Thüringer Wald

Thüringer Wald


Es geht um die Wurst

Reisen, nicht rasen, schon gar nicht rennen, wollen wir auf unserer Motorradtour durch den Thüringer Wald. Obwohl es dabei um die Wurst geht, nehmen wir uns Zeit, Denkmäler vergangener Epochen und traumhafte Nebenstrecken aufzuspüren.

Serviert mit Brot und Senf

Fast jeder Biker kennt die Roadster von Voxan oder BMW's Rockster - aber was zum Kuckuck ist ein Roster? Ganz einfach: Die Thüringer Rostbratwurst wird in Ostthüringen auch Roster genannt. Nur echt vom Holzkohlegrill, serviert mit Brot und reichlich Senf. Dank der Brüsseler EU-Bürokraten sind Inhalt und Herkunft der lokalen Bratwurstspezialität streng reglementiert: Mindestens 15 bis 20 Zentimeter lang, der Naturdarm mit einer mittelfeinen Fleischmasse gefüllt. Ein Grund mehr, Thüringens Straßen und Würste zu testen.

Ab in´ Osten

In Behrungen wechseln wir über die ehemalige innerdeutsche Grenze und verschaffen uns am Mahnmal Deutsch-Deutscher Geschichte einen Einblick in die Sperranlagen im Niemandsland. Im benachbarten Römhild mit seinem historischen Stadtbild ist heute Markttag und der von den Verkaufsständen umzingelte Springbrunnen im Ortskern plätschert fröhlich vor sich hin. Wir umrunden Hildburghausen, überqueren dabei die noch junge Werra bei Reurieth und gelangen dann über einen einspurigen, menschenleeren Fahrweg nach Gerhardtsgreuth. Vom Dröhnen der Motoren aufgeschreckt, erheben sich Hunderte von Stockenten, die vorher friedlich auf den angrenzenden Fischteichen paddelten. Das lautstarke Protestgeschnatter dringt bis unter unsere Helme. Die Südwestgrenze des Thüringer Waldes begrüßt uns freundlich mit kurvigen und steilen Strecken durch dunkle Tannenwälder. Parallel zur B 4 windet sich eine fahrenswerte Nebenstrecke hinauf in die tief hängenden Wolken bei Frauenwald. Mischwald und Nebel ergeben eine geradezu mystische Stimmung. Eine kleine Schutzhütte bietet ein willkommenes Plätzchen für eine Pause. Auf fast achthundert Metern Höhe entdecken wir mitten auf einer Kreuzung eine übergroße Steinsäule, obendrauf ein röhrender Hirsch - ebenfalls aus Stein. Das Denkmal erinnert an die Ursprünge "Der Frauen auf dem Wald" und die Schrecken des 30-jährigen Krieges, als Tilly und Gustav-Adolf auch in Thüringen ihre Blutspuren hinterließen und dabei Dörfer und Klöster verwüsteten.

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Der alte Rennsteig

In Neustadt stoppen wir erneut die Motoren und informieren uns über den mehrere Jahrhunderte alten Rennsteig, der auf dem Mittelgebirgskamm 168 Kilometer von Nordwest nach Südost verläuft. Einst Grenz- und Handelsweg, ist er heute fest in der Hand der Kniebundhosenträger. Für die folgende Etappe über Gross-Breitenbach, Schwarzmühle, Cursdorf und Neuhaus nach Steinheid sollten Handzettel verteilt werden, die vor den Nebenwirkungen des Parcours warnen: Leichte Rauschzustände und erhöhter Materialverschleiß sind an der Tagesordnung. Eine echte Hammerstrecke ist die anschließende Runde am Großen Farmdenkopf (869 m) vorbei nach Blech-, Ober-, Schwäger- und Masserhammer. Die Ortsnamen stammen aus dem 15. Jahrhundert, als durch Wasserkraft angetriebene, bis zu 160 kg schwere Fallhämmer die Metallbearbeitung vorantrieben. Die heute noch vorhandenen Stauseen wurden später von Dampfmaschinen abgelöst, die mit Holz und heimischer Kohle befeuert wurden. Apropos Kraft: Durchzugsstarke Motoren sind in dieser Region klar im Vorteil. Zahlreiche freie Kuppen gestatten uns weite Blicke übers Land, im fahlen Licht staffeln sich Mittelgebirgszüge bis zum Horizont. Ganz in der Nähe befindet sich die Werraquelle. Die Kurverei und das stete Auf und Ab finden erst bei Eisfeld ein jähes Ende. Dann lassen wir die Maschinen durch die Langen Berge nach Bad Rodach bei Coburg fliegen und finden über die Dörfer nach Mellrichstadt. Im Motor Bike-Hotel Sturm sind alle auf die besonderen Motorradfahrerwünsche eingestellt, einem Frühstück um sieben Uhr an nächsten Morgen steht nichts im Wege.