Syrien

Syrien


Eine Wintertour

Die SilverX von Wunderlich, die sich schon auf meiner Tour nach Sibirien besten bewährt hat, ist bereit für eine neue Herausforderung: Ausgestattet mit den Neuentwicklungen aus der Ideenschmiede Wunderlich soll es diesmal in Richtung Syrien gehen

Zusatzausrüstung notwendig

Neu an der Maschine sind neben den schon bewährten Zubehörteilen wie die Odysee Reinbleibatterie, dem BLUE Luftfilter, der ERGO Einzelsitzbank und den Micro Fluter Zusatzscheinwerfern die neue VARIO Lenkererhöhung, die ERGO Tourenscheibe, Fußschützer, Cruisecontroll, ein Quadt-D Auspuff und ein höheres WILBERS Fahrwerk. Für besten Grip sorgt wie immer der TKC 80 von Continental. Da es sich um eine Wintertour handelt bin ich zusätzlich mit Lenkerstulpen und Schneeketten ausgerüstet.

Mit Schneeketten durchs Schneechaos

Kaum habe ich Deutschland verlassen, beginnt es in Österreich zu schneien. Es ist der erste Schnee in diesem Jahr und innerhalb von einer halben Stunde ist die Autobahn nach Graz im Schneechaos versunken. Ich ziehe auf dem Randstreifen die Schneeketten auf und fahre grinsend am Stau und den querstehenden LKWs vorbei. Selbst bei 80km/h hat man auf geschlossener Schneedecke noch ein gutes Fahrgefühl.

Ich übernachte nach gut 500km in einem kleinen Ort an der Autobahn und am nächsten Morgen ist fast das ganze Dorf auf den Beinen um den "verrückten Deutschen" zu sehen, wie er mit Schneeketten und einem vollbeladenen Motorrad in Richtung Süden fährt. Durch Slowenien, Croatien und Serbien geht es weiter in Richtung Süden und schnell lerne ich die Vorzüge der ERGO Sitzbank kennen - auf der Sitzbank von BMW hätte ich sicher schon wieder Sitzprobleme. Vom Schnee bleibe ich verschont, dafür wird es bei Sonne und blauem Himmel bitter kalt. Die ganze Landschaft ist von einem märchenhaften Reifschleiher überzogen und die Fahrt auf einer fast verkehrsfreien bestens ausgebauten Straße ist die wahre Wonne und dank der Lenkerstulpen und der Griffheizung habe ich nicht mal kalte Finger.

Weiße Engel

In Serbien werde ich am Ende eines sonnigen und kalten Tages von den Mitgliedern der "White Angels", dem Motorradclub von Pirot, aufgelesen und fürstlich versorgt. Schneller als gedacht erreiche ich nach einer wunderschönen Fahrt durch Bulgarien, bei der ich einen kleinen Streckenteil von bulgarischen Motorradfahrern begleitet werde, die türkische Grenze. Brav reihe ich mich in die Autoschlange ein. Ein älterer Herr gibt mir zu verstehen, dass ich das nicht müsste und winkt mich nach vorne. Ich gebe ihm meine Papiere und fahre zum Geldwechseln ein Stück auf dem Zollgelände zurück. Als ich zurückkomme, werde ich durch eine wartende Menschentraube zum Counter gebeten und meine Zollpapiere sind schon fertig.

Ein letzter Stempel in den Pass und ich bin in der Türkei. Auf einer nagelneuen Autobahn galoppiere ich gen Instanbul und habe in der Peripherie von Istanbul Gelegenheit, mich an den Türkischen Verkehr zu gewöhnen. Hier sind die asphärischen Rückspiegel wirklich überlebenswichtig um nicht unter die Räder zu kommen. Nur von einigen Mautstellen unterbrochen düse ich inmitten des heftigen Verkehrs über den Bosporus und lasse Europa hinter mir. Noch immer scheint die Sonne an einem makellosen, blauen Himmel und der Wind weht leichte Schneefahnen über die Straße. Die Fahrbahn selbst ist trocken und schneefrei - was man von den Tankstellen nicht immer behaupten kann. Dort ist es einmal so glatt, dass mir die Maschine zwischen den Beinen wegrutscht. Aber dafür habe ich ja Sturzbügel.

Kurz hinter Ankara passiert es dann doch, ich komme bei etwa 120km/h mit dem Hinterreifen auf ein kleines Eisstück und verliere die Kontrolle über das Motorrad. Die Bekanntschaft mit dem türkischen Asphalt ist hart und heftig. Der erste Blick gilt der Maschine und diese hat dank den Sturzbügeln und GOBI Koffern nur kleine Schäden. Ich selbst habe eine Gehirnerschütterung und Prellungen. Glück gehabt! Dank dem ADAC werden alle Formalitäten schnell geregelt, ich stelle das Motorrad beim Türkischen Zoll unter und gönne mir einen 5-wöchigen Genesungsurlaub in Deutschland.

Endlich wieder unterwegs!

Anfang März geht es weiter. Ich fliege zurück nach Ankara, hole mit Hilfe des ADAC mein Motorrad aus der Zollverwahrung und mache in wenigen Tagen das Motorrad mit den Ersatzteilen wieder flott, die ich aus Deutschland nach Ankara geschickt habe.
Auf verträumten Straßen fahre ich nach Capadokien und genieße die wunderschöne Landschaft und bestaune die Kreativität der Natur, die hier unglaubliche Steinformationen geschaffen hat. Faszinierend zu sehen, wie unsere Vorfahren sich diese Felsen zu Nutze und zu Wohn- und Gebetsstätten umgebaut haben. Hier gibt es einige der ältesten, christlichen Kirchen zu bestaunen - tief in den Fels gehauen. Natürlich übernachte auch ich in einer Felsenkammer.

Als ich am nächsten Morgen aus dem Fenster schaue, traue ich meinen Augen nicht, die Landschaft und mein Motorrad verstecken sich unter gut 10cm Schnee. Trotzdem wage ich mich mit der BMW auf ein paar verschlammte Feldwege, um mir die Felsformationen und Steinwohnungen genauer ansehen zu können und gönne mir - völlig verdreckt mit einem breiten Grinsen im Gesicht einen dampfenden Pfannkuchen zum Frühstück. Ich sitze auf der Terrasse des Cafés, vor mir die grandiosen Felsformationen, am Himmel schnell ziehende Wolken und aus dem Lautsprecher kommen leise, orientalische Töne - die pure Magie. Es folgen 350km durch die Anatolischen Berge. Auf einer genialen Straße geht es über hohe Pässe, vorbei an Schneewänden und hohen, schneebedeckten Gipfel, durch kleine, vergessene Ortschaften und erst am Ende des Tages werden die Berge flacher und die Luft merklich wärmer. Der einsetzende Dauerregen kann mich nur kurz aufhalten, denn letztendlich setzt sich die Sonne durch.

Orientierungslos

Die Einreise nach Syrien ist auch ohne "Carnet de Passage" kein Problem, da ich sofort einen jungen Mann an meiner Seite habe, der mir hilft. Kurz bevor ich den letzten Stempel erhalte, entdeckt ein Beamter mein GPS-PDA und beschlagnahmt dieses - ich soll es bei der Ausreise wieder abholen und bekomme ein Papier mit vielen Stempeln und Unterschriften dafür. Syrien empfängt mich mit einer unglaublichen Herzlichkeit und Wärme. Ein Land, in dem ich mich sofort wohl fühle. Gleich beim ersten Tankstopp bekomme ich von einem alten Mann einen Becher mit syrischem Kaffee angeboten, der in seinem Geschmack die ganze Vielfalt des Landes in sich vereint. Ich bestaune die vielen Zeugnisse der frühen Vergangenheit, lerne eine Menge interessanter Menschen kennen und mache natürlich einen ausgedehnten Ausflug in die Wüste.