Rheinland Pfalz: Westerwald

Rheinland Pfalz: Westerwald


Land der Klöster, Kannen und Kurven

Wer kennt nicht das alte Marschlied "Oh, du schö-ö-ö-ner We-e-e-sterwald, schmeiß den Spieß vom Fahrrad...."? Mal sehen, wo der Spieß geblieben ist!

Landschaft der Ruhe

Eingebettet zwischen Bergischem Land, Siegerland und Taunus wird der Westerwald nach Westen zur Eifel hin vom Rheintalgraben begrenzt. In früherer Zeit nahmen die Kauf- und Fahrensleute lieber den bequemen Weg entlang des größten deutschen Flusses, statt sich über die Westerwälder Höhenzüge zu quälen. Noch heute merkt man den kleinen Orten an, dass Stress und Hektik weitgehend außen vor geblieben sind. Verträumte Fachwerkhäuschen säumen den Weg, Menschen gehen ohne Hast ihrem Tag-werk nach. Anders als an der A3, über die ich mich dem Zielgebiet nähere. Hier findet zur Zeit wohl eine der größten Erdbewegungsmaßnahmen von Menschenhand statt: Der Bau der ICE-Trasse zwischen Köln und Frankfurt entlang der Autobahn erfordert das Umschichten von Millionen Kubikmetern Erdreich. Wer bei Ransbach-Baumbach an der Ausfahrt 38 die Bahn verlässt, den beeindruckt zunächst die waldreiche Landschaft, die eine sagenhafte Ruhe ausstrahlt.

 

Dank der geringen Verkehrsdichte habe ich genug Zeit, mich rechts und links der Straße umzusehen. Ich beschließe, zunächst der "Kannenbäcker-Straße" über Ransbach-Baumbach nach Höhr-Grenzhausen zu folgen. Entlang des Wegs allerorten kleine Töpfereien, in denen die Spezialität der Region noch in Handarbeit hergestellt wird: Glasiertes Steingut. Hier im "Kannenbäcker-Land" besteht eine Tradition fort, welche die hiesigen Erzeugnisse weltbekannt gemacht hat: Die Salzglasur, die nach dem Brennen der Tonrohlinge eine tiefe Blaufärbung hinterläßt. So entstehen wunderschöne Krüge, Fässer und Blumenkübel, aber auch Kunstgegenstände. Unwillkürlich wird man an die berühmten "Bämbel" aus Heinz Schenks blauem Bock erinnert. Wer mag, kann sich in Höhr-Grenzhausen in einer der familienbetriebenen Töpfereien umsehen, das Keramikmuseum be-sichtigen oder sich bei Rastal im Werksverkauf mit ein paar schicken Schnapsgläsern eindecken. Die Goldi nimmt die kurvige Straße in Richtung Vallendar unter die Räder. Mit jedem Streckenkilometer verliere ich etliche Höhenmeter. Unten im Rheintal ist die Luft ein paar Grad wärmer. Am Rhein entlang geht´s nach Neuwied. Ich folge dem Wegweiser ins Wiedtal. Über Waldbreitbach geht es immer an der Wied lang vorbei an idyllischen Campingplätzen und alten Klöstern. Herrlich, diese Kurven bis zur "Alten Grube Anxbach". Die Gaststätte ist ein beliebter Westerwälder Biker-Treff. Die freundliche Bedienung sagt mir, dass die preiswerten Zimmer auch gerade von durchreisenden Bikern immer wieder gern genutzt werden.

 

Über Fernthal, Flammersfeld und Altenkirchen strebe ich der Kleinstadt Wissen zu. Hier erreiche ich die B62, deren Verlauf ich ostwärts folge. Immer am Flußufer entlang führt sie in malerischen Windungen gut ausgebaut über Betzdorf und Eiserfeld nach Siegen. Wer die Nase von Schräglagen und Neben-sträßchen immer noch nicht voll hat, der folge in Altenkirchen der B414 und kämpfe sich durch die sogenannte Kroppacher Schweiz über Mörsbach, Gebhardshain und Steineroth nach Karte bis Betzdorf durch. In Siegen geht's auf die A45, zurück in Richtung Dortmund. Nach soviel Kurvenhatz freue ich mich auf ein kühles Bierchen daheim! Hätte ich allerdings mehr als eine Tagestour geplant, wäre das Bier wohl in einem der gastlichen Häuser des Westerwaldes durch meinen Hals geflossen. Davon findet man genug. Die Getränke sind gepflegt, die Preise zivil. Wer´s eher etwas hibbeliger mag, sollte im unweit gelegenen Bad Hönningen einchecken. Hier treffen sich am Wochenende Clubs aus ganz Deutschland, um auf der reeperbahn ähnlichen Kneipenmeile in den Nahkampf einzutreten. Ideal also für ein langes Motorrad Wochenende!

 

Text & Fotos: Wingleader 

 

Ähnliche Touren zum downloaden:

Kurventour ab Koblenz 

 

Sieg,Wied,Sayntal und Westerwald
 
 
Motorradtour durch den Taunus
 
 
Koblenz, Montabaur und Gelbachtal