Mit dem Roller durch das Mittelmeer

Mit dem Roller durch das Mittelmeer


Der kleine Roller und das große Meer

Damals musste ein Tourenzweirad mindestens zwei Zylinder haben, viel Platz und viel Leistung.

Ja, Ja damals

Seit dem Jahre 2002 weiß ich nun, daß das nicht so sein muß. Zweirad fahren bedeutet Spass, zwei Räder und fahren. Mit dieser Einstellung startete ich am 27 Dezember 2001 bei minus 5° Grad zu einer abenteuerlichen Reise mit dem Ziel: das Mittelmeer zu umrunden.
Um nicht gleich diese Herausforderung mit einer Grippe zu belasten, gab ich dem 250 ccm Kymco Roller ordentlich Gas um von Konstanz an das Meer zu kommen.Das Mittelmeer, ist ein großer Klimaspeicher. Es hat in seinem Umfeld doch etwas wärmere Temperaturen als unser schwäbisches Meer, so dachte ich mir dabei. Die Autofahrer staunen nicht schlecht als sie den voll beladenen Roller mit dick eingepacktem Fahrer auf der Autobahn dahin rollern sehen. Nach fast 500 km gelange ich in die Nähe des Mittelmeeres, wo ich für die erste Nacht das Zelt aufschlage. An das Rauschen des S- Trekkingzeltes muß ich mich erst noch gewöhnen, ständig wache ich auf. Fremde Geräusche rauben mir den Schlaf.

Das Zelt ein Stück Freiheit

Am nächsten Tag folge ich der Küstenautobahn in Richtung Gibraltar.
Nun bin ich doch richtig froh bei der Wahl meines Reisegefährtes, ein Fahrzeug mit 250 ccm Motor gewählt zu haben. Das wassergekühlte 2 Ventil, 4 Takttriebwerk macht trotz dem reichlichen Gepäck erst bei 120 km/h schlapp.
Eines meiner Reiseziele ist die kleine Stadt Figueres. Die Geburtsstadt des berühmten, illusorischen, surealistischen Malers Salvador Dali.
Nach einem kurzen Stopp und Besuch des dort ansässigen Museums führt mich die Autobahn weiter nach Barcelona. Auch diese Stadt ist sehenswert. Ich schlendere über die Rambla, die berühmte Hafenmeile und genieße die mittlerweile angenehme Temperatur, welche um die 18 ° Grad liegt. Noch vor drei Wochen gab es hier jede menge Schnee und Chaos.

Rollern an der Rambla

Bei Murcia biege ich in das spanische Hinterland ab. Viele kleine Dörfer liegen auf dem Weg. Einen Aufenthalt wert ist "Alhama de Granada", die Seele Granada. Auch auf den kleinen Landstraßen fühlt sich der Roller wohl. Willig klettert er das teilweise gebirgige Hinterland hoch. Die Kurven zu fahren macht nach den über tausend Kilometern auf der Autobahn richtig Spass. Abseits der Autobahn findet man immer ein ruhiges Plätzchen für das Zelt. Die ländliche Bevölkerung Spaniens ist sehr freundlich. Statt mit mir zu schimpfen, daß ich in seiner Orangenplantage zelte, begrüsst mich "Jesus" mit einem freundlichen " Hola hombre que tal" und frischen Orangen. Müde komme ich nachts in Algeciras an. Algeciras ist das Tor nach Afrika. Obwohl ich den Roller zwischen noch 30 anderen Scootern parke fällt er auf. Er wird sofort umrundet. Es folgen lustige Gespräche und anerkennende Blicke, als ich erzähle: "ich bin von Deutschland in drei Tagen hierher gerollert".

Ich genieße die letzte Nacht in Europa sehr. Der Festplatz ist noch weihnachtlich geschmückt und alle Welt bereitet sich auf den Jahreswechsel vor. Ich bummle durch die kleinen Gassen und esse eine gefüllte Riesenkartoffel. Um an dieses köstliche Mahl zu gelangen muß ich fast 45 min in einer Schlange anstehen. Aber es hat sich wirklich gelohnt. Ich sitze mitten in einem Mix der verschiedensten Menschen und Kulturen. Hier mischen sich Europäer, Araber und Afrikaner.

Der schwarze Kontinent ist nicht mehr weit entfernt

Um 8:00 Uhr legt die Fähre nach Tangier, Marokko ab. Ich binde meinen Roller selber fest, für die zweieinhalb Stunden dauernde Überfahrt nach Afrika, "denn besser ist das". Vorbei an menschenleeren, weißen Sandstränden führt mich der Weg nach Casablanca. Dort verbringe ich ein paar Tage bei Rachid, dem Bruder eines in Deutschland lebenden Marokkaners.

Der Glauben, braucht Platz

Eines der touristischen Sehenswürdigkeiten dort ist, die zweitgrößte Moschee der Welt, Hassan 2. Sie ist die Größte, für nicht Moslem zugängliche Moschee. Drei schöne Tage verbringe ich in Casablanca. Es gibt dort eine kleine Altstadt mit orientalischem Markt und viele Plätze, wo alte Traditionen, wie die der Wassermänner, gepflegt werden. Ich werde von Rachid an seine Familie nach Rabat weitergereicht. Der Hauptstadt von Marokko ist eine der lebhaftesten Städte an der atlantischen Küste. Meine neue Familie ist sehr bemüht mir die Stadt zu zeigen. Wir gehen durch die überlaufenen Gassen des Suqs, dann nach Ludäa einer alten Festungsanlage und zum Königspalast. Im Gegensatz zu Casablanca sind hier vermehrt Touristen anzutreffen. Die Weiterfahrt am nächsten Morgen geht in östliche Richtung zur algerischen Grenze.

Natürlich wußte ich, daß die Landgrenze zwischen Marokko und Algerien seit vielen Jahren geschlossen ist, aber ich mußte mich mit eigenen Augen davon überzeugen. Auf dem Weg nach Oujda, der Grenzstadt nach Algerien fährt man an Fes vorbei. Die berühmte Touristenstadt ist wirklich ein Stopp wert. Man wird mit alter Handwerkskunst, Geschichte und Kulturen konfrontiert. Es ist eine Reise in die Vergangenheit.

Das Handwerk lebt in Marokko

Nach einem Plausch morgens um drei Uhr mit den Zöllnern an der Grenze rollere ich zurück ans Mittelmeer nach Melilla. Die Nacht auf dem Roller ist wieder lausig kalt, minus 5° Grad zeigt das Thermometer an. Die Saharakälte ist zwar angenehmer als unsere feuchte Kälte, aber minus 5 Grad sind halt minus 5 Grad und"-bibber". Mit klappernden Zähnen passiere ich den Zoll morgens um 3 Uhr nach Melilla, der spanischen, autonomem Provinz auf dem afrikanischen Kontinent.

Das Mittelmeer verbindet die Kontinente

Direkt über der Brandung des Mittelmeeres verbringe ich die Nacht. Da ich hundemüde bin, baue ich das Zelt erst gar nicht auf und mümmle mich einfach in den Schlafsack ein. Um 22:00 Uhr legt die Fähre ab. Es geht nach Alicante, einer kleinen, spanischen Hafenstadt. Nur 6 Stunden dauert die Überfahrt zurück nach Europa. Von dort führt mich die bekannte Küstenautobahn bis nach Almeria. Der Hafen dort ist der Ausgangspunkt für Fähren nach Algerien. Leider sind Sonntags keine Informationen zu erhalten. Die Tourist- Information ist geschlossen. Deshalb weiß ich nicht wann, wo und wie das nächste Schiff nach Oran in Algerien ablegt. Es bleibt mir nur der sichere Weg übrig und das bedeutet weiter fahren nach Marseille. Von dort gibt es fast täglich Fährverbindungen nach Tunesien. "Tja, leider nicht jeden Tag".

Das nächste Schiff zurück nach Afrika legt erst in zwei Tagen ab. Das heißt für mich, nur noch einen Tag Zeit um Tunesien zu durchqueren um pünktlich am 11.01.02 am libyschen Zoll zu sein. Das Visum läuft sonst aus und die Mittelmeertour stirbt. Nachdem mir ganz gewalttätig das Gesicht entgleist und ich alle Hoffnung, für einen Moment, das Mittelmeer umrunden zu können schwinden sah, kam der rettende Gedanke "ein anderer Hafen. Ich frage die Schalterdame nach einem anderen Hafen von welchem ich aus nach Afrika gelangen kann. Dank ihrem Computer erhalte ich die rettende Auskunft "morgen um 12:00 Uhr von Genua geht eine Fähre nach Tunis. Mit der schriftlichen Bestätigung in Händen fahre ich in die Nacht nach Genua. Auf die vierhundert Kilometer mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an.