Baden-Württemberg Sinsheim / Kraichgau / Neckar

Baden-Württemberg Sinsheim / Kraichgau / Neckar


Faszination Technik

Kraichgau? Noch nie gehört! Dabei gibt es gibt mehrere gute Gründe für den Motorrad- und Technikfan, die Region rund um das baden-württembergische Städtchen Sinsheim zu besuchen. Da ist zum einen die alteingesessene Motorradausstellung im Februar jeden Jahres, zum anderen das unweit davon entfernte Auto & Technikmuseum. Dass man hier so ganz nebenbei auch noch traumhaft Touren kann, möchten wir nicht unerwähnt lassen.

Tagestour

Jedem, der die A6 zwischen Heilbronn und Mannheim befahren hat, ist sie sicher schon einmal aufgefallen, die mit der Spitze in die Luft gerichtete „Tupolev 144“. In diesem Moment hat man das Auto & Technikmuseum in Sinsheim passiert. Aber wer reist denn schon als Biker über die Autobahn?

Blick auf den Neckar

Wesentlich motorradfreundlicher ist es, die A5 in Zwingenberg zu verlassen und das Bike über das Felsenmeer Richtung Süden zu steuern. Beerfelden heißt der Ort, in dem man dann verflixt aufpassen muss, um im innerörtlichen Straßenwirrwarr die Richtung Hirschhorn zu finden. In Hirschhorn können wir dann erstmals einen Blick auf den Neckar werfen. Dies sollte man am besten von der Burg aus tun, die über dem Städtchen thront. Besonders Cruiser- und Sportlerfahrer werden jetzt an der B37 Gefallen finden, die sich gut ausgebaut parallel zum Neckar bis nach Gundelsheim schlängelt. Über das besuchenswerte Bad Wimpfen erreichen wir jetzt das Technikmuseum Sinsheim.

Um es gleich vorneweg zu sagen. Das ist keine Ausstellung durch die man mal gerade so durchläuft. Hier kann man sich ohne Probleme einen ganzen Tag aufhalten. Ideal also für einen Zusatztag oder wenn das Wetter mal nicht mitspielt.

Überschall-Riese

Neben die bereits erwähnte „Tupolev 144“ hat sich seit nicht all zu langer Zeit eine „Concorde“ der Air France hinzugesellt. Somit sind hier die beiden einzigen jemals in Serie gebauten Überschallflugzeuge zu besichtigen. Dies ist aber nicht der einzige Grund die gigantische Sammlung an Fahrzeugen auf über 30.000 qm Hallenfläche und weitläufiger Freifläche zu besuchen. Über eine Million Besucher im Jahr sind begeistert davon, was man hier in knapp 25 Jahren auf die Beine gestellt hat. Betreiber ist der Museumsverein, die Finanzierung erfolgt über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Eintrittsgelder. Die Überschüsse werden in den Museumsausbau investiert.

Wer nicht den ganzen Tag Zeit hat, muss unbedingt planen, was er sich in welcher Reihenfolge ansieht. Da wäre zum Beispiel das legendäre Rekordfahrzeug „The blue Flame“, das 1970 auf dem Bonneville-Salzsee mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 1.000 km/h vom Amerikaner Gary Gabelich zum Weltrekord katapultiert wurde.

Prost, Mansell und Senna

Oder die permanente Formel-1-Ausstellung mit den Fahrzeugen von McLaren, Lotus, Williams und Benetton. Namen wie Prost, Mansell und der unvergessene Senna lassen spektakuläre Rennerinnerungen am geistigen Auge vorbeiziehen. Schlagartig wird beim Anblick des Benetton bewusst, wie lange Michael Schumacher dieser Sportart seinen Stempel aufdrückt hat.

Großes Erstaunen auch in der Lokomotivenhalle. Die gigantischen Ausmaße werden erst beim Davorstehen deutlich. Das „Krokodil“, das einem die Eltern für die Märklin aus Kostengründen vorenthielten, findet sich hier im Original. Die Kinder rundherum finden die Ungetüme lustig, haben aber schon etwas Probleme damit, in ihnen die Vorgänger des ICE zu entdecken.

200 Motorrad Oldies

Dieser Zeitsprung fällt uns Bikern schon leichter, wenn wir einen der rund 200 Motorrad-Oldies entdecken. Ein Motorrad von heute sieht seinem fast 100 Jahre alten Vorgänger im Wesentlichen eben immer noch ähnlich. Etwas anders sieht es da bei den Automobilen aus. Ein Ford-T-Modell und ein Jaguar-E-Type haben außer den 4 Rädern nicht mehr viel gemeinsam. Überhaupt ist die Sportwagenabteilung mit Fahrzeugen von Lamborghini, Ferrari und Mercedes-Benz ein Juwel. Aber nicht nur die Freunde von alten und schnellen Autos kommen auf ihre Kosten, denn auch die ausgestellten Nobelkarossen überzeugen. So findet man in Sinsheim eine der weltweit größten Maybach-Sammlungen. Auch amerikanischen Straßenkreuzern wird eine große Präsentationsfläche eingeräumt.

Kulinarische Verlockungen

Große Sonderflächen sind auch den Themen Landwirtschaft und Militär vorbehalten. Dabei hat man den Eindruck, dass die Militärabteilung teilweise sehr nachdenklich wahrgenommen wird. Vielleicht weil hier sehr deutlich wird, dass der Nutzen der Technik nicht unbedingt nur zum Wohle der Menschheit eingesetzt wird. Wem jetzt die Füße schmerzen und der Magen knurrt, dem ist ein Abstecher in die Innenstadt von Sinsheim zu empfehlen. Hier gibt es nette Restaurants, die kulinarisch verlockend sind und in denen es weniger hektisch zugeht als am Museumsimbiss. Ganz sicher lohnt es sich ein bisschen länger in der Region zu bleiben, denn mit dem Odenwald, dem Nordschwarzwald und den windungsreichen Straßen an den Flüssen Jagst und Kocher gehen hier die Kurven nicht so schnell aus.

Text: Klaus Hinterschuster

Fotos: Archiv

Kartenmaterial

„Motorradspass Odenwald – Hohenloher Land – Taubertal“,

Good Vibrations Verlag.

www.tourershop.de

Auto & Technik Museum Sinsheim

Museumsplatz

74889 Sinsheim

Tel. 07261-92990

www.technik-museum.de

info@technik-museum.de