Ostseeküste: Einfelder See bis Kiel

Ostseeküste: Einfelder See bis Kiel


"Vun Binnenland an de Waterkant"

"Vun Binnenland an de Waterkant" führt die Rundreise durch das herbstlich geprägte Land zwischen den Meeren. Wenn die Blätter fallen, locken die kurvigen Motorradstrecken durch die Naturparks Westensee und Hüttener Berge.

Edelstahlthermoskanne

"Sie" ist eine glänzende Erscheinung. Und schlank. Keine Traummaße 90 - 60 - 90, dafür aber klasse innere Werte. Keine zarte Haut, eher ein gelebtes Äußeres. Kumpeltyp. Geht durch dick und dünn. Ohne "Sie" würde ich nie auf Herbsttour gehen: Meine Edelstahlthermoskanne mit heißem Kaffee. Gut gepolstert liegt sie im linken Koffer und reist mit uns in Richtung Norden. Die alte B 4 quetscht sich zwischen Einfelder See und Dosenmoor hindurch bis an den Südrand der Landeshauptstadt Kiel.

Museumsbrot

Im Stadtteil Molfsee betreten wir durch das imposante Torhaus das Schleswig-Holsteinische Freilichtmuseum. Historische Bauernhäuser, Katen, Scheunen und Windmühlen aus allen Teilen des nördlichsten Bundeslandes warten auf unseren Besuch. Ganz nebenbei kaufen wir für das zweite Frühstück ein: In der Bäckerei einen kleinen Laib Museumsbrot, in der Meierei ein Stückchen Käse, und in der Räucherkate einige Scheiben deftigen Landschinken. Im nahen Rumohr verlassen wir den Stadtrand und fahren hinaus in den Naturpark Westensee.

Wie in einer überdimensionalen Bobbahn gleiten wir auf der von Knicks und mächtigen Bäumen gesäumten Strecke westwärts. Die glitzernde Wasseroberfläche des Schierensees grüßt durchs Unterholz, reetgedeckte Wohnhäuser ziehen vorbei. Die Straßenkreuzung zwischen den fast einhundert Meter hohen Gipfeln von Tüteberg und Kieler Berg zwingt durch ein Stopp-Schild zur langsamen Gangart. Und das ist auch gut so, denn die wunderschöne Landschaft verdient unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.

Denkfabrik

Dann nimmt uns wieder die schier endlose Allee auf, wie auf sanften Wogen surfen wir bis zum Gut Emkendorf. Das Anfang des 18. Jahrhunderts im klassizistischen Baustil erstellte Herrenhaus war damals eine Art moderner Denkfabrik. Schriftsteller, Künstler und Dichter stellten hier ihre Werke vor und diskutierten mit den adligen Grundbesitzern. Für die damalige Epoche etwas Einmaliges. Nach einem kleinen Rundgang über die mit Feldsteinen gepflasterten Höfe gönnen wir uns einen Pott Kaffee und besprechen die weitere Route. Dann starten wir die Maschinen und streben in Richtung Osterrönfeld bei Rendsburg, um in einer scharfen Linkskurve einen Haken zum nahen Örtchen Warder zu schlagen. Unter der Autobahn 7 hindurch geht's zum Wardersee und zum Brahmsee, an dem auch Altbundeskanzler Schmidt Entspannung suchte.

Schmucke Wochenendhäuser reihen sich aneinander, gelegentlich können wir auch einen Blick auf das verträumte Gewässer erhaschen. Die schmalen Wege um den unscheinbaren Pohlsee führen in eine Gegend, in der sich Fuchs und Hase noch persönlich Gute Nacht sagen. Abgeerntete Felder schmiegen sich an sanfte Hügel, und knorrige Eichen, deren Äste weit über die Fahrbahn ragen, stehen Spalier. Dorfkinder schleudern Knüppel in die Kastanienbäume, um die letzten Kastanien zu ergattern. Das Land duftet nach Herbst.

Naturparks

In Deutsch Nienhof angekommen, biegen wir rechts ab zum kleinen Nest Wrohe, denn von dort wollen wir am Südufer des von Wald und Wiesen eingerahmten Westensees entlang zum gleichnamigen Ort gelangen. Doch Obacht! Die reizvolle Strecke ist Samstags ab 13 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ganztägig gesperrt. Die anschließende, mit allerlei Kurven gespickte Route Achterwehr - Bredenbek - Sehestedt führt uns aus dem Naturpark Westensee hinaus. Mit der kostenlosen Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal gelangen wir in den benachbarten Naturpark Hüttener Berge. Und wieder sind Gewässer, diesmal der Wittensee und der Bistensee, zu umrunden. Anspruchsvolle Kurven und Höhenunterschiede, die niemand im flachen Schleswig-Holstein vermuten würde, schenken jede Menge Fahrspaß.