Südamerika Patagonien

Südamerika Patagonien


Mit 4 Harleys durch Patagonien nach Feuerland

Schlafen? Wenn, dann im Zelt. Essen? Alles, was dem Leatherman nicht genug Widerstand leistet. Trinken? Das südlichste Bier der Welt. Trinkspruch? It´s not the end of the world, but we can see it from here.

Ziel: Das Ende der Welt

Anfang Dezember, Würzburg, Europa. Vier Sympathieträger - Joe, Paul, Tommy und Volker - aus den öligen Tiefen der W&W-Katakomben starten mit zwei Starrahmen-Knuckleheads, einer Starrahmen-Panhead und einer Evo Sportster zu einer Testfahrt der erbarmungslosen Art.

Gib Gummi

Sie machen sich auf den Weg nach Buenos Aires, um dort ihre V-Twins zu besteigen. Doch die Bikes hängen noch in Europa fest. Morgens dann die gute Nachricht: Früher als gedacht sind die Bikes da, und werden aus ihren Holzkäfigen befreit. Morgen soll´s endlich losgehen. Jetzt ist Morgen und es schifft wie aus Kübeln. Also erstmal entspannt fertigpacken. Dann lässt der Regen nach: 400 km auf der Ruta 3 nach Azul. Pflichtbesuch im Globetrotter-Treff "La posta del viajero en moto". Eine bescheidene Hütte mit Werkstatt, übersät von Sprüchen von Moteros aus aller Welt. Der Tag endet traditionell: Asado, Bierchen, Bett. Hinter Azul wird´s topfeben. Also entspannt geradeaus rollen, mitten durch Millionen von Schnitzeltieren, sprich Rindern. Endlich ein offizielles Schild: Hier beginnt Patagonien. Wenig später fängt Volkers Evo an zu schlingern. Zwei Speichen waren gerissen und hatten den Schlauch aufgeschlitzt, aber das ist kein großes Problem, alle Ersatzteile sind dabei und nach einer Stunde geht´s weiter.

Pinguine und Pannenpost

Bei einer kleinen Testfahrt auf der Halbinsel Valdez gibt es gleich das volle Programm: fieser Schot-t-t-t-t-ter, beinharter Wind und gnadenloser Staub. Kurze Erholung in Punta Norte: Pinguine, Seelöwen, Seeelefanten. Doch die zweirädrige Realität ist schnell zurück: Schwarze Wölkchen zucken aus Pauls Schüssel. Tja, das untertourige Schotter-Gejuckel verschmoddert einfach die Kerzen. Also raus, neue rein: Vroooom! Es bleibt monumental, nur die Ortschaften werden immer kleiner und die Geraden immer länger: 200 km nahezu kurvenfrei von Paso de los Indios bis Tecka, einem zerzausten Nest mit Tankstelle. Danach endlich: Ruta 40. Der erste Gummiabrieb auf einer Straßenlegende. Jetzt ist endgültig Schluss mit dem Hobby-Geöttel. Ganz klar, die Ruta 40 trennt die Memme vom Mann.

Ein brasilianischer Biker, der auf seiner Yamaha von Süden kommt, bringt frohe Kunde. Die 40 sei in erbärmlichem Zustand und der Wind käme aus einer Kanone. Na, das klingt doch verlockend, wer schippert schon 4 Harleys nach Südamerika, um dann einen Puschelcruise zu machen. Dann rockt die Ruta 40: ein Alptraum von Flusskiesel-Schotterpiste. Mehr als 25 mph sind für Starrahmen nicht drin. Gut für den Sportster-Evolutionisten Volker, der kann vorbrettern und mit der Kamera lauern. Nach 5 Stunden Arschmassage und Schottersurfen ist Perito Moreno erreicht. Guten Appetit mit selbstgedengelten Chorizo-Schinken-Käse-Oliven-Toasts. Beim Frühstück wird gemunkelt, die Ruta 40 sei ab Perito Moreno besser. Und Tatsache: der Schotter wird freundlicher, 30 bis 50 mph sind stellenweise möglich. Das Tagesziel Bajo Caracoles besteht aus ein paar Häusern und einer Tankstelle inklusive Gasthaus.

Glücklicher Schottersalto

Pauls Kette braucht wieder Service, der feine Staub macht der Kette zu schaffen. Für großes Amusement sorgt die Beschwerde aus Deutschland, unsere Bilder seien zu lasch, da sei keine Action drin. Leute, die Ruta 40 ist eine teuflische Straße mit Schotter zwischen Haselnuss- und Faustgröße, Spurrinnen des Todes und Schlaglöchern in denen problemlos ein Schaf verschwindet - naja, jedenfalls gilt: ein falscher Blick oder ruckzuck Beule. 230 km sind geplant, es werden nur 50 km. Beim Runterschalten blockiert das Hinterrad von Tommys Pan. Unter dem Getriebe eine fette Öllache. Das sieht nicht gut aus. Wie bestellt kommen zwei deutsche Bergsteiger mit ihrem Mitsubishi-Pickup vorbei und verfrachten die Panhead wieder zurück nach Bajo Caracoles. Diagnose: das Getriebegehäuse ist von oben nach unten gerissen. Satellitentelefonisch wird organisiert, dass das Getriebe der Schwester-Panamericana-Pan geschickt wird. Für einen dicken Stapel US-Dollar werden Tommy und Bike per Pickup nach El Calafate geschaukelt.