5. BMW Bikermeeting in Garmisch-Partenkirchen

5. BMW Bikermeeting in Garmisch-Partenkirchen


Almauftrieb 2005

Alle Jahre wieder ruft BMW die Kuhtreiber ins schöne Garmisch und sie kommen in Massen. 30.000 waren es im letzten Jahr, nur der starke Regen hat in diesem Jahr wohl einen neuen Besucherrekord verhindert. Der lässig-guten Laune tat ein bisschen erhöhte Luftfeuchtigkeit jedoch nicht den geringsten Abbruch, immerhin gab es auch ein besonderes Geburtstagskind: Die GS ist 25 geworden.

Weiß-blaue Propeller

"In Bayern gehen die Uhren anders", sagen die Bayern. In Bayern gehen auch die Biker-Treffen anders: Das ganz eigene, lockere Flair des riesigen BMW Bikermeetings sollte man einfach mal erlebt haben. Wer weiß-blaue Propeller auf der Maschine hat, der muss eigentlich. Wir schickten deshalb unseren Auslandskorrespondenten im fernen Bayern auf der Japanischen unter die Propellermaschinen.
Den nicht ortskundigen mag Garmisch ein bisschen wie einer der vielen Ärsche der Welt erscheinen, aber freizeittechnisch wie geographisch könnte es eigentlich kaum besser sein: Man kann fahren, fliegen, radeln, laufen, skifahren; es ist ein Katzensprung über die Alpen. So ist denn auch der Besucherstrom sprachlich sehr gemischt: Man spricht viel italienisch, viel englisch, österreichisch, natürlich bayerisch und deutsch ist auch dabei.

Des Himmels Schleusen

Schon im Anflug wird klar, welche Ausmaße die Sache haben wird: Alle paar Kilometer passiere ich kleine BMW-Herden, die wie ich gen Süden ziehen. Und das trotz einem Wetter, das sich selbst, die Maschinen und die Fahrer bis auf die Unterhosen gewaschen hat, mit Regentropfen, die sich teils anfühlen wie Kugellagerkugeln aus Petrus' BMW. Zum Glück verregnet es niemand die gute Stimmung: An den Autobahntanken nur erwartungsfrohe Gesichter und fröhlicher Galgenhumor beim Socken auswringen. Die Waschlappen reisten in der trockenen Büchse an. Die Waschlappen, die die anderen Waschlappen „Waschlappen“ nennen wollten, mit Hänger.

Ankunft Garmisch, kurzer Stopp am Wellenbad. Die Pflicht ruft, also schnell Sachen ablegen, Handschuhe auswringen, Schuhe ausleeren, trockene Socken anziehen. Das Handy tut keinen Mucks mehr. Liegt vielleicht daran, dass es im Regenwasser der Jackentasche schwimmt... Wurscht. Ted Simon hatte auch kein Handy, also ab an den Hausberg. Aus dem Augenwinkel fällt ein X5 mit Beschriftung "Shuttle" auf, aber ich bin nicht 400 km geschwommen, um dann im Auto auf dem Bikermeeting anzutreten.

Fly Performance

Nach draußen lockt die Show der Stars des Erzberg-Prologs Simo Kirssi, Jimmy Lewis und Lokalmatador Christian Pfeiffer, die auf ihren Renn-HP2-Enduros über den engen Mountainbike-Kurs am Hausberg brettern. Christian fährt auf dem Hinterrad den Berg hoch und kommt auf dem Vorderrad runter. Auf Schotter, wohlgemerkt. Simo Kirssi fuhr gar einen neuen Streckenrekord (09:02:67) und gab BMW so berechtigten Grund zum Angeben.

Zwischen den Shows darf sich der Rest der Welt am Parcours versuchen. Auf der GS 1200 oder der F 650 tuckern Grüppchen im Gänsemarsch hinter dem Instruktor durch den Matsch. Großer Spaß! Weiters wollen natürlich alle neuen BMW-Modelle durch die Alpenserpentinen probegescheucht werden. Zeit, sich die neue K 1200 R anzuschauen. Eigentlich isse ja eher ein Dragster als ein Roadster, der ewig lange Radstand macht einen zum King of the Ampelstart. Verbundbremse, ABS, Hossak-Längslenker: "Keine Stoppies auf der K," erzählt mir Pressesprecher Stoffregen, aber bis Chris Pfeiffer die K in die Mangel genommen hat, bleibt das erstmal als unbewiesene These stehen.

Bier und Zelt

Abends gibt es Lagerfeuer für die ruhigen Gemüter und Bierzelt für die Party-Laune. Freitagabend führen ein Breakdancer und ein paar Models BMW-Mode vor und wir singen der GS ein Geburtstagsständchen zu ihrem Vierteljahrhundert. Samstagabend ist das Zelt noch voller, die Stimmung noch heißer. Patriotisch singen wir Klassiker wie "In München steht ein Hofbräuhaus" und "Viva Colonia", sorry, "Viva Bavaria". Die Gaudiband „Blechblosn“ schafft es sogar, das grobmotorische Konzept des Schunkelns den ausländischen Gästen zu vermitteln. Eine halbe Stunde später tanzen alle auf den Tischen. Spät in der Nacht schaut der Polizeichef von Garmisch vorbei und gewährt großzügig eine Verlängerung.

Auf den Weg

Am Sonntag, zur Abreise, gibt sich das Wetter von seiner besten Seite: Strahlend weiß-blauer Himmel, ein laues Lüftchen und nur Sonnenschein. Es gibt Weißwurstfrühstück im Freien, zum Gemurmel zweier Priester. Als Zugeständnis an den Multikulti-Aspekt des Treffens darf dem katholischen ein evangelischer Pfarrer zur Seite stehen. Für Emotionen und Unterhaltung dabei sorgt ein Gospel-Chor. Ein Priester will durch die Reihen gehen und Motorräder mit Weihwasser segnend bespritzen. Ich finde, die alte Kawa ist die letzten Tage wirklich genug gewässert worden und trete den Rückzug an. Gleich in Garmisch, auf die Bahn, Gaszug auf Durchzug stellen, Tiefflug... Bis mir einfällt, wo ich bin. Den Rest der Strecke bis München schunkele ich gemütlich über sonnige Serpentinen und Nebensträßchen.

Epilog

Ich oute mich jetzt mal als ignorant. Ich hatte keine Ahnung von diesem Treffen, wusste nichtmal, dass es das gibt. Jetzt hätt ich am liebsten nächste Woche dasselbe nochmal. Allen Mit-Ignoranten können wir den Besuch also warm empfehlen, das Treffen wird auch nächstes Jahr Anfang Juli in Garmisch stattfinden. Wir sehen uns.

Text & Fotos: Clemens Gleich