USA: Alaska

USA: Alaska


Ruf der Wildnis- eine Reisetagebuch

Die Tlingit Indianer, Ureinwohner dieses riesigen Gefrierschranks im hohen Norden der Vereinigten Staaten, nennen dieses beeindruckende Land "Aleyska" - weites Land.

Wir nennen es Alaska

Vier mal so groß wie die Bundesrepublik, aber nur 660.000 Einwohner, was etwa der Anzahl der Bewohner von Frankfurt am Main entspricht. 260.000 leben in Anchorage, 85.000 in Fairbanks. Der Rest verteilt sich auf kleine Ortschaften entlang der Highways, oder lebt, nur per Flugzeug erreichbar, in der Wildnis, dessen Ruf Dieter und ich nun folgen. Nachdem wir unsere Motorräder abgeholt haben, heißt es Alaska zu erobern. Auf dem Seward Highway geht es nördlich Richtung Denali Nationalpark. Der Park ist für den Privatverkehr gesperrt. Also buchen wir eine Busfahrt. Unterkunft finden wir in der Nähe im "Crow Nest Cabin". 169 US Dollar für zwei Nächte. Eine miese Hütte mit noch mieseren sanitären Anlagen. Das in Alaska alles rund 40 % teurer ist als in den "lower 48", ist klar, aber ein bisschen Qualität wäre wünschenswert.

3. Tag

Die Fahrt durch den Park ist für 18-31 Dollar zu haben. Wir buchen die Tour 65 Meilen in den Park hinein, bis zum Eielson Visitor Center. Kein Bus ohne deutsche Touris. Was soll's. Wo man auch hinkommt, die Deutschen sind schon da. Kaum sind wir unterwegs, taucht ein Grizzly auf und läuft direkt am Bus vorbei. Insgesamt sehen wir 7 Bären und einige Karibus. Der Hammer ist eine Wolfsfamilie die in größerer Entfernung zu sehen ist. Nach 8,5 Stunden geht die Fahrt durch die traumhafte Landschaft zu Ende und wir haben Bären und Wölfe gesehen - ein Muss für einen Alaska Trip.

5. Tag: 234 Meilen

Nun hat uns der Mythos Alaska Highway in seinen Bann gezogen. Ab Delta Junction wo am Visitor Center für jeden ein Certificate ausgestellt wird, der den Alcan bereist hat, wird nun der Highway der Highway's unter die Stollenräder genommen. Die Dame im Visitor Center spricht mich auf Deutsch an, sie ist aus Düsseldorf. Deutsche leben überall. Wir folgen dem Alcan bis Tok und biegen dann auf den Taylor Highway ab. Aus dem Taylor Highway wird später der Top of the World Highway, der erst in Dawson City endet. Die Wälder entlang des Taylor's werden zum größten Teil abgebrannt, was der guten Aussicht nicht gerade förderlich ist. Da die Sonne zu dieser Jahreszeit und so nah am Polarkreis nicht wirklich untergeht, horcht man nachts schon mal in die Wildnis. Haben die Speisereste einen Meister Pest angelockt? Der alte Mann, der nicht weit von unserem Zelt in seinem Wohnwagen wohnt sagt, es sei hier schon lange kein Bär mehr gesehen worden. Der hat gut reden. Wir schlafen schlecht, was aber an der Kälte liegt. Am Morgen sind wir wie gerädert und durchgefroren.

6. Tag

Ein paar Meilen weiter geht es über die Grenze in den Yukon (Kanada). Wir werden gefragt, ob wir Waffen oder Bärenspray einführen. Ich frage scherzhaft, ob wir Bärenspray haben sollten und die junge Rangerin sagt, dass vor einer halben Stunde ein Bär am Highway gesichtet wurde. Ich denke, der kann schon sonst wo sein. Zwei Meilen weiter traue ich meinen Augen nicht. Ein Grizzly will mir die Straße streitig machen. Ein tolles Erlebnis, einem Bär die Vorfahrt zu lassen. Es ist ein Genuss hier Motorrad zu fahren. Es scheint als wären wir auf dem Dach der nordischen Welt allein unterwegs. Das "große Wasser" liegt im Tal vor uns. Das ist die Übersetzung für Yukon River. Mit der Fähre setzen wir über nach Dawson City. Die Fassaden der Stadt sind noch wie zu den Zeiten des Goldrausches. Eine kleine urige Stadt, in der wir sofort ein Zimmer im Bunkhouse Hotel finden. Es ist in deutscher Hand, sauber und günstig. Weiter geht es zu Diamond Tooth Gerties, die wahrscheinlich nördlichste Spielhölle der Welt. Hier kann man Dollars verzocken oder Can-Can Girls bei ihrer Show zuschauen.

8. Tag: 221 Meilen

Der Klondike Highway trägt uns südlich Richtung Whitehorse. Mitten in der Wildnis machen wir eine Pause am Straßenrand. Dort wohnt Dan, mit dem wir ins Gespräch kommen. Er lebt allein mit seinem Hund in der Wildnis und baut kleine Blockhütten. Er liebt die Einsamkeit, nur einmal in der Woche kommt seine Frau. Mehr muss man sich nicht sehen meint Dan. Nachts kommen die Bären hin und wieder um an Benzinbehältern zu schnüffeln, sagt Dan. Auch Bären haben gern mal einen Rausch. Wir lauschen noch lange seinen Geschichten, bevor uns der Klondike Highway wieder hat und uns den Weg durch den Brandqualm zeigt.

12. Tag: 149 Meilen

Da die Wale im Prince William Sound auf uns warten, fahren wir den Richardson Highway südlich. Rechts und links sind die Chugach Mountains ohne den Qualm der vergangenen Tage, klar und in voller Schönheit zu sehen. In der untergehenden Sonne machen wir einen Spaziergang durch den idyllischen Hafen der Fischerstadt Valdez. Wir wollen die Fähre nach Whittier nehmen, die uns durch den Prince William Sound führt. Dieser wurde Mitte der 80er Jahre durch eine fürchterliche Katastrophe berühmt. Der Tanker Exxon Valdez verunglückte und 42 Mio. Liter Rohöl ergossen sich in den Sound und verseuchten 1.000 km Küstenlandschaft. Die Natur scheint sich, zu mindestens äußerlich, wieder erholt zu haben, die Gletscher sind weiß und die Wale, Seelöwen und andere Tiere so zahlreich wie vor dem Unglück.