Skandinavien: Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen

Skandinavien: Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen


Ab in den Norden!

Jahrhundertsommer in Europa. Die Äcker trocknen aus und die Menschen leiden unter Temperaturen von 40 Grad. Kein Mensch braucht im Jahr 2003 einen Urlaub in Südeuropa. Aber wenn Diddi und ich eine Tour planen, geht es eh in den Norden.

Durch Taiga und Tundra zum Eismeer

Diese Ochsentour beginnt im Kreis Herford, geht über Dänemark, Schweden, Finnland bis nach Lappland, zum Norwegischen Eismeer am 71. Breitengrad. Als Rückweg wählten wir die E6 durch Norwegen mit Abstecher über die Lofoten und im Süden des Landes am touristisch beliebten Geiranger Fjord vorbei. Diddi startet mit seinem HMO Gespann aus den 70er Jahren und einer Laufleistung von rund 300.000 Kilometer. Ich treibe meine XTZ 750 Ténéré Richtung Norden. Seit Jahren zieht es uns nur in diese eine Richtung. Immer nach oben. Hammerfest, Eismeer, Polarkreis, dass sind Ziele die uns anziehen. Mit dem Motorrad durch die Taiga, wie in Lappland, oder Tundra, wie in Nordnorwegen. Hier wird man zum Polarbiker, ein tolles Gefühl, dass jeder kennenlernen sollte, der Motorrad fährt.

Sonne über dem Polarkreis

Es sollte eine besondere Tour werden, eine Fahrt bis an das Eismeer. Also peilen wir Schweden an, das wir im Süden Richtung Stockholm durchqueren, um die Fähre nach Turku in Finnland zu nehmen. Dort ist die finnische Wildnis unser nächstes Ziel: Lappland. Zielstrebig fahren wir gen Norden um bei Rovaniemi den Polarkreis zu überqueren. Der Jahrhundertsommer verfolgt uns sogar bis in den hohen Norden, bei 25°C treffen wir auf Santa Claus, der hier oben sein Domizil hat und fühlen uns bei diesen Temperaturen gar nicht nach Polarkreis. Doch der Vorteil liegt auf der Hand, wir haben nicht nur herrliches Motorradwetter, sondern auch keine Moskitos. Die fühlen sich bei dem trockenen Sommer nicht wohl. In Tankavaara schürfen wir erst einmal Gold um unsere Urlaubskasse wieder auf zu füllen. Ich habe kein Glück und Diddi findet nur ein Staubkorn. Also bleibt die Kasse leer und wir machen uns weiter auf den Weg nach Norden. Wir überqueren die Grenze zu Norwegen machen Rast an einem kleinen Wasserfall, an dem wir die Lachse springen sehen. Sie sind auf dem Weg zu ihren Laichstellen und überwinden den 2-3 Meter hohen Wasserfall mit einem riesigen Satz. Ein tolles Schauspiel.

Abseits der "Touris"

Auch wir wollen hoch hinaus und zielen Gamvik an. Kaum einer kennt diesen Ort, an dem es keine "Touris" gibt. Für uns ein Grund mehr den kleinen Fischerort am 71. Breitengrad zu besuchen. Gamvik liegt auf der Höhe der Nachbarinsel, dem Nordcap, wo die Touristen sich in Massen treffen. Nichts für uns, wir wollen zwar auch die tolle Natur, die traumhafte Tundra - aber für uns alleine. Der sonore Sound der Bikes begleitet uns auf den einsamen Tundrastraßen, der tief stehenden Sonnen entgegen. Hier ist das Motorradfahren ein Genuss. Wir fliegen mit den Möwen am Eismeer um die Wette. Keine Autos, keine Leitplanken und auch keine Bäume, die uns in den Wäldern Lapplands tagelang begleitet hatten. Selbst im einsamen Gamvik steht uns für die Nacht eine Hütte zur Verfügung. Ein Holländer vermietet sie uns. Sehr groß und mit einem Zimmer für jeden von uns. Am Abend sitzen wir in der untergehenden Sonne und beschließen, über die E6 zurückzufahren und den Lofoten noch einen Besuch abzustatten. Es ist unvorstellbar, aber wir haben den 71. Breitengrad erreicht ohne nennenswert nass zu werden. Der Sommer reicht diesmal bis in die arktischen Tundren im Norden Norwegens.

Stürmische Heimreise

Tags drauf geht es auf der E6 Richtung Hammerfest und wir haben schon 3.500 Kilometer hinter uns gebracht. Als wir die Lofoten erreichen, finden wir auch das norwegische Wetter wieder, das wir von vorherigen Touren in dieser Region kennen. Hier ist das Wetter alle viertel Stunde anders. Man kann sich nicht drauf einstellen. Wenn die Sonne scheint, kann es nach dem nächsten Fjord wieder regnen. Die Lofoten zeigen sich leider nur unter Wolken. Eine kleine Traumwelt für sich, wo die Holzhäuser vor den großen Bergen wie eine Spielzeugwelt wirken. Auf der Fähre zurück nach Bodo, machen wir mit der rauen See Bekanntschaft. Die Fähre schaukelt wie eine Nussschale und wir verbringen die Zeit lieber an Deck, weil es unten nicht auszuhalten ist. Der Magen spielt verrückt, überall hängen Menschen über die Reling und bringen ihr Frühstück weg. Der Seegang ist so heftig, dass Stühle durch die Gegend fliegen und ich mich um die Bikes unter Deck sorge. Wieder festen Boden unter den Füßen muss ich erst Mal fahren, um den Magen zu beruhigen. Nach einer Stunde brauche ich dann eine riesige Pizza mit Rentierfleisch. Gott sein Dank, sie bleibt drin.