden wir uns auf Axel's Route 66 wieder, biegen wir auch schon bei Oerlinghausen zur Gaststätte "Bienenschmidt" im Lippischen Wald ab. Bei Kaffee und Kuchen erfahren wir von unserem Tourguide einiges über die Geschichte des Teutoburger Waldes. Um Christi Geburt drangen die Römischen Legionen immer weiter gen Norden vor. Die vielen, untereinander zerstrittenen Germanenstämme konnten sie nicht aufhalten, bis der Cheruskerfürst Arminius es schaffte, alle Häuptlinge unter sich zu vereinigen.


Nach dem Motto "Einigkeit macht stark" wurde der Feldherr Varus mit seinen Legionären bei Kalkriese in der Nähe von Osnabrück vernichtend geschlagen. Nicht aber am 53 Meter hohen Denkmal südlich von Detmold. Das sehenswerte Bauwerk wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Ernst von Bandel errichtet, in einer Zeit, in der die vielen deutschen Kleinstaaten dringend einer neuen Führung bedurften. Und aus Arminius wurde urdeutsch Hermann, der bis heute sein riesiges Schwert weit sichtbar über den Teutoburger Wald erhebt.


Was sonst noch über den Wäldern kreist, erleben wir anschließend in der Adlerwarte Berlebeck, der größten und ältesten in ganz Europa. Mehrmals täglich zeigen Adler, Geier, Bussard und Milan ihre beeindruckenden Flugvorführungen über den Köpfen der Zuschauer. Das südliche Ende des "Teuto" und das Eggegebirge rufen. Wir springen über die Passhöhe Gauseköte, die mit ihren mageren 350 Metern über Normal Null auch Bergungewohnten nicht das Fürchten lehrt. Von der dünnen Höhenluft verschont, räubern wir von Schlangen durch den Wald nach Veldrom, und lernen auf dem Weg ins nahe Feldrom den Unterschied zwischen Vogel-V und Feuer-F kennen.

Im Eggegebirge

In Altenbeken, östlich von Paderborn, bestaunen wir mit offenen Mündern das riesige Eisenbahn-Viadukt und die ausgestellte Dampflok 044 389, die seit Mitte der vierziger Jahre treu ihren Dienst geleistet hat. Aus dieser Zeit stammt auch die am Straßenrand ausgestellte - selbstverständlich entschärfte - Fliegerbombe, mit denen alliierte Kampfflieger den Schienenverkehr unterbrechen wollten. Mehrere Serpentinen führen uns nach Langeland, Ähnlichkeiten mit der dänischen Ostseeinsel wären rein zufällig, dann rauschen Bad Driburg und Willebadessen vorbei.


Den Wendepunkt unserer Tour finden wir in den menschenleeren Wäldern um Blankenrode. Schmale Fahrwege geleiten uns nach Lichtenau, wo uns die Nebenstrecke nach Altenbeken aufnimmt. Eine feine Gelegenheit, die Brennräume tief durchatmen zu lassen. Wir wechseln hinüber nach Erpentrup, um in der dortigen Waldglashütte tief ins Glas zu schauen, ohne dabei betrunken zu werden. Täglich, auch Sonntags, können interessierte Besucher aus unmittelbarer Entfernung beobachten, wie unter den geschickten Händen der Glasmacher die 1200 Grad heiße Glasmasse geformt, geblasen und gegossen wird.