Frankreich-Provence

Frankreich-Provence


Kurven zwischen Pastis und Lavendel

Der braungebrannte Weinbauer macht eine beschwichtigende Handbewegung, ruft "P-r-o-v-o-n-c-e" und geht erst mal wieder ins Haus.

Die Provence

Für uns bedeutet dieses außergewöhnliche Begrüßungsritual, dass wir uns selbst einen schönen Stellplatz auf dem Camping aussuchen können und erst mal in Ruhe unser Zelt aufbauen sollen - die lästigen Anmeldeformalitäten können später erledigt werden. Die ruhige Art der Provencler ist uns schon bekannt, nach zwei Wochen Motorradtour durch die französische Region haben wir des öfteren Bekanntschaft mit den freundlichen und gemütlichen Bewohnern gemacht. So können wir uns also erst mal aus unseren Lederklamotten schälen und duschen gehen. Eine Wohltat, denn es war ein sehr warmer Tag. Die Provence vereint wie keine andere Landschaft Frankreichs die unterschiedlichsten Landstriche zu einer gelungenen Mischung - Motorradfahrer treffen hier in wohlportionierten Tagestouren auf kurvige Schluchten, Bergetappen und beeindruckende Steilstraßen direkt am Meer. Die übliche Reduzierung der Provence auf "Lavendelfelder" und "Pastis" wird ihr nicht gerecht, denn sie bietet alles, was man für einen schönen Motorradurlaub braucht. Hier ein Rundkurs durch Frankreichs Süden, getestet und für sehr gut befunden:

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Die ersten Kilometer...

Zur Einstimmung ist die Anreise über die Ardèche sehr zu empfehlen. Hinter Lyon schnellstens von der stressigen Autobahn runter und über Aubenas und Privas Richtung "Gorche d'Ardèche" fahren. In der Gorge schlängelt sich die Ardèche durch gigantische Felsschluchten, die 38 km lange Strecke bietet einen schönen Auftakt für spätere Touren und gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was den Biker noch so erwartet. Am Fuße der Ardeche, in St. Martin d'Ardèche kann man ganz prima zelten, so bietet der "Camping du Moulin" schöne schattige Plätze in Flussnähe. Am Abend sollte man unbedingt einen kleinen Abstecher ins nahe Aiguèze machen. Die kleine Stadt, die trotzig über dem Fluss trohnt, ist so richtig "französisch": Kleine verwinkelte Gassen, uralte Häuser und alte Männer die Boule spielen. Direkt am Brunnen stehen hier die Tische des "Café Chabots", hier gibt es gutes und günstiges Essen, und Fleischspieße - direkt vom Grill. (Achtung: Spieße heißen "Brochetes" und nicht "Andouilette papilotte"- Letzteres ist eine ziemliche eklige Schlackwurst mit Pansen...)

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Im Höhenrausch zum Verdon

Von der Ardèche ist es nur noch ein kurzer Weg in die Provence. Sehr schön ist die Strecke über den Mont Ventoux zur Verdon-Schlucht. Unterwegs gibt es viel zu sehen, also unbedingt genügend Zeit einplanen. Am Fuß des Mont Ventoux, dem höchsten Berg der Provence, liegt das kleine Dörfchen Malaucène, jeden Mittwoch ist Markt - eine gute Gelegenheit, richtig frisches Gemüse einzukaufen. Verlässt man Malaucène nördlich über die D 974 dauert es nur ein paar Minuten und der Berg liegt einem zu Füßen. Dann folgt eine berauschende Kurvenfahrt bis hoch zum Gipfel. Der Weg wird anfangs noch von schattigen Pinienwäldern begleitet, nach und nach wird die Landschaft schroffer. Am besten läßt man sich einfach von den Kurven bis zum Gipfel tragen, hier, in knapp 2000 Metern Höhe ist man mit den Wolken schon auf einer Ebene, der Blick ist einfach sagenhaft. Vorsicht, auf dem Gipfel ist es unheimlich kalt und es bläst ein starker Wind, der manchmal unbezwinbare Ausmaße annimmt. Nur bei gutem Wetter und klaren Sichtverhältnissen fahren! Hinter dem Gipfel klettert die D 974 langsam wieder ins Tal hinunter und so langsam wird es auch wieder wärmer. In der Ebene angekommen, kann man auf der Fahrt Richtung Manosque richtig entspannen, denn die kleinen Straßen (D 30 & D5) führen vorbei an Lavendelfeldern und kleinen Dörfern und bieten unheimlich viel zu gucken. Am frühen Abend erreicht man dann über die D 952 Moustieres St. Marie, eine alte Stadt am Fuß des Verdons und am See St. Croix. Und wieder ist es ein "Moulin"-Campingplatz, den ich empfehlen kann. Zwischen Moustiers und Aiguinses an der D 957 liegt der kleine Platz nur wenige Minuten vom See entfernt, der mit seinem türkisfarbenen Wasser an die Karibik erinnert. Die Wirtin des Platzes erklärt gerne den Weg zum See, man sollte nur nicht fragen, ob das Wasser warm ist, denn "natürlich ist das Wasser warm."

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Über kurvige Schluchten ans Meer...

Die nächste Etappe bringt den Provence-Erkunder schon ans Meer: Über die Gorge du Verdon bis nach Grasse, wieder eine Schlucht wie an der Ardèche - doch die Provence wäre nicht die Provence, würde sie hier nicht noch einmal eine absolute Superlative bieten... In 700 (!) Metern Höhe schlängelt sich die Strecke am Fluss entlang, der sich irgendwo unten wie ein grünes Band durchs Tal windet. Für besonders Begeisterte wurde auf halber Höhe ein Rundkurs (D 23) eingerichtet, der nochmals zu besonders spektakulären Aussichten führt. Hinter der Gorge ist es noch eine gute Stunde bis nach Vence, auf der Fahrt dorthin sieht man dann auch zum ersten Mal das Meer, auf halben Weg streift man die Parfumstadt Grasse, Palmen säumen den Ortseingang. Das kleine Örtchen Vence liegt etwas obehalb der Côte d'Azur und hat mehrere Vorteile: Man ist ruck-zuck am Meer, aber nicht "dem totalen Trubel" ausgesetzt, der Campingplatz " La Bergerie" ist einfach super (Swimming-pool !) und nicht halb so teuer wie die Abfertigungsplätze zwischen Cannes und Nizza.

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Von Vence aus kann man die Côte d'Azur so erkunden, wie man mag. Zum Beispiel über Menton nach Monaco bis Nizza - hier nimmt man am besten die "Basse Corniche", die sich in schönen Kurven direkt am Meer entlang schlängelt und durch die zahlreichen Badeorte führt. Wer sich Nizza, Cannes oder Monaco angucken möchte und auf "Nummer Sicher" gehen will, fährt am Besten in eins der vielen Parkhäuser. Ansonsten gilt: Die Sachen auf dem Campingplatz lassen und die Wertsachen am Körper tragen. Die "Côte", von den Einheimischen stolz "französische Riviera" genannt, erschlägt mit riesigen Hotelbauten, eleganten Strandpromenaden, vielen Museen und gemütlichen Altstädten. Wer zufällig im Juli da ist: In Nizza ist Jazz-Festival, in St. Paul findet am 10. Juli eine riesengroße Heiligenprozession statt und bei McDonalds gibt es schon wieder Kinogutscheine für Cannes und die Filmfestspiele.

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Zurück zur Natur...

Wem es nach der quirligen Côte wieder nach etwas mehr "Grün" und Ruhe ist, der sollte sich ins Luberon bewegen. Eine Naturlandschaft, die durch kleine Dörfchen, Weinfelder und endlos kurvige Strecke zum Fahren gekennzeichnet ist. Wir suchen uns einen Campingplatz, der gut gelegen ist, um noch verschiedene Tagestouren zu machen, und landen bei obengenannten Weinbauern. Der Platz liegt an einer kleinen Nebenstrecke der N100, in der Nähe von Apt in Petit Castolett. Bis auf den Esel ist es hier schön ruhig, frische Eier und selbstgemachten Wein kann man direkt "am Ort" kaufen. Wer rastet, der rostet! Zwei Wochen Provence haben wir schon hinter uns, eigentlich könnte man mal ein bisschen Pause machen, aber die Provence hat noch so viel zu bieten: Wir machen von Castolett aus Tagestouren nach Arles, in die Camargue, lassen uns hier mit kleinen Fähren übersetzen, wo die Straßen aufhören und sehen tatsächlich Flamingos. Wir düsen im Luberon vorbei an Hunderten kleiner Schlösser und Kirchen, kurven über endlose Alleen nach Avignon - hier ist zufällig auch noch Theaterfestival. Wir sind begeistert. Dann, viel zu schnell, ist der Urlaub zu Ende und wir müssen zurück. Die Heimreise treten wir natürlich nicht ohne eine Flasche Pastis an, denn das Nationalgetränk der Provence ist genau wie das Land: Eine super Mischung!!!

Tipps

Frankreich hat ein sehr gut ausgebautes Straßennetz und es ist nicht nötig, über die meist kostenpflichtigen Autobahnen zu fahren. Auf den Nationalstraßen (N) und den Landstraßen (D) kommt man bestens und meist genauso schnell voran.

Beste Karte für einen Provence-Kurs ist die von Michelin, Nummer 245 - hier ist wirklich jede Straße eingezeichnet, und sei sie noch so klein (1 cm : 2 km)

Wenn man in Frankreich fährt, sollte man sich zu mindestens einigermaßen an die Geschwindigkeitsbeschränkungen halten, in Ortschaften gilt meist 50 km/h, auf Landstraßen 90 km/h. Wer in eine Radarkontrolle gerät, zahlt saftig! Natürlich gilt auch in Frankreich: Helm auf und Licht an.

Werkstätten gibt es an allen Ecken und in den entlegensten Winkeln, gleiches gilt für Tankstellen. Bleifreies Normalbenzin ist eher selten, überall im Angebot ist bleifreies Super, dabei gibt es zwei Qualitäten: 95 Oktan und 98 Oktan (Superplus). Die Preise können von Ort zu Ort stark schwanken, am wenigsten zahlt man, wenn man Tankstellen wählt, die zu einem Supermarkt gehören. (Intermarché, Super U, Carrefour).

Text & Fotos: Frank Sachau